Jan Hendrik Szymczak träumt vom Deutschland-Achter – dem „großen grünen langen Boot“

dzJan Hendrik Szymczak

Ende Februar wurde Jan Henrik Szymczak Indoor-Juniorenweltmeister im Rudern. Zum Deutschland-Achter zu gehören, ist nur ein Traum des 17-jährigen Huckarders.

Huckarde, Nette

, 11.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Jan Henrik Szymczak hat einen Traum: „Das ist das große grüne lange Boot.“ Der Deutschland-Achter. Welcher Ruderer hat den nicht? Gänzlich unrealistisch ist er für den gerade erst 17-Jährigen aber nicht. Bis zur Altersklasse der A-Senioren sind es noch sechs Jahre hin.

Der Tag vor seinem Geburtstag zeigt, dass er vom grünen langen Boot weiter träumen darf: Am 24. Februar feierte Jan Henrik Szymczak seinen bisher größten Triumpf. In Los Angeles wurde er Indoor-Juniorenweltmeister im Rudern. 2000 Meter auf dem Ergometer, im direkten Duell mit 32 Konkurrenten.

Das Erlebnis in Kalifornien war megamäßig

Jetzt, sechs Wochen später, legen sich die Eindrücke. „Das zu verpacken war nicht so einfach“, erzählt er. 800 Athleten, eine „verdammt große Halle“, 60 Ergometer, elfeinhalb Stunden Flug von Paris nach LA. „Der war total beschissen.“ Aber es sind auch die Erinnerungen an eine tolle Truppe und ein schönes Hotel mit sehr gutem Essen. „Es war megamäßig.“

Ein wenig Stolz klingt mit, als Jan Henrik Szymczak im heimischen Wohnzimmer in Huckarde mehr als 100 Medaillen zeigt. Aber der Abiturient ist realistisch. „Mein Ziel ist, international starten zu dürfen“, sagt er. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen – Zeit, den Triumpf zu genießen, bleibt nicht.

Jan Hendrik Szymczak träumt vom Deutschland-Achter – dem „großen grünen langen Boot“

Training bei Sonnenaufgang auf dem Elfrather See in Krefeld. Jan Henrik Szymczak und Partner Julian Garth gehen auch - wie hier - im Januar auf Wasser. © Szymczak

Denn Freizeit hat Jan Henrik Szymczak nicht. Wir treffen uns an seinem freien Mittwochnachmittag nach Schulschluss. Den Rest der Woche prägen die Trainingseinheiten. Sieben an der Zahl: Hanteltraining in einem Fitness-Center, Ergometer-Rudern im Bootshaus am Kanal, am Wochenende drei Einheiten Wassertraining auf dem Elfrather See in Krefeld.

Sonntags bleibt eine Einheit für die Familie

Zu Saisonbeginn wechselte Jan Henrik Szymczak mit Julian Garth, seinem Partner im Zweier, vom Ruderclub Hansa zum Crefelder Ruder Club – auch, weil „neun Trainingseinheiten in Dortmund zu viel waren“. Sonntags, wenn in Krefeld nur eine Wassereinheit auf dem Trainingsplan steht, „bleibt eine Einheit für die Familie“. Ansonsten ist seine Familie der Verein.

Nach Ostern steht das Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium an. Auch dort gehört Jan Henrik Szymczak zur Ruderriege und trug zu den Erfolgen bei den Schul-Stadtmeisterschaften bei. „Ich bin sehr stolz“, kommentierte Schulleiter Detlef von Elsenau den Weltmeistertitel auf Facebook. Nach dem Abitur will der 17-Jährige auf Lehramt studieren. „Es gibt nur drei Möglichkeiten“, sagt Vater Guido, „Studium, Polizei oder Bundeswehr“. Familie Szymczak verfolgt die Regatten des Sohnes meist im Live-Stream vom heimischen Wohnzimmer aus.

Zwölf Stullen Brot zum zweiten Frühstück in der Schule

Mutter Kathrin ruderte zu Schulzeiten selbst und machte ihrem Sohn vor achteinhalb Jahren den Sport schmackhaft. Als sie erfuhr, dass die Deutsche-Indoor-Meisterschaft die Qualifikation zur WM in Kalifornien einschloss, „war ich geschockt“. Wenige Tage blieben für die Vorbereitungen. Dann Probleme mit der Reisekrankenversicherung: „Jan Henrik ist für sein Alter zu groß und zu schwer“.

Jan Hendrik Szymczak träumt vom Deutschland-Achter – dem „großen grünen langen Boot“

Jan Henrik Szymszak (r.) ist stolz auf seine Gold-Medaille als Indoor-Juniorenweltmeister im Rudern. Mutter Kathrin, Schwester Lisa Marie und Vater Guido (v.l.) fieberten im heimischen Wohnzimmer mit. © Uwe von Schirp

100 Kilo bringt der 1,96-Meter-Hüne auf die Waage. Entsprechend groß ist der Energiebedarf: eine Schale Müsli vor der Schule, gut zehn bis zwölf Stullen in den Schulpausen, vor dem Training wieder Müsli, abends, was die Eltern und Schwester Lisa Marie zu Mittag hatten. „Mit Hühnersuppe brauche ich nicht zu kommen.“ Kathrin Szymnczak lacht.

Jan Henrik Szymczak braucht die Energie, um auf der Erfolgsbahn zu bleiben. Bis zu elf Regatten stehen für dieses Jahr im Kalender. „Bei den A-Junioren gibt es vier Möglichkeiten, international zu starten“, sagt Jan Henrik Szymczak. Da will er hin, auf seinem Weg zu seinem Traum im „großen grünen langen Boot“. Am besten zu den Olympischen Spielen, sein „absoluter Traum“. Paris 2024 wäre das konkrete Ziel..

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