Shoppen mit Test und Termin zieht nur noch wenige Menschen zum Shoppen in die Dortmunds Innenstadt. © Stephan Schuetze
Shopping mit Testpflicht

„Ist hier geöffnet oder geschlossen?“- Gespenstische Leere in der City

Shoppen darf man in Dortmund nur noch mit Termin und negativem Corona-Test. Nutzen die Menschen das Angebot? Und welche Läden sind noch geöffnet? Unsere Reporterin hat sich in Dortmund umgeschaut.

Schon seit über einer Woche braucht man zum Shoppen in der Dortmunder Innenstadt einen negativen Corona-Schnelltest. Dazu gilt auch nach wie vor die Regel, dass man zum Shoppen einen Termin benötigt. Schrecken die Auflagen jetzt mehr Leute ab?

Der Westenhellweg ist für einen Mittwochnachmittag in den Ferien erstaunlich leer. Nur wenige Menschen schlendern über die Einkaufsstraße, vielleicht eine Handvoll mehr als sonst während des kompletten Lockdowns.

Auch in den Läden sieht es leer aus, vor den Eingängen sind meist Tische aufgebaut, wo Terminbuchung und Corona-Test kontrolliert werden. Nur vor Saturn bildet sich eine längere Schlange. Einige Geschäfte wie Mango oder Hema sind komplett geschlossen.

Vielleicht trübt auch das nasskalte Wetter die Shoppinglaune, wer möchte schon bei den immer wieder einsetzenden Schneeregen-Schauern vor einem Geschäft anstehen? Normalerweise tummeln sich die Menschen bei so einem Wetter dann in der Thier-Galerie.

Gähnende Leere in der Thier-Galerie

Doch in der Thier-Galerie ist es tatsächlich noch leerer als draußen auf dem Westenhellweg. Vereinzelt kommen Menschen entgegen, viele Geschäfte sehen geschlossen aus. Ist es doch nicht Mittwoch, sondern Sonntag?

Aber auf den zweiten Blick haben ein paar Geschäfte ihre Türen einen Spalt breit geöffnet, Tische versperren den Eingang. Teilweise sieht man, wie die Verkäufer in den Läden Kartons auspacken, Kleidung sortieren oder in seltenen Fällen auch Kunden in das Geschäft lassen. Die Shoppinglaune verschwindet langsam bei dem trostlosen Anblick der Galerie.

In ein paar Läden sind zwar die Türen spärlich geöffnet, aber man sieht weit und breit keinen Verkäufer herum stehen. Man weiß gar nicht so genau, hat der Laden jetzt wirklich geöffnet, oder nicht? Einladend ist die Szenerie definitiv nicht.

Kann man Termine auch spontan vereinbaren?

Einige Läden wie Primark, S.Oliver, Douglas oder die Juweliere Thomas Sabo und Christ sind komplett geschlossen, die Lichter sind aus. Ein Zettel an der Scheibe weist bei vielen darauf hin, dass Shoppen nach Terminvereinbarung möglich sei. Hat für heute vielleicht niemand einen Termin vereinbart, also haben sie gar nicht erst geöffnet? Kann man Shoppingtermine nicht auch spontan vereinbaren?

Auch der Eingang zu Hollister ist verschlossen und der Laden sieht dunkel aus, wobei es dort ohnehin vor Corona auch schon immer dunkel war. An der Scheibe hängt ebenfalls ein Schild „Termin telefonisch vereinbaren“. Einen Versuch ist es wert. Telefonisch kommt man auch direkt durch, spontan jetzt sofort einen Termin zu bekommen sei möglich, wenn es nicht zu voll ist.

Kein Mensch weit und breit

Ein Blick nach links und rechts – kein Mensch weit und breit. Ein Blick durch die Fensterscheiben in den Laden – ebenfalls niemand zu sehen. „Haben Sie einen negativen Corona-Test? Keinen Selbsttest, sondern vom Arzt, aus der Apotheke oder vom Testzentrum“, fragt der Mann am Telefon. Da dies zutrifft, sagt er den Termin zu.

Ein paar Minuten später erscheint ein Hollister-Mitarbeiter und öffnet die Tür. Jetzt nur noch das negative Testergebnis vorzeigen, Kontaktdaten hinterlassen und die halbe Stunde Shoppingzeit im Laden beginnt. Drei Kunden befinden sich im Geschäft, sechs sind laut Corona Schutzverordnung erlaubt. Um den Laden zu verlassen, muss ein Mitarbeiter wieder die Tür öffnen.

Wirken Rabattaktionen?

Ein ungewöhnliches Shopping-Erlebnis – und auch im Rest der Thier-Galerie sieht es nicht anders aus. Vor dem Modegeschäft Orsay ist mitten auf dem Weg ein Schild aufgebaut, das auf die Rabattaktion der „Glamour Shopping Week“ hinweist. Bunte Luftballons zieren das Schild. Aber trotz Sale ist niemand im Laden.

Die Verkäuferin steht hinter der Kasse und tippt gelangweilt auf ihrem Handy herum. Man bekommt schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man einfach am Laden vorbeigeht. Irgendwie möchte ich den Verkäufern helfen – ihnen etwas zu tun geben und den Läden Umsätze bescheren.

Das nächste Ziel ist Vero Moda. Dort sind die Türen ebenfalls geöffnet. Die einzige Mitarbeiterin im Laden ist nicht nur für die Kasse zuständig, sondern kontrolliert auch die Tests am Eingang, ein Termin wird jetzt gerade nicht benötigt, denn der Laden ist leer. Auf die Frage, ob es heute den ganzen Tag schon so leer sei, antwortet sie: „Ja, ist wahrscheinlich wegen dem Wetter.“

Die einzige Kundin im Laden zu sein, ist ein merkwürdiges Gefühl. Zwei weitere Menschen betreten den Laden, auch sie wirken verunsichert über die gähnende Leere. Man hat das Gefühl, dass man jetzt auch etwas kaufen muss, wenn man schon einmal da ist.

Ein Gefühl von Sicherheit

Shoppen mit Termin und Test scheint die Thier-Galerie leergefegt zu haben. Läuft nicht normalerweise Musik in den Läden? Die Stille durch fehlende Menschen und Hintergrundmusik trägt mit zu dem merkwürdigen Gefühl bei.

Dabei gibt die Leere auch ein Gefühl von Sicherheit. Wie soll man sich hier – bei so wenigen Menschen, riesigen Abständen und zusätzlichen Kontrollen durch die Tests – anstecken? Shoppen zu gehen fühlt sich aktuell zehnmal sicherer an, als im Supermarkt einzukaufen.

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