Ist das Dortmunds schrägster Bürgersteig? Zehn Grad Schlagseite - und das ist so gewollt

dzBauarbeiten

Kinderwagen-Schieber und Rollstuhlfahrer haben mit der Neigung im Unteren Weg im Loh ihre liebe Mühe. Die Stadt hat den Gehweg bewusst angeschrägt. Was Passanten ärgert, freut die Anwohner.

Loh

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine Bergsteigerausrüstung wäre wohl übertrieben, aber gute Armmuskeln können nicht schaden. Dieser Tipp geht an alle, die vorhaben, mit Kinderwagen oder Rollator über den Bürgersteig am Unteren Weg im Loh zu spazieren.

Denn hier ist es mitunter ziemlich schief. Bis zu zehn Grad Gefälle hat der Bürgersteig an einigen Stellen, wie eine Stichprobe dieser Redaktion ergeben hat.

Ein leichtes Gefälle sei ja normal, sagt ein Anwohner

„Das ist schon sehr auffällig“, sagt Anwohner Norbert Uhlir: „Speziell mit Kinderwagen ist es schwierig, über den Bürgersteig zu gehen. Über ältere Menschen mit Rollator braucht man da erst gar nicht diskutieren.“ Dass es bei Bürgersteigen ein leichtes Quergefälle gebe, sei ja normal. Gemeinsam mit Nachbarn habe er aber mal nachgemessen. Auf einen Meter kamen sieben Zentimeter Höhenunterschied.

Ist das Dortmunds schrägster Bürgersteig? Zehn Grad Schlagseite - und das ist so gewollt

Der Untere Weg aus Augenhöhe betrachtet. Die Schräglage ist gut zu erkennen. © Michael Nickel

Warum ist das so? Klarheit bringt eine Anfrage bei der Stadt Dortmund.

„Der Gehweg im Unteren Weg wurde erst im Jahr 2017 durch die Stadt Dortmund grunderneuert“, schreibt Stadtsprecher Maximilian Löchter. Bei der Erneuerung musste das Tiefbauamt aber eine grundlegende Entscheidung treffen.

Die Stadt musste abwägen: Mehr Kosten für Anwohner oder Schräglage

„Aufgrund der Anschlüsse an die vorhandenen Grundstücksgrenzen beziehungsweise Maueranlagen war hier die Abwägung zwischen einem erhöhten Quergefälle oder weitreichenden Angleichungsmaßnahmen in die dahinterliegenden Grundstücksflächen zu treffen“, erläutert die Leiterin des Tiefbauamtes Sylvia Uehlendahl. Da das zu Folgekosten für die Anlieger geführt hätte, habe man sich für das erhöhte Quergefälle entschieden.

Dass die Stadt die Anwohner des Unteren Weges grundsätzlich am Umbau des Bürgersteiges beteiligt hat, ließ sie in ihrer Antwort unerwähnt. Zahlen müssen nach Informationen dieser Redaktion auch Eigentümer, deren Grundstücke auf der anderen Straßenseite liegt und mit dem schiefen Bürgersteig keine Berührungsfläche hat.

Die Benutzbarkeit werde nicht eingeschränkt, schreibt die Stadt

Einer Spaziergängerin, die am Mittwochvormittag (17. April) auf dem Unteren Weg unterwegs war, ist die Schräglage erst auf den zweiten Blick aufgefallen. „Stimmt, die Flucht ist schon ordentlich“, sagt sie. Wenn Anwohner Martin Lüneberger mit seinen Kindern unterwegs ist, benutze er mitunter lieber die Straße als Gehweg.

Ist das Dortmunds schrägster Bürgersteig? Zehn Grad Schlagseite - und das ist so gewollt

Zehn Prozent Steigung gibt es an dieser Stelle. © Michael Nickel

Eine Anwohnerin ist mit Kinderwagen unterwegs und muss angesichts des Gefälles ordentlich gegensteuern. Von der Stadt heißt es: „Der Gehweg befindet sich in einem verkehrssicheren Zustand, die Benutzbarkeit wird durch das Gefälle nicht eingeschränkt.“

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