Internationale Einbrecherbanden operierten von Nordstadt aus

230 Einbrüche

Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund ist der bundesweit größte Schlag gegen internationale Einbrecherbanden gelungen. Eine Ermittlungskommission hat fünf sogenannte "rumänische Brigaden" zerschlagen. 40 Männer sitzen in Untersuchungshaft. Die Nordstadt war das Basislager der Tätergruppen. Eine Spur führt auch nach Bochum.

DORTMUND

, 18.02.2014, 14:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf einer Pressekonferenz Mitte Februar stellten Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund ihre Ermittlungserfolge vor. Dort gab es auch das Bewegungsprofil einer Einbrecher-Brigade, die einen Monat lang quer durch Deutschland gezogen ist, zu sehen.

Auf einer Pressekonferenz Mitte Februar stellten Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund ihre Ermittlungserfolge vor. Dort gab es auch das Bewegungsprofil einer Einbrecher-Brigade, die einen Monat lang quer durch Deutschland gezogen ist, zu sehen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So arbeiteten die Einbrecher-Brigaden aus Dortmund

Fünf Einbrecher-Gruppen aus Rumänien nutzten die Dortmunder Nordstadt, um von dort aus quer durch die Republik und in Nachbarländer Deutschlands zu ziehen. Polizei und Staatsanwaltschaft erzielten gegen international arbeitende Einbrecherbanden den größten Ermittlungserfolg aller Zeiten. Der Schaden bewegt sich in zweistelliger Millionen-Höhe.
19.02.2014
/
Das Bewegungsprofil einer Einbrecher-Brigade, die einen Monat lang quer durch Deutschland gezogen ist. Die Ziele lagen in Norddeutschland, im Ruhrgebiet, in Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern© Grafik: Polizei Dortmund
Die Einbrecher trennten die Wände von Lagerhallen auf und legten die Beute zum Abtransport bereit. Die Polizei verfolgte die Einbrecher und konnte sie in einigen Fällen auf frischer Tat ertappen.© Foto: Polizei Dortmund
Nach einem Einbruch: Blick in eine Lagerhalle.© Foto: Polizei Dortmund
Von der Polizei sichergestellte Kabelrollen. Eine Zulieferfirma für die Automobilindustrie musste nach einem Einbruch die Insolvenz anmelden, weil der Rohstoff kurzfristig nicht lieferbar. Mehrere Fachkräfte aus dem Sauerland verloren deshalb ihre Arbeitsplätze.© Foto: Polizei Dortmund
Kistenweise transportierten die Einbrecherbanden die Beute ab. Dafür nutzten sie "Sprinter" und andere gestohlene Fahrzeuge, die häufig auch im europäischen Ausland zugelassen waren.© Foto: Polizei Dortmund
Schrott als Einnahmequelle: Die Einbrecher verhökerten mehrere 100 000 Tonnen Metalle.© Foto: Polizei Dortmund
Kostbar: Von der Kriminalpolizei sichergestellte Messingbarren.© Foto: Polizei Dortmund
Schlagworte

  • 100 Tatverdächtige, die aus der Dortmunder Nordstadt heraus operiert haben
  • 40 Männer sitzen in Untersuchungshaft. Aktuell liegen bereits 20 Anklagen vor
  • Organisierte Kriminalität mit dem Ziel, die Beute gewinnbringend zu verkaufen
  • Tätergruppen arbeiteten als selbst ernannte "Brigaden" mit bis zu 15 Mitgliedern
  • Die Ermittlungsgruppe "Schloss" konnte bundesweit 230 Einbrüche aufklären
  • Aufgeklärt wurden nur Taten ab Juni 2013. Weitere Fälle kommen garantiert dazu
  • Bisher 1,9 Millionen Euro Beutewert. Hinzu kommen Schäden an Gebäuden

In welchen Städten in NRW waren die Banden aktiv? Uns hat die Staatsanwaltschaft Dortmund eine Liste mit betroffenen Gemeinden zukommen lassen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Aktualisierung 13.33 Uhr: Den Anstoß für den Aufbau der Ermittlungskommission "Schloss" gab ein Rumäne, der als Lohnarbeiter angeworben wurde und tatsächlich als Einbrecher arbeiten sollte. Er informierte die Polizei und arbeitete als Informant.Aktualisierung, Mittwoch 11.53 Uhr: In Bochum klickten am Dienstag (18.2.) die Handschellen: Die Polizei nahm dort drei Hehler fest, die tonnenweise gestohlene Metallsorten wie Kupfer und Messing verscherbelt hatten. Ausgangspunkt der über 220 aufgeklärten Einbrüche in metallverarbeitende Firmen war die Dortmunder Nordstadt. Dort übernachteten die Banden. Der "Brigadenführer" und sein Fahrer wohnten in Einzelzimmern. Die Arbeiter, auch "Tote" und "Pfeile" genannt", mussten sich Matratzenlager teilen. Pro Einbruch wurde ihnen in Anwerbegesprächen in Rumänien ein Lohn von 150 bis 200 Euro versprochen. Laut Kriminalhauptkommissar Rainer Buchholz mussten die Bandenmitglieder aus der unteren Ebene einen großen Teil des Lohns aber wieder abgeben - als Miete für die Matratzen (sechs Männer in einem Zimmer) und für die Benutzung eines Kühlschranks.Den Tatort genau ausspioniert

Als Köpfe der fünf Banden spionierten die Brigadeführer die Tatorte aus. Sie orteten Polizeistationen, legten Fluchtwege zurecht und organisierten den Einsatz der "Pfeile" und "Toten". Die "Pfeile" mussten in die Industriebetriebe einbrechen. Dafür trennten sie die Wände der Hallen auf. Die "Toten" mussten die tonnenschwere Metall-Last in Mercedes-Sprinter hieven. Losgezogen waren die konkurrierenden Einbrecherbanden zwei bis dreimal pro Woche. Die Ziele lagen in der gesamten Bundesrepublik, in Österreich, Belgien, Niederlanden und Frankreich. Für die Einbrüche legten die Männer immer rund 500 Kilometer zurück. Bei besonders lukrativen Einbrüchen orderten sie sogar Fahrzeuge nach. Eher selten schlugen die Banden in Dortmund zu. Ziele lagen im Rheinland, im Münsterland und vor allem im Hochsauerlandkreis und im Märkischen Kreis.Firma musste Insolvenz anmelden Die Einbrecher hinterließen gravierende Folgen: Einen Betrieb in Düsseldorf suchten sie acht mal auf. Der Schaden am Gebäude und der Beutewert ergeben eine Summe von 500 000 Euro. Besonders krass ist dieser Fall: Eine Firma aus dem Hochsauerlandkreis, die die Autoindustrie beliefert hat, musste Insolvenz anmelden. "Das hatte auch Arbeitslosigkeit zur Folge", berichtete Oberstaatsanwältin Dr. Barbara Vogelsang.Erstmeldung Dienstag, 14.43 Uhr: In einer Einladung zu einer Pressekonferenz sprechen Polizei und Staatsanwaltschaft von einem Schaden "im zweistelligen Millionen-Bereich". Über solch einen gewaltigen Ermittlungserfolg konnten die Behörden bisher noch nie berichten. Die Ermittler konnten in einem "entscheidenden Einsatz" über 200 Einbrüche aufklären. Viele Spuren führen nach Dortmund.  Pressekonferenz am Mittwoch Die Pressekonferenz beginnt Mittwoch (19.2.) um 11 Uhr im Dortmunder Polizeipräsidium.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt