Die Zahl der Covid-Patienten in den Dortmunder Krankenhäusern steigt. Insbesondere auf den Intensivstationen bedeutet das einen großen Personalaufwand. © dpa (Symbolbild)
Coronavirus in Dortmund

Intensivversorgung auf Rot: „Reserven schmelzen wie Schnee in der Sonne“

Die Lage in den Krankenhäusern in Dortmund spitzt sich deutlich zu. Der Chef des Klinikums warnt vor deutlich schwindenden Reserven. Die Stadt sieht eine „kritische Steigerung“ und reagiert.

Die Stadt Dortmund hat auf die steigenden Patientenzahlen in der dritten Corona-Welle reagiert. Bei der täglichen Meldung an die Bezirksregierung habe man sich am Donnerstag entscheiden, für die Krankenhaus-Intensivversorgung die Stufe Rot zu melden, so Gesundheitsamtsdezernentin Birgit Zoerner am Freitagmittag.

Anzahl freier Intensivbetten unter zehn Prozent

Laut Divi-Intensivregister lag die Zahl an freien Intensivbetten in Dortmund am Donnerstag und Freitag bei unter zehn Prozent: Am Donnerstag waren von 287 Betten 264 belegt, am Freitag waren von 284 Betten 261 belegt.

Die Stufe Rot bedeute „keinesfalls, dass die Situation unbeherrschbar wäre“, so Zoerner. Die Meldung bezieht sich auf die Einschätzung der Meldekette bezüglich Intensivpatienten.

In normalen Zeiten frage ein Rettungswagen mit einem Patienten, der auf eine Intensivstation gebracht werden muss, bei der Leitstelle an, welche Klinik man anfahren soll, so Zoerner. Die entscheide, wohin die Fahrt geht – auch über die Stadtgrenzen hinaus.

Da nun immer mehr Krankenhäuser, auch in angrenzenden Städten und Kreisen, an Auslastungsgrenzen kommen, könne es sein, dass die örtlichen Leitstellen das so nicht mehr leisten können – und die Verteilung der Patienten bald überörtlich geregelt werden müsse. „Die Stufe Rot heißt: Bitte auf eine Situation vorbereiten, dass dieser Fall eintreten könnte.“

„Kritische Steigerung“ bei Auslastung der Krankenhäuser

Man sehe bei der Auslastung der Krankenhäuser eine „kritische Steigerung“. Grund dafür: Die dritte Welle der Corona-Pandemie bringt immer mehr Covid-19-Patienten in die Krankenhäuser, und sie werden jünger. Das habe viel mit den Virus-Mutationen zu tun. „Wir sehen, dass es deutlich häufiger zu schweren Verläufen kommt.“

122 Covid-19-Patienten, davon 31 intensivmedizinisch, (Stand 16.4.) müssen in Dortmunder Krankenhäusern versorgt werden. Zum Vergleich: Vor einem Monat waren es noch 72, davon 25 auf Intensivstationen. Der bisherige Höchststand mit 170 Krankenhaus-Patienten, davon 34 auf Intensiv, datiert vom 30.12.

Dabei nur die Bettenkapazität allein zu betrachten, sei trügerisch, so Zoerner: „Ein einzelner Covid-Patient hat einen völlig anderen Personalschlüssel als ein normaler Intensivpatient.“ Zum Umlagern seien sechs bis acht Personen nötig.

Reserven am Klinikum Dortmund schwinden

Das betont auch Rudolf Mintrop, Geschäftsführer des Klinikums Dortmund: Für die Versorgung müsse man immer beide Faktoren – die technische Ausstattung und das Personal – mit einbeziehen.

Die Auslastung der Covid-Stationen sieht Mintrop mit Sorge: „Die Reservekapazitäten schmelzen wie Schnee in der Sonne. Wenn es ungebremst so weitergeht, bekommen wir Probleme.“ Am Donnerstag (15.4.) waren von 18 Covid-Intensivplätzen 14 belegt.

Mintrop betont aber auch: Man hat je nach Patientenaufkommen verschiedene Pläne ausgearbeitet, um zu reagieren. Im Klinikum Nord betreibe man zwei Covid-Normalstationen, eine Infektionsstation und eine Covid-Intensivstation. „Wenn das nicht mehr reicht, nimmt man eine weitere Station aus dem Normalbetrieb heraus und macht sie zur Covid-Station.“

Noch werden alle Operationen durchgeführt

Dabei müsse niemand Sorge haben, dass der normale Betrieb so sehr eingeschränkt wird, dass von einem Tag auf den anderen keine normalen Operationen stattfinden können. Die Umverteilung von Kapazitäten laufe eher schleichend.

Zwar werde es „eng“, wenn man eine weitere Covid-Intensivstation aufmachen müsse, weil man dafür zum Beispiel einen Teil des Anästhesie-Personals aus den OP-Sälen der Chirurgie abziehen müsste. Dann stünden dort statt drei nur noch zwei Säle zur Verfügung.

Das könne durchaus dazu führen, dass nicht lebensnotwendige Operationen verschoben werden. Derzeit sei das aber noch nicht nötig.

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will

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