In Dortmund sind aktuell deutlich weniger Intensivbetten nutzbar (die belegten eingerechnet) als noch im Herbst 2020. © dpa
Lage in Krankenhäusern

Intensivbetten: Dortmund hat aktuell deutlich weniger als in der zweiten Welle

Nur 23 Dortmunder Intensivbetten sind frei. Allerdings sind auch nicht allzu viele belegt. Rund 10 Prozent weniger Betten als im November sind betreibbar. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

In der ersten Mai-Woche hat Dortmund einen traurigen Rekordwert für Covid-Patienten auf Intensivstationen erreicht. 44 Infizierte sind dort am Montag (3.5.) behandelt worden. Die Gefahr der Überlastung der Intensivstationen ist die Grundlage aller Corona-Schutzmaßnahmen.

Analysiert man die Zahlen der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), fällt aber eine nicht ganz einleuchtende Entwicklung auf. Aktuell (Stand Donnerstag, 6.5.) gibt es in Dortmund 277 Intensivbetten, 23 von ihnen sind frei.

In den Wochen und Monaten vor Beginn der zweiten Corona-Welle im Herbst hat es allerdings deutlich mehr Intensivbetten in Dortmund gegeben. Am 15. September beispielsweise gab es insgesamt 313 in der Stadt. Und keins davon war damals mit einem Covid-Patienten belegt.

Die Krankenhäuser melden täglich ihre Werte an das Intensivregister. Je nach Erfordernis können Kapazitäten ab- oder aufgebaut werden. Da verwundert es, dass mitten in der dritten Corona-Welle deutlich weniger Betten verfügbar sind als in der eher ruhigen Phase im September.

Aufstockung aktuell nicht erforderlich

„Aktuell nutzen wir eine von zwei Intensivstationen ausschließlich für Covid-Patienten“, sagt Klaus-Peter Wolter, Sprecher des Knappschaftskrankenhauses in Brackel. Aber: „Wir wären in der Lage, bei einer sich weiter zuspitzenden Lage weitere Betten in anderen Bereichen als Intensivbetten für Covid-Patienten zu nutzen.“ Diese Betten werden derzeit nicht ans Intensivregister gemeldet. Aktuell sei die Erfordernis zu dieser Maßnahme nicht erkennbar.

Sehr ähnlich äußert sich auch das Team des Johannes-Hospitals. Sprecherin Gudula Stroetzel sagt: „Wenn die Reservekapazitäten für Notsituationen benötigt werden, stehen sie zur Verfügung.“

„Eine Belastung unserer Intensivkapazitäten insgesamt entsteht durch die gestiegene Zahl von Post-Covid-Patienten“, so Wolter. Das sind Menschen, bei denen kein positives Testergebnis mehr auftritt, die aber weiterhin intensivmedizinisch betreut werden müssen.

Marc Raschke vom Klinikum Dortmund betont den Unterschied zwischen freien und betreibbaren Intensivbetten. „So gibt es beispielsweise den Fall, dass Sie ein Intensivzimmer mit zwei Betten haben, das aber von einem Patienten mit Isolationsbedarf belegt ist“, so Raschke. Das zweite Bett ist in diesem Fall frei, aber nicht betreibbar.

Welche Rolle spielen die Finanzen?

In sozialen Netzwerken wird der Verdacht geäußert, dass die niedrigen Kapazitäten mit den Finanzen der Krankenhäuser zusammenhingen.

Seit Mitte November bekommen Kliniken Geld, wenn die Inzidenz der Stadt über 70 liegt und an sieben Tagen hintereinander weniger als 25 Prozent der Intensivbetten der Stadt frei sind. In Dortmund liegt diese Quote aktuell bei rund 8 Prozent, am oben genannten Beispieltag Mitte September lag sie aber auch schon unter 20 Prozent.

Tatsächlich fällt der Trend auf, dass dem Intensivregister aktuell deutlich weniger Intensivbetten gemeldet werden als es bis Anfang Dezember der Fall war. DIVI-Sprecherin Nina Meckel sagt jedoch: „Ein gefülltes Intensivbett bringt deutlich mehr Geld als ein leeres.“

Die jüngste Entwicklung habe vor allem mit der Pflegepersonaluntergrenze zu tun, sagt Klinikum-Sprecher Raschke. Bis zum 31. Juli sei seit Pandemie-Beginn der Betreuungsschlüssel zwischen Pflegekräften und Patienten ausgesetzt gewesen. Dann sollten die Krankenhäuser wieder zurück zum Regelbetrieb. Erst gab es eine Übergangsfrist, seit November dürfe sich wieder tagsüber eine Pflegekraft um maximal zwei Intensiv-Patienten kümmern, so Raschke.

„Diese Untergrenzen sind seitens der Politik eingeführt worden, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen“, erklärt er. Wer dagegen verstößt, müsse Strafe zahlen. Durch die Grenze sei es nötig geworden, die betreibbaren Intensivbetten zu reduzieren.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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