Anwohner einer Wohnstraße sind entsetzt: Vor ihrer Haustür wächst eine Deponie

dzBaustellen in Dortmund

Die Anwohner in einem Dortmunder Wohngebiet sind fassungslos: Seit einigen Tagen blicken sie auf Erdaushub, Bauschutt und Schrott vor ihrer Haustür. Jeden Tag wird die Deponie größer.

Lütgendortmund

, 27.02.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst kürzlich haben die Anwohner die Stadt über alle Maßen gelobt, nachdem sie schnell und gründlich den ehemaligen Sportplatz in ihrer Siedlung reinigen lassen hatte.

Doch die Freude der Bewohner der Karinstraße ist längst verpufft und großen Sorgen gewichen. Denn das gerade erst gesäuberte Areal der ehemaligen Sportanlage „Im Rauhen Holz“ hat sich in eine Deponie verwandelt. Und die wächst und wächst.

Erdaushub, Bauschutt und -materialien werden hier mehrmals am Tag abgekippt. Lkw und Sattelschlepper quetschen sich durch die viel zu enge Straße, behindern den Verkehr, hinterlassen Dreck und machen den Asphalt kaputt.

Deponie vor der Haustür: Anwohner wurden überrascht

„Von dieser Maßnahme sind wir überrascht worden“, sagt Anwohner Erich Rücker. „Lärm, Schmutz und die Gewichtsbelastung für die Straße sind unzumutbar.“

Bislang sei es ihm nicht gelungen, mit einem zuständigen Mitarbeiter der Stadt zu sprechen. „Keines der Ämter, die wir bisher kontaktiert haben, wusste etwas über diese Nutzung“, berichtet Rücker. Auch seine E-Mails seien unbeantwortet geblieben (Stand 26.2.).

Auf Anfrage dieser Redaktion teilte Stadtsprecher Christian Schön mit, dass das Areal im Zuge des Kanalbaus am Portmannsweg/Deipenbeckstraße vorübergehend als Lagerplatz genutzt werde.

„Der wieder einbaufähige Boden aus der Kanalbaustelle wird auf dem gleich um die Ecke gelegenen Grundstück zwischengelagert und später wieder in der Kanalbaugrube eingebaut“, erklärt er.

So dicht lagert ein Erdhügel neben Haus-Nr. 6 in der Karinstraße. Die Anwohner fürchten massive Staubbelastungen bei Trockenheit.

So dicht lagert ein Erdhügel neben Haus-Nr. 6 in der Karinstraße. Die Anwohner fürchten massive Staubbelastungen bei Trockenheit. © Beate Dönnewald

Eine Entsorgung des Bodens hätte ansonsten über die Deponie Nordost in Grevel erfolgen müssen. „Durch diese Vorgehensweise werden für den Bürger Kosten gespart und lange Transportwege vermieden“, so Schön.

Siedler fordern Klärung der Rechtslage

Bei den Anwohnern der Karinstraße kann er damit nicht punkten. „Bauschutt gehört doch nicht auf ein gesundes Grundstück. Wer weiß, was da alles an Schadstoffen in den Boden sickert“, sagt Rücker.

Er fordert eine Klärung der Rechtslage. Die Rechtsberatungen der Anlieger hätten ergeben, dass es gar keine gewerbliche Nutzung in einem reinen Wohngebiet geben dürfe.

Ein Schild am Anfang der Karinstraße weist auf das LKW-Durchfahrtsverbot hin. Für LKW-Anliegerverkehr sei sie aber freigegeben, so die Stadt.

Ein Schild am Anfang der Karinstraße weist auf das Lkw-Durchfahrtsverbot hin. Für Lkw-Anliegerverkehr sei sie aber freigegeben, so die Stadt. © Beate Dönnewald

Über „geheime Wege“ liegt den Anwohnern (und auch der Redaktion) mittlerweile die schriftliche Nutzungsüberlassung der Sport- und Freizeitbetriebe vom 12. Februar 2020 für eine Firma aus dem Harz vor.

Darin heißt es: „Die ggfs. erforderlichen öffentlich-rechtlichen Genehmigungen oder Erlaubnisse für die von Ihnen angegebene Nutzung sind von Ihnen (der Firma, Anm. der Red.) einzuholen.“

Gruppenbild mit Bagger: Die Anwohner wollen mit allen Mitteln verhindern, dass die Deponie vor ihrer Haustür weiterwächst.

Gruppenbild mit Bagger: Die Anwohner wollen mit allen Mitteln verhindern, dass die Deponie vor ihrer Haustür weiterwächst und bleibt. © Beate Dönnewald

Erich Rücker ist skeptisch: „Die Maßnahme läuft seit dem 17. Februar. Es ist kaum vorstellbar, dass in dieser kurzen Zeit die Genehmigungen erteilt wurden.“ Schön hält dagegen: „Es handelt sich hier nicht um Gewerbe, also musste auch nichts angemeldet werden.“

Die schweren Fahrzeuge haben schon einige Schäden auf dem Asphalt angerichtet. Dafür komme die Firma auf, sagt die Stadt.

Die schweren Fahrzeuge haben schon einige Schäden auf dem Asphalt angerichtet. Dafür komme die Firma auf, sagt die Stadt. © Beate Dönnewald

Angst vor Staubbelastung bei Trockenheit

Erich Rückert möchte wissen, wo man diese Verordnung finden kann, die Ablagerungen solchen Ausmaßes über einen so langen Zeitraum erlaubt. Laut Nutzungsüberlassung soll der Firma das Gelände nämlich bis zum 12. September zur Verfügung stehen.

Mit Grauen denken die Anwohner an die Staubbelastung, die ihnen bald blühen wird. „Der Feinstaub wird überall hineinkriechen“, sorgt sich Rücker. Einer der Erdhaufen lagert sogar ganz dicht an einem Hauseingang.

Dazu Christian Schön: „Etwaige Staubbelastung bei Trockenheit ist tatsächlich nicht auszuschließen. Wässern als Gegenmaßnahme ist hier aber schwierig, weil dann alles verschlammt und sich noch breiter verteilt.“

Seit einigen Tagen herrscht reger Lkw-Verkehr in der kleinen Wohnstraße. Mehrmals täglich bringen schwere Lkw und Sattelschlepper Bauschutt und Erdaushub zur Zwischenlagerung zum ehemaligen Sportplatz.

Seit einigen Tagen herrscht reger Lkw-Verkehr in der kleinen Wohnstraße. Mehrmals täglich bringen schwere Lkw und Sattelschlepper Bauschutt und Erdaushub zur Zwischenlagerung zum ehemaligen Sportplatz. © Erich Rückert

Spielende Kinder auf den Erdhügeln

Christian Schön sicherte zu, dass man sich zeitnah um eine bessere Absperrung des Geländes kümmern werde. Denn Anwohnerin Margret Hummelheim hat schon spielende Kinder auf den Erdhügeln beobachtet.

Die Siedler wollen weiter gegen die wachsenden Berge kämpfen: „Wir sind in keinem Fall bereit, den jetzt geschaffenen Zustand hinzunehmen“, so Rücker.

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