In Dortmund sind 2018 mehr Babys gestorben als im Jahr zuvor

dzSäuglingssterblichkeit

Die Zahl der gestorbenen Säuglinge in Dortmund ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – gegen den langjährigen Trend. Gefährdet sind Kinder, die bestimmten Risikofaktoren ausgesetzt sind.

Dortmund

, 04.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

22 Babys sind 2018 in Dortmund gestorben, bevor sie ihren ersten Geburtstag feiern konnten – das sind 7 mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus aktuellen Daten der Landesstatistiker von IT.NRW hervor, die am Freitag veröffentlicht wurden.

Dass die Säuglingssterblichkeit in Dortmund wieder gestiegen ist, lag auch an den extrem niedrigen Zahlen des Vorjahres: Damals starben in Dortmund lediglich 15 Babys – so wenige wie nie zuvor. Prof. Dr. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Dortmund, spricht bei dem Anstieg von „statistischen Effekten“, also zufälligen Schwankungen aufgrund der extrem kleinen Zahlengrundlage.

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Das Risiko, sein Baby zu verlieren, ist sehr gering

Auch wenn jeder tote Säugling einer zuviel ist: Das Risiko, dass das eigene Kind im ersten Lebensjahr stirbt, ist in Dortmund sehr gering. Schließlich wurden laut Landesstatistikern 2018 knapp 5897 Babys in der Stadt geboren. Statistisch betrachtet starben von 1000 Lebendgeborenen im vergangenen Jahr nur knapp 4 Babys (3,7 Promille). Damit liegt Dortmund leicht unter dem Landesschnitt von 3,8 Promille.

Generell leben Säuglinge bedeutend sicherer als noch vor einigen Jahrzehnten: 1978 war die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern ihr Kind vor dessen ersten Geburtstag verloren, in Dortmund noch fünfmal so hoch, 1998 immerhin noch fast doppelt so hoch.

Dass das Risiko gesunken ist, liegt vor allem am Fortschritt in der medizinischen Versorgung, erklärt Marc Raschke, Sprecher des Klinikums Dortmund: „Die Geburtsmedizin hat in den vergangenen ein, zwei Jahrzehnten einen Riesen-Sprung gemacht.“ Mittlerweile würden Säuglinge überleben, die früher keine Chance gehabt hätten.

Am deutlichsten werde das bei den Frühchen. Raschke erinnert sich an eine Geburt vor einigen Jahren, bei der der Säugling bereits in der 24. Woche geholt werden musste – eigentlich 16 Wochen zu früh. Das Baby wog lediglich 280 Gramm (durchschnittliche Babys sind zwischen 3300 und 3500 Gramm schwer), es war 22 Zentimeter klein. Es überlebte.

Dennoch: Alle Säuglinge könne man nicht retten, sagt Raschke. „Bei extremen Risiko-Schwangerschaften stoßen wir nach wie vor an unsere Grenzen. Etwa, wenn bei der Mutter ein extrem früher Blasensprung aufgetreten ist oder der Fötus nicht ausreichend über den Mutterkuchen versorgt wird und nicht weiter wächst. Diese Risiken nehmen zu, wenn die Mutter während der Schwangerschaft stark raucht, älter ist oder Vorerkrankungen hat.“

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