In Dortmund nicht willkommen: Darum soll es Heroin auf Rezept in Holzwickede geben

dzSucht-Ambulanz

Noch dieses Jahr will ein Düsseldorfer Arzt eine Praxis für Suchtkranke in Holzwickede eröffnen. Eine Niederlassung in Dortmund scheiterte zuvor am heftigen Gegenwind dortiger Akteure.

Holzwickede, Dortmund

, 07.09.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Standpunkt der Stadt Dortmund ist klar: „Eine Diamorphin-Ambulanz stellt im Einzelfall ein sinnvolles ergänzendes Angebot zur Behandlung schwerstabhängiger Menschen dar.“

So hat die Stadt im Herbst 2019 eine Anfrage der Dortmunder SPD-Fraktion beantwortet. Die Sozialdemokraten wollten wissen, inwieweit man eine Einrichtung in städtischer Trägerschaft brauche, in der sich schwerst drogenabhängige Menschen industriell gefertigtes Heroin unter Aufsicht als Medikament spritzen dürfen.

Heroin auf Rezept: Dortmund sieht Bedarf für 50 Suchtkranke

Weiter wurden Zahlen für den Bedarf genannt: Demnach schätzt man in Dortmund die Zahl der Drogenabhängigen auf rund 5000 Personen. Rund 50 davon kämen für eine Heroin-Abgabe in Frage. In kommunaler Trägerschaft würden die Betriebskosten so einer Einrichtung nach eigenen Angaben der Stadt bei rund 500.000 Euro im Jahr liegen.

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Eine politische Entscheidung pro oder contra Diamorphinambulanz in kommunaler Hand ist seitdem noch nicht gefallen. Zumindest im Raum stand in der Vergangenheit aber wohl schon eine privatwirtschaftliche Ansiedlung durch den Arzt Dr. Christian Plattner. Der führt zwei solcher Ambulanzen in Düsseldorf und Wuppertal und hat kürzlich bestätigt, dass er zum 1. November 2020 eine legale Ausgabestelle für Heroin in Holzwickede eröffnen will, die Kapazitäten für bis zu 200 Patienten haben soll.

„Natürlich war Dortmund erste Wahl. Aber sagen wir so: Es gab nette und hilfsbereite Kollegen dort, die das mit viel Energie verhindert haben.“
Dr. Christian Plattner

„Natürlich war Dortmund erste Wahl. Aber sagen wir so: Es gab nette und hilfsbereite Kollegen dort, die das mit viel Energie verhindert haben“, sagt Dr. Plattner mit viel Ironie in der Stimme – er war in der Großstadt schlicht nicht willkommen.

Beratungsstelle sieht in Düsseldorfer Arzt einen „Invasor“

„Das ist zutreffend“, sagt denn auch Michael Gierse ohne Zögern. Der Diplom-Sozialarbeiter ist Geschäftsführer der Drogenhilfe PUR. Die gemeinnützige GmbH ist fester Bestandteil der Dortmunder Drogenberatung und -behandlung. Hinter ihr steht ein Trägerverein aus örtlichen Ärzten.

Dr. Plattner ist für Michael Gierse kein Unbekannter, denn er hat sein Behandlungskonzept in der Vergangenheit den beteiligten Dortmunder Akteuren vorgestellt. „Da hat er klar gemacht, dass er nicht kooperieren will“, so Gierse. Er bezeichnet den Düsseldorfer als „Invasor, der rücksichtslos über bestehende Strukturen herzieht.“

Michael Gierse sieht in der Ansiedlung auch möglichen Profit als Motivation. „Wenn ich privatwirtschaftliches Interesse habe, mache ich mit 200 Patienten einen Umsatz von rund 2,4 Millionen Euro im Jahr.“

Für den Sozialarbeiter ist die Abgabe von Diamorphin für schwer suchtkranke Menschen durchaus ein erstrebenswertes Ziel: „Das kann den Menschen als letztes Mittel helfen, denen sonst absolut nicht mehr zu helfen ist.“ Gierse zweifelt dabei in keiner Weise an der Kompetenz und Behandlungsqualität des Düsseldorfer Mediziners.

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Heroin-Abgabe in bestehende Strukturen einbetten

Die Abgabe müsse aber bestehende Strukturen berücksichtigen und vor allem die Akteure vor Ort einbinden. All das sei in Holzwickede nicht gegeben. Nachdem jahrelang nur die Grünen in Dortmund für eine Diamorphin-Ambulanz aus öffentlicher Hand warben, sind mittlerweile auch SPD und CDU dafür. Eben auch, um die bestehenden Strukturen nicht durch niedergelassene Ärzte zu gefährden, die auf eigene Rechnung arbeiten. Der Diplom-Sozialpädagoge Michael Gierse fürchtet, dass dieser Fall nun eintritt.

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