Geburten per Kaiserschnitt: Dortmund liegt deutlich überm NRW-Durchschnitt

dzGesundheit

Laut aktuellen Zahlen des Landesbetrieb IT.NRW kommen in Dortmund besondres viele Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Ein Dortmunder Frauenarzt hat dafür gleich mehrere Erklärungen.

Dortmund

, 29.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahr 2018 wurden laut aktuellsten Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW in Dortmund 1.845 von 5.548 Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – 33,3 Prozent aller Geburten entfielen laut der Krankenkasse ikk classic somit auf diese Geburtsmethode.

„Damit liegt Dortmund deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 29,9 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 29,1 Prozent“, wird Stefanie Weier von der Krankenkasse in einer Pressemitteilung zitiert.

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Warum ist das so? Dr. Georg Kunz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des St.-Johannes-Hospitals, hat eine recht simple Erklärung. „Das hat mit dem Klinikum zu tun“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Spezialisierung auf Risikoschwangerschaften

Denn dort gebe es ein Perinatalzentrum. Perinatal bedeutet „um die Geburt herum“. Es geht um Mütter und ihre Kinder, die eine besondere medizinische Betreuung benötigen.

Im Klartext heißt das, dass man hier unter anderem auf Risikoschwangerschaften und damit verbundenen Frühgeburten spezialisiert ist.

Es gebe in Dortmund somit schlicht mehr Möglichkeiten für Kaiserschnittgeburten als in vielen anderen NRW-Kommunen.

Trend geht zum Kaiserschnitt: ein „vielschichtiges Problem“

Auch wenn es laut den Statistiken von IT.NRW 2018 in Dortmund rund 400 Kaiserschnitte weniger als im Vorjahr gegeben hatte, sieht die ikk classic insgesamt einen Trend, dass die Anzahl der Kaiserschnittgeburten in Deutschland langfristig wächst.

„1994 betrug der Anteil der Kaiserschnitte in Deutschland lediglich 17,3 Prozent, die natürliche Methode wird also durch den Kaiserschnitt immer mehr verdrängt“, heißt es von Sprecherin Stefanie Weier.

Dass tendenziell immer mehr Kinder in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt kommen, bestätigt auch der Frauenarzt des Johannes-Hospitals. Gründe gebe es dafür mehrere.

Die Faktoren für die Entscheidung ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen sind vielschichtig, sagt Frauenarzt Dr. Georg Kunz.

Die Faktoren für die Entscheidung ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen sind vielschichtig, sagt Frauenarzt Dr. Georg Kunz. © Archiv

„Das ist ein vielschichtiges Problem“, sagt Kunz. Den Begriff „Problem“ nutzt Georg Kunz aus einem bestimmten Grund: Der Anteil an Wunschkaiserschnitten liege „im einstelligen Bereich“, sagt er, „daran liegt’s selten“.

Vielmehr sei es ein Zusammenspiel aus mehreren Entwicklungen. „Die Kinder werden immer größer“, sagt er. Gleichzeitig verändere sich auch das Becken der Frau – „es wird schmaler“.

Das habe beides mit dem modernen Lebensstil, beziehungsweise der Ernährung zu tun. Hier entstehe ein Missverhältnis, das Kaiserschnitte immer häufiger notwendig mache.

„Zahl der übergewichtigen Mütter hat ganz stark zugenommen“

Auch nicht zu vernachlässigen sei, dass es immer mehr adipöse Frauen gebe. „Die Zahl der übergewichtigen Mütter mit Diabetes hat ganz stark zugenommen“, sagt Kunz. Auch starkes Übergewicht der Mutter erfordere oft eine Geburt per Kaiserschnitt.

Generell werden die Frauen dem Kaiserschnitt gegenüber positiver und zugewandter, meint der Arzt. Das habe wiederum auch mit einer gesellschaftlichen Entwicklung zu tun.

„Einige sagen sich, warum soll ich mir so viel Mühe machen? Denn eine Geburt ist mit ganz viel Mühe und Arbeit verbunden“, sagt Georg Kunz. „Einige wollen die Dinge lieber schnell hinter sich bringen“, sagt er. „Aber das Gros will immer noch die sichere vaginale Geburt“, ist sein Eindruck.

Auch über die genannten Gründe hinaus gebe es insgesamt „viele viele weiche Faktoren“, warum der Trend zum Kaiserschnitt geht, da ist sich Kunz sicher.

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