In diesem Garten stecken über hundert Jahre Vorarbeit

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Die Gärtnerei Reinhold war mal einer der größten Betriebe in Kirchlinde. Geblieben sind alte Gebäude und ein alter Garten. Die neuen Besitzer genießen die besondere Ausstrahlung dieses Ortes.

Kirchlinde

, 09.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Beschreibung schöner Gärten werden gerne Begriffe wie „Idylle“ oder „Paradies“ sowie „das macht viel Arbeit“ überstrapaziert. Für den Garten, der sich an einer kleinen Privatstraße hinter der Westerwikstraße in Kirchlinde verbirgt, reichen diese Begriffe einfach nicht aus.

Hauptmerkmal dieses Gartens sind riesige, sehr alte Bäume, die für eine einmalige Atmosphäre sorgen. Die Bäume sind Schattenspender und Schalldämpfung. Von der etwa dreihundert Meter entfernten Autobahn A45 ist nichts zu hören, was das Plätschern des kleinen Brunnens im Hof nicht locker übertönen könnte.

Altes Gebäude komplett modernisiert

Diese spezielle Atmosphäre hat einen Grund. Das Grundstück ist das ehemalige Firmengelände der Gärtnerei Reinhold, das mehrere Generationen in Kirchlinde tätig war, aber in den 1980er Jahren aufgeben musste.

Die Dahlien gehören zu den Pflanzen, die neu in den alten Garten gebracht wurden.

Die Dahlien gehören zu den Pflanzen, die neu in den alten Garten gebracht wurden. © Holger Bergmann

Die beiden Ehepaare Anne Mense und Dirk Wittler sowie Kirsten und Hans-Peter Naumann kauften das Grundstück und damit das alte Gebäude-Ensemble im Jahr 2012. Hans-Peter Naumann ist Pfarrer, die anderen drei sind „vom Bau“, wie er es nennt.

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Das Architekten-Team kauft und entwickelt alte Gebäude. Das alte Reinhold-Anwesen haben sie für sich selbst als Wohnprojekt ausgebaut. Die Gebäude der alten Gärtnerei wurden bislang in zwei Bauabschnitten komplett entkernt und praktisch neu gebaut.

Seit einem Jahr Warten auf die Baugenehmigung

Der Bauantrag für den dritten Bauabschnitt, ein Anbau, der nur „die Scheune“ genannt wird, wartet seit einem Jahr bei der Stadt Dortmund auf Genehmigung.

Mit den Gebäuden erwarb die Wohngemeinschaft auch einen weitläufigen Garten.

Efeu und Wein umranken das alte Reinhold-Gebäude. Es bietet vielen Vögeln Nistmöglichkeiten.

Efeu und Wein umranken das alte Reinhold-Gebäude. Es bietet vielen Vögeln Nistmöglichkeiten. © Holger Bergmann

Eigentlich sind es zwei Gärten. Ein klassischer Nutzgarten und einer „zum Repräsentieren“, sagt Anne Mense.

Beide Gärten haben es in sich. In dem parkähnlichen Stück dominieren große Bäume. Nachbarn berichteten Hans-Peter Naumann, in der Firma Reinhold sei es Tradition gewesen, für jedes Neugeborene in der Familie einen Baum zu pflanzen.

Ein Ginkgo kann richtig groß werden

Die sind mittlerweile richtig alt und richtig groß. Darunter ein beeindruckender Ginkgo und eine riesige Hänge-Buche. Ein Mammutbaum, der ebenfalls eine beachtliche Größe erreicht hatte, wurde durch einen Blitzschlag vor ein paar Jahren gestutzt.

Der Teich im Garten ist eigentlich für Kinder angelegt worden. Jetzt ist er die Heimat von Wasserpflanzen.

Der Teich im Garten ist eigentlich für Kinder angelegt worden. Jetzt ist er die Heimat von Wasserpflanzen. © Holger Bergmann

Das zweite bestimmende Merkmal des Gartens ist eine große Sammlung von Rhododendren. „Die blühen im Frühjahr alle hintereinander“, schwärmt Hans-Peter Naumann.

Auch einen kleinen Teich haben die befreundeten Paare von dem alten Gartenbauer übernommen. Der hatte das Becken zum Planschen für seine Kinder angelegt. Und von alteingesessenen Kirchlindern hat Naumann inzwischen erfahren, dass sich auch die Nachbarskinder dort abkühlen konnten.

Ein Klima wie in einem Klostergarten

Der Nutzgarten liegt abseits, hinter der sogenannten Scheune. Hier herrscht ein ganz besonderes Klima. „Dieser Garten ist von allen Seiten umbaut, hier finden die Pflanzen Bedingungen wie in einem Klostergarten“, berichtet Anne Mense. „Hier gedeiht alles“.

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Das liegt auch an der guten Wasserversorgung. Unter den Fundamenten der alten Gärtnerei gibt es einen Luftschutz-Bunker. Der ist mittlerweile mit Wasser vollgelaufen. Für die neuen Besitzer ist das eine willkommene Zisterne.

Der Mangold gedeiht prächtig im Garten an der Westerwikstraße.

Der Mangold gedeiht prächtig im Garten an der Westerwikstraße. © Holger Bergmann

Den Nutzgarten teilt sich nicht nur die Wohngemeinschaft. Auch eine Nachbarin hat hier ihr eigenes Hochbeet, in dem gerade der Kürbis blüht.

Eine Rose mit dem Namen „Bernd Clüver“

So alt wie die Pflanzen im Garten sind auch das Efeu und die Weinranken, die am alten Wohngebäude hochwachsen. Die Stämme sind mächtig, das Haus ist total umhüllt. Das gibt dem Haus einen so zauberhaften Charme, dass sie bei der Renovierung erhalten wurden.

Es gibt noch ein weiteres Relikt aus der Reinhold-Ära: Eine von dem Gärtner selbst gezüchtete Rose mit dem Namen „Bernd Clüver“. Vermutlich die einzige Pflanze ihrer Sorte.

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