In der modernen Oper „Quartett“ geht es um Sex ohne Liebe und die ganz große Leere

dzOpern-Premiere

Zwei Menschen im Rededuell um ihre Liebschaften. Körperlichkeit als Ringen um Macht. Das Ganze verpackt in eine moderne Komposition: Die Oper „Quartett“ lässt Ungewöhnliches erwarten.

Dortmund

, 14.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Am Donnerstag (18.4.) feiert eine neue Oper in Dortmund Deutschlandpremiere: In „Quartett“ vom mailändischen Komponisten Luca Francesconi geht es um Körperlichkeit als Mittel zur Macht. Die moderne Oper ist eine Vertonung des gleichnamigen Schauspiels von Heiner Müller, welches wiederum eine Adaption des Briefromans „Gefährliche Liebschaften“ von Pierre-Ambroise-François de Laclos ist.

„Gefährliche Liebschaften beschreibt eine Gesellschaft am Abend der französischen Revolution, die an sich schon verfault ist und mit sich nichts anzufangen weiß. Die so entstandene Leere füllen die beiden Antagonisten mit Liebschaften“, erklärt Ingo Kerkhof. Der Regisseur hat „Quartett“ für das Theater Dortmund inszeniert.

Körperlichkeit als Mittel zur Macht

Das namensgebende „Quartett“ der Oper wird verkörpert von der schottischen Mezzosopranistin Allison Cook und dem amerikanische Bariton Christian Bowers. Zu zweit bringen sie nicht nur die beiden Charaktere der Marquise Merteuil und des Vicomte Valmont auf die Bühne. Diese spielen im Rededuell wiederum ihre jeweiligen Liebschaften.

Bei diesen Liebschaften geht es jedoch nicht etwa um Liebe. Auch nicht um Sex. „Der Körper wird nur genutzt, um jemand anderen nieder zu ringen“, erklärt Kerkhof. „Gemeint ist, dass jede Form von Emotion eine Schwäche ist.“ Und genau darin liegt die Kritik: Die ins Extreme getriebene Vernunft der bürgerlichen Gesellschaft erzeugt am Ende Leere, die kaum noch zu füllen ist. „Ein Negativbeispiel dafür, was der Intellekt tun kann“, nennt Kerkhof das.

Anspruchsvolles Stück

Bleibt die Frage, wie man das Nichts in Musik abbildet. „Im Text geht es darum, so kalt wie möglich zu denken“, sagt Regisseur Ingo Kerkhof. „Die Musik von Luca Francesconi versucht, die Leere, die dahinter steckt, hörbar zu machen. Das ist natürlich nicht kalt, sondern emotional.“ Viele Anleihen aus anderen klassischen Opern gebe es, aber auch Elektronisches, Einflüsse neuer Musik. Und: Die technischen Anforderungen an die Sänger seien extrem hoch. „Sie müssen schauspielen und gleichzeitig auf hohem Niveau singen. Teilweise über Kopf hängend“, sagt Kerkhof. „Das kann bei weitem nicht jeder.“

Zwei Sänger, die Personen spielen, die Personen spielen. Eine Oper auf Basis eines Theaterstücks auf Basis eines Briefromans. Und eine teils diffuse Handlung mit viel Philosophie zwischen den Zeilen. Macht das Spaß? „Wir haben versucht, einen Abend zu gestalten, der unterhaltsam ist und trotzdem die Heterogenität beibehält“, so Kerkhof. Ob das gelungen ist, lässt sich ab dem 18. April an der Dortmunder Oper herausfinden.

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