Großer Andrang: In der Nordstadt nutzten viele Anwohmer die Gelegenheit, sich impfen zu lassen. © Oliver Schaper
Meinung

Impfungen in sozialen Brennpunkten: Mehr davon!

Die Resonanz auf die Impfaktion in sozialen Brennpunkten fiel sehr unterschiedlich aus. Daraus lassen sich Lehren ziehen. Die Frage: „Erreicht man die Richtigen?“ lässt sich aber eindeutig beantworten.

Am Anfang war man großzügig: Bei der ersten Sonder-Impfung in sozialen Brennpunkten wurden von der Stadt Dortmund die Anwohner aus drei kompletten Stadtteilen – Westerfilde, Bodelschwingh und Nette – eingeladen. Und zwar unabhängig davon, ob sie in einer Einfamilienhaus-Siedlung, in eher dörflichen Ansiedlungen oder sogar einem Schloss wohnen. Die Menschen träfen sich ja auch außerhalb ihrer Wohnungen im Stadtteil, argumentierte die Stadt.

In Eving und Lütgendortmund schien dieses Argument seltsamerweise nicht zu gelten. Hier wurden ganz gezielt Impfgutscheine nur an Menschen aus bestimmten Wohnquartieren mit engen Wohnverhältnissen und hoher Corona-Inzidenz vergeben.

Doch welcher Weg ist nun der richtige? Die Tatsache, dass in Eving und Lütgendortmund viele die Gutscheine entweder gar nicht angenommen oder nicht genutzt haben, spricht für die erste Variante.

Doch man muss wohl etwas differenzierter vorgehen. Das zeigt das Beispiel der Nordstadt. Auch hier wurden wie in Nette, Bodelschwingh und Westerfilde alle Anwohner zur Impfaktion vor Ort eingeladen. Das macht in der Nordstadt auch Sinn, weil die Wohnverhältnisse hier unabhängig von der sozialen Lage anders als in den meisten Vororten generell eher beengt sind.

Gezielte Ansprachen

Und die Resonanz war hier deutlich höher als erwartet. Statt der geplanten 1500 ließen sich mehr als 2500 Anwohner mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson impfen. Vor allem viele Studierende, die in der Nordstadt leben, nutzten die Gelegenheit.

Doch hat man damit die Richtigen erreicht? Ja – auch, lautet die Antwort. Anders als in Eving und Lütgendortmund ist es in der Nordstadt dank engagierter Helfer sozialer Verbände und sozialer Netzwerke gelungen, auch die Menschen anzusprechen, die für Impfkampagnen etwa wegen Sprachbarrieren nur schwer zu erreichen sind. Und man hatte im Vorfeld wohl auch schon Überzeugungsarbeit geleistet und auf die Gefahren durch Corona aufmerksam gemacht.

Dass auch Menschen geimpft wurden, die nicht im engeren Sinne in einer sozialen Notlage sind, ist nicht nur mit Blick auf die Begegnungen im eng bebauten Stadtteil gut und richtig. Spätestens mit Aufhebung der Impfpriorisierung muss das Motto gelten: Jeder Geimpfte ist ein Gewinn. Bei weiteren Impfaktionen sollte deshalb Klotzen statt Kleckern die Leitlinie sein – vorausgesetzt, es gibt genug Impfstoff. Doch das ist eine andere Geschichte.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
Zur Autorenseite
Oliver Volmerich
Lesen Sie jetzt