Lange Warteschlangen gab es am Wochenende am Impfzentrum auf Phoenix-West, als wieder auch Beschäftigte aus Schulen und Kitas geimpft wurden. © Kevin Kindel
Corona-Impfungen

Impftermine für Kita-Personal nach Alter vergeben – gegen die Regeln

Rund 7000 Beschäftigte aus Kitas und Schulen sind inzwischen in Dortmund gegen das Coronavirus geimpft worden. Bei der Terminvergabe gibt die Praxis des Jugendamts allerdings Rätsel auf.

Für viel Verwirrung hat am Freitag (19.3.) ein Schreiben des Jugendamtes gesorgt, das über Soziale Medien verbreitet wurde. Das Land habe dem Antrag der Stadt Dortmund auf Schließung der Kitas ab diesem Montag stattgegeben, hieß es da.

Das Problem: Tatsächlich lehnte das Land wenig später den Antrag ab. Das Schreiben mit der anderslautenden Auskunft war nur ein Entwurf, das das Jugendamt den Trägern der Kinderbetreuung vorab zugeleitet hatte. Von dort aus landete es dann – wie es heißt, versehentlich – in der Öffentlichkeit.

Das fälschlicherweise verbreitete Schreiben ist nicht das einzige Kommunikationsproblem, das es in den letzten zwei Wochen im Zusammenhang mit dem städtischen Jugendamt gab. Fragen warf auch die offenbar gelebte Praxis auf, die Termine für die Impfungen der Erzieherinnen und Erzieher nach Alter zu sortieren.

Das Vorgehen steht im Widerspruch zu Ankündigungen von Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger. „Eine Priorisierung nach Alter ist nicht vorgesehen“, hatte sie am 12. März ausdrücklich erklärt. De facto wurden die Impftermine vom städtischen Jugendamt aber nach Alter vergeben.

„Es gab eine Alterspriorisierung“, bestätigt etwa Pfarrer Jochen Schade-Homann als Fachbereichsleiter beim Evangelischen Kirchenkreis, nach dem städtischen Eigenbetrieb Fabido zweitgrößter Kita-Träger in Dortmund. So seien am ersten Wochenende nur Kita-Beschäftigte bis Jahrgang 1970 eingeladen worden.

Grundsätzlich sei gegen eine Vergabe nach Alter als ein mögliches Kriterium auch nichts einzuwenden, sagen wie Schade-Homann auch Vertreter privater Kitas. Unverständlich wird es nur, wenn – wie geschehen – Hauswirtschafts- oder Bürokräfte aus Altersgründen eher geimpft wurden als junge Erzieherinnen, die viel direkter und näher mit den Kindern in Kontakt sind.

Nachdem eine 27-jährige Fabido-Mitarbeiterin am ersten Impf-Wochenende wieder ungeimpft nach Hause geschickt wurde, kamen sogar Sorgen auf, dass unter 30-Jährige gar nicht geimpft werden sollen. Dem sei nicht so, betont Daniela Schneckenburger.

Jugendamt will Praxis ändern

Ihre Aussage, dass es keine Alterspriorisierung geben soll, habe sich auf den Erlass des Landes bezogen, sagte sie nun auf Nachfrage. Dass das Jugendamt trotzdem die Termine nach Alter sortiert hatte, soll demnach offenbar ein Abspracheproblem gewesen sein.

Immerhin soll sich diese Praxis nun ändern: In einem Schreiben des Jugendamtes an die Kita-Träger aus der vergangenen Woche heißt es nun auch Schwarz auf Weiß: „Eine Priorisierung nach Alter ist nicht vorgesehen.“

Daniela Schneckenburger versucht derweil, den Betroffenen auch die Sorge zu nehmen, dass es am Ende nicht genug Impfstoff für alle geben könnte. Mehr als 9000 Impfdosen mit Astrazeneca seien vom Land geliefert, weitere zugesagt worden. „Jüngere müssen keine Angst haben, nicht an die Reihe zu kommen“, teilt die Dezernentin mit. „Alle Erzieherinnen und Erzieher sollen geimpft werden.“

Verteilt sind die Impfungen für die rund 2000 Lehrerinnen und Lehrer aus Grund- und Förderschulen, die rund 7000 Erzieherinnen und Erzieher sowie weiteren Beschäftigten aus Schulen und Kitas auf drei Wochenenden. Die Stadt hat dafür in zwei Gesamtschulen und Brackel und Huckarde eigene Impfzentren eingerichtet. Nur wegen des vorübergehenden Impfstopps mit Astrazeneca fanden am vergangenen Wochenende alle Impfungen im Impfzentrum auf Phoenix-West statt.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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