Dortmunder Hausärzte müssen schon fest eingeplante Impftermine absagen, weil der Impfstoff fehlt. © dpa
Corona-Pandemie

Impfstoff-Engpass: Dortmunder Hausärzte können nicht mehr planen

Als die Hausärzte mit in die Corona-Impfungen eingestiegen sind, war die Euphorie groß. Doch wegen des Impfstoff-Engpasses müssen auch Dortmunder Ärzte jetzt vereinbarte Termine absagen.

Immer wieder müssen Hausärzte in diesen Tagen Hiobsbotschaften an impfwillige Patienten weitergeben. Während die Lieferungen an Impfstoffen für Zweitimpfungen als sicher gelten, gibt es bei den Erstimpfungen viele Unbekannte. Und die schlechten Nachrichten der vergangenen Wochen werden noch schlechter.

Anfangs habe man in seiner Praxis bis zu 100 Leute an einem Tag geimpft, sagt Dr. Prosper Rodewyk, Sprecher der Dortmunder Hausärzte. Doch jetzt wisse niemand, wie viel Impfstoff man bekomme.

Drei Ärzte in seiner Praxis in Hörde hätten für diese Woche gerade mal sechs Impfdosen Biontech für Erstimpfungen erhalten, aber keine für Zweitimpfungen. Astrazeneca habe in dieser Woche kein Patient bei ihm bekommen, so Rodewyk, weil kein Astrazeneca geliefert worden sei.

Maximal 18 Impfdosen Biontech pro Woche

Für die Erstimpfungen mit Biontech könnten Ärzte maximal 18 Impfdosen pro Woche erhalten, mit Astrazeneca höchstens 20, teilt die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Vanessa Pudlo auf Anfrage mit.

Wenn es wenigstens so viele Impfdosen wären, die in den Arztpraxen ankommen.

Die Belieferung der niedergelassenen Ärzte erfolgt – wie bei anderen Schutzimpfungen auch – über die Apotheken. Der Dortmunder Apotheken-Sprecher Dr. Felix Tenbieg hat auch für die nächste Woche keine besseren Nachrichten: „Es tendiert gegen Null.“

Rodewyk: „Das ist sehr ärgerlich“

Tenbieg hat zwar keinen Gesamtüberblick, aber von insgesamt 36 sogenannten Vials Biontech, also Fläschchen, die von den Hausärzten für die nächste Woche beim ihm bestellt wurden, „sind nur vier zugesagt“.

Bei Astrazeneca sieht es nicht besser aus. Von sieben bestellten Vials kann er nur zwei liefern – und die sind für Zweitimpfungen reserviert.

Dr. Prosper Rodewyk, auch Dortmunder Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL), musste am Dienstag schon fest vereinbarte Erstimpfungen für Astrazeneca absagen. „Das ist sehr ärgerlich.“

EU hat Liefervertrag nicht mehr verlängert

Noch am vergangenen Freitag habe das keiner absehen können, auch die Apotheke nicht, so der Mediziner. Am Freitag habe es bei der Apotheke geheißen, ja, Astrazeneca werde geliefert, am Montag hieß es dann nein. Das bedeutet für ihn: „Wir können überhaupt nicht mehr planen.“

Und was ist mit denen, die doch noch ihre Erstimpfung mit Astrazeneca beim Hausarzt bekommen, wenn die EU keine Lieferungen von Astrazeneca mehr erhält, nachdem sie die Verträge mit dem schwedisch-britischen Impfstoff-Hersteller nicht über Juni 2021 hinaus verlängert hat?

Dr. Prosper Rodewyk kann da beruhigen. „Diejenigen, die sich in den Arztpraxen für eine Erstimpfung mit Astrazeneca entschieden haben, bekommen auch die Zweitimpfung damit“ – von einigen Ausnahmen abgesehen, wie etwa der Gruppe der priorisierten Krankenschwestern, die unter 30 Jahre alt sind. Grund sind die selten aufgetretenen Hirnvenenthrombosen in dieser Altersgruppe.

Nebenwirkungen bei Hybrid-Impfungen stärker

Der Hausarzt berichtet von einer spanischen Studie, nach der die Nebenwirkungen bei Hybrid-Impfungen – also Erst- und Zweitimpfung mit unterschiedlichen Impfstoffen – sehr viel stärker ausfallen, unabhängig davon, ob Biontech oder Astrazeneca zuerst gegeben wurde: „Denen geht es drei, vier Tage richtig schlecht.“ Auf der anderen Seite sei aber die Antikörper-Produktion besser.

Auch wenn das Land im Juli kein Astrazeneca mehr für die Impfzentren kaufen sollte, weil der Vertrag mit der EU ausläuft, werden die Arztpraxen vom Bund weiter mit Astrazeneca versorgt, meint Rodewyk: „Davon gehen wir jedenfalls aus.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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