Ein bisschen wie Andy Warhol: Das Antlitz August Lenz' prangt an der B54 gleich auf vier einander folgenden Brückenpfeilern. © Michael Schuh
Mit Fotostrecke

Immer mehr BVB-Graffiti prägen das Stadtbild in Dortmund

Das stilisierte Portrait des einstigen BVB-Spielers August Lenz ist in Dortmund allgegenwärtig. Das Logo der Ultragruppierung „The Unity“ scheint sich momentan sprunghaft zu vermehren.

Unförmige Geister, nur mit einem Mundschutz bekleidet, bevölkern seit der Corona-Krise zahlreiche Dortmunder Fassaden – und sorgen für rege Diskussionen. Denn bei den Geschöpfen handelt es sich um Graffiti, die illegal auf Hauswände gesprüht wurden.

Ein vergleichbares Werk besitzt im Stadtbild eine deutlich längere Tradition und scheint sich momentan ebenfalls sprunghaft zu vermehren. Gestatten: August Lenz, erster Nationalspieler des BVB.

Ein omnipräsentes Gesicht

Dunkle Augen, gelblicher Teint, Haartolle: Kommt Ihnen der Herr irgendwie bekannt vor? Richtig: Bei einer Fahrt durch Dortmund begegnet man diesem prägnanten Gesicht fast zwangsläufig. Denn das stilisierte Portrait von August Lenz ziert das Logo der BVB-Ultra-Fangruppierung „The Unity“ und ist mittlerweile geradezu omnipräsent.

Die OB-Kandidaten Thomas Westphal und Dr. Andreas Hollstein waren vor der Kommunalwahl tatsächlich noch häufiger am Straßenrand zu sehen als August Lenz.
Die OB-Kandidaten Thomas Westphal und Dr. Andreas Hollstein waren vor der Kommunalwahl tatsächlich noch häufiger am Straßenrand zu sehen als August Lenz. © Michael Schuh © Michael Schuh

Vom äußersten Süden bis an die Grenze zu Lünen – kein Dortmunder Stadtteil, in dem der einstige Kicker nicht als Graffito, das mit Hilfe von Schablonen angebracht wird, oder zumindest als Aufkleber im öffentlichen Raum zu sehen ist.

Vielleicht liegt die gefühlte Zuname an Lenz-Logos ja an der momentan weitgehend verwaisten Südtribüne und der weiterhin vorhandenen Energie der Fans, die sich nun auf anderen Wegen Bahn bricht.

Ein Aufkleber von The Unity auf einem Laternenpfahl direkt vor dem Signal Iduna Park.
Prominenter Platz: Ein Aufkleber von The Unity auf einem Laternenpfahl direkt vor dem Signal Iduna Park, der für die Ultras immer noch Westfalenstadion heißt. © Michael Schuh © Michael Schuh

Aber egal, ob Masken-Geist oder Fußballer-Kopf: Die Meinungen über diese Art der Stadtgestaltung sind auf jeden Fall mindestens so unterschiedlich wie die Graffiti selbst und reichen von „Schmiererei“ bis hin zu „urbaner Kunst“.

Und die kann hochpreisig werden: So wurde ein Werk des britischen Streetart-Künstlers Banksy 2019 bei Sothebys für sage und schreibe 11 Millionen Euro versteigert. Ein teurer Spaß – aber auf fremdem Eigentum trotzdem verboten.

„Bei einem Graffiti handelt es sich um eine Sachbeschädigung im Sinne des Strafgesetzbuches“, teilt Polizeisprecherin Kristina Purschke auf Anfrage mit.

Wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert, werde bestraft: „Bereits der Versuch ist strafbar.“

Fotostrecke

Nationalspieler August Lenz so präsent wie nie

Allerdings muss der Geschädigte selbst eine Anzeige bei der Polizei erstatten – mit einer Ausnahme: Die Staatsanwaltschaft hält ein Einschreiten von Amts wegen aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses für geboten.

Die meist in der Dunkelheit aktiven Sprayer zu erwischen, erweist sich allerdings als nicht ganz einfach: Die Aufklärungsquote lag 2019 bei überschaubaren 5,33 Prozent.

In die preislichen Sphären eines Banksy-Bildes wird das Lenz-Logo wohl nicht gelangen. Und wenn doch, dann dürfte sich die Allgemeinheit freuen: Denn im Gegensatz zu vielen anderen verewigen sich die Sprayer des The-Unity-Logos meist nicht auf privaten Flächen, sondern auf öffentlichem Eigentum: Verteilerkästen, Brückenpfeiler, Verkehrsschilder. Wobei das ebenso wenig erlaubt ist.

Ultra-Logo auf Styroporplatten

Aber Hand aufs Herz: Im Gegensatz zu den wenig ansprechenden, vielfach hingeschmierten Schriftzügen an zahllosen Hauswänden erweist sich das relativ minimalistisch gestaltete Gesicht des August Lenz, manchmal an der Seite des Dortmunder Stadtadlers, durchaus als Hingucker.

Zumal die Ultras teilweise dazu übergangen sind, das Logo auf eine Styroporplatte zu sprühen und diese dann an exponierten Stellen aufzukleben – so auf Brücken an der B54 und der B236.

Dortmunder Stadtansicht: Im Vordergrund August Lenz auf einem Brückenpfeiler, im Hintergrund der Florianturm.
Dortmunder Stadtansicht: Im Vordergrund August Lenz auf einem Brückenpfeiler, im Hintergrund der Florianturm. © Michael Schuh © Michael Schuh

Doch letztlich gilt: Das Besprühen fremden Eigentums ist verboten – und wird hart bestraft: Von einer Geldstrafe bis hin zu zwei Jahren Gefängnis reicht das Strafmaß. August Lenz wird‘s egal sein – er ist 32 Jahre nach seinem Tod so präsent wie nie im Stadtbild.

August Lenz

Neun Tore in 14 Länderspielen

  • August Lenz wurde am 29. November 1910 in Dortmund geboren, wo er am 5. Dezember 1988 starb.
  • Lenz war Stürmer bei Borussia Dortmund und erster deutscher Nationalspieler des Vereins. Zwischen 1935 und 1938 lief er 14 mal für die deutsche Nationalmannschaft auf und erzielte dabei 9 Tore.
  • 1947 gewann Lenz mit dem BVB die Westfalenmeisterschaft gegen Schalke, in den Spielzeiten 1947/48 und 1948/49 wurde er mit seinem Team Meister in der neuen Oberliga West.
  • In der Oberliga West wurde August Lenz 1948 mit 22 Treffern Torschützenkönig.
Über den Autor
Freier Mitarbeiter

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.