Imker aus Dortmund erwartet Wespenplage, „wie ich sie noch nie erlebt habe“

dzInsekten

Der Dortmunder Imker Ralf Schmidt entfernt professionell Wespennester. Schon jetzt ist er im Dauereinsatz - so früh im Jahr wie noch nie zuvor. Für den Sommer befürchtet er das Schlimmste.

Dortmund

, 10.06.2020, 08:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht alles, was schwarzgelb ist, ist in Dortmund beliebt: Wespen sind ungern gesehene Gäste im heimischen Garten. In diesem Jahr werden sich die Dortmunder dahingehend noch auf einiges gefasst machen müssen, prophezeit Imker Ralf Schmidt aus Sölde.

„Das wird eine richtige Plage werden“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion: „Eine Plage, wie ich sie noch nicht erlebt habe.“

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Neben der Bienenpflege und -zucht, dem Dorfladen mit eigenem Honig und allerlei, kümmert sich der Experte auch um die Entfernung von Bienen-, Wespen- und Hornissennestern.

So geschehen erst in der vergangenen Woche, als er zur großen „Basecamp“-Baustelle nahe der Reinoldikirche gerufen wurde, um einen Bienenschwarm zu entfernen, der die Arbeiten für ein paar Stunden teilweise lahmlegte.

In der ersten Juniwoche eilte Imker Ralf Schmidt zur "Basecamp"-Baustelle neben der Reinoldikirche, um sie von einem Bienenschwarm zu befreien.

In der ersten Juniwoche eilte Imker Ralf Schmidt zur "Basecamp"-Baustelle neben der Reinoldikirche, um sie von einem Bienenschwarm zu befreien. © Wilco Ruhland (Archiv)

Doch so viele Anfragen für Wespennester wie jetzt habe er um diese Zeit noch nie erlebt. „Ich werde zehn Mal am Tag angerufen“, sagt er. Und das bereits seit etwa vier Wochen. Sonst trudeln die ersten Anfragen bei ihm erst Anfang Juni ein.

Denn normalerweise würden die Nester erst dann auffallen, „wenn der Flugverkehr davor zunimmt“, sagt er. Also wenn die Wespenvölker an Größe gewonnen haben und es ein stetiges Kommen und Gehen bzw. Fliegen gibt.

Wespenköniginnen überwintern alleine, um dann im April anzufangen, die Nestern aufzubauen, sagt Schmidt. Derzeit befinden sich vielleicht 30 Tiere in den Nestern. Doch die Wespenvölker wachsen bis zur Hochzeit im August auf eine Größe von circa 10.000 Tieren an, sagt der Imker.

So kann etwa ein Nest der Feldwespe aussehen.

So kann etwa ein Nest der Feldwespe aussehen. © Ralf Schmidt

Das jetzt schon so viele der noch kleinen Nester auffallen, läge an der schieren Menge. Aus einer vielleicht vier Quadratmeter großen Holzhütte entfernte er kürzlich drei Nester auf einmal, sagt Ralf Schmidt.

Bereits 2018 hatte es viele Wespen gegeben. So viele, dass sie sich im Spätsommer die eigene Nahrungsgrundlage (zum Beispiel Blattläuse) nahmen und teilweise den eigenen Nachwuchs fraßen. Daher war die Wespenmenge im vergangenen Jahr eher moderat, erklärt Schmidt.

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Denn eine Plage folgt selten auf die nächste. Doch auch, dass es nur ein Jahr Plage-Pause gab, sei eher ungewöhnlich, meint der Imker. „Da gibt es vielfältige Zusammenhänge“, sagt er. Klimawandel, Population von Fressfeinden, Nahrungsgrundlagen. Das alles spiele zusammen.

Manche Arten sind besonders Geschützt

Für das reine Entfernen muss nicht zwangsläufig ein Experte hinzugezogen werden. Für die Bestimmung der Art ist es aber ratsam, meint Christian Schön, Sprecher der Stadt Dortmund.

Denn einige Wespenarten wie die Kreiselwespe oder die Knopfhornwespe sowie Hornissen stehen unter besonderem Artenschutz. Es ist in der Regel verboten, ihre Nester zu entfernen oder zu beschädigen.

„Es muss also vor einer Bekämpfung immer erst die genaue Tierart bestimmt werden“, sagt Schön. Ein besonders hohes Wespenaufkommen, habe man bei der Stadtverwaltung in diesem Jahr noch nicht wahrgenommen.

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In den vergangenen Jahren sperrte das Grünflächenamt vereinzelt kleine Flächen in den Grünanlagen oder auch auf Spielplätzen ab, um so ein versehentliches Hineintreten in die Nester zu verhindern.

Und wenn es wirklich nötig wird, Nester von öffentlichen Orten zu entfernen, setzt die Stadt komplett auf Fachfirmen. Das wurde bislang aber, im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner, äußerst selten nötig.

Imker setzt Nester an anderen Orten aus

Christian Schön: „Eine Bekämpfung wurde in den letzten Jahren (2013 bis heute) ausschließlich an zwei Tageseinrichtungen für Kinder und drei Spielplätzen und einmal am Musik- und Kulturzentrum Güntherstraße durchgeführt.“

Wenn Imker Ralf Schmidt ein Nest entfernt, zerstört er es meistens nicht. Wenn möglich, nimmt der Imker die Nester mit und setzt sie an Orten aus, wo sie niemanden stören.

Info

Bürger können Wespennester melden

Sollte es an öffentlichen Stellen eine Gefahr durch Wespennester geben, sollte man sich laut Stadtsprecher Christian Schön bestenfalls an die Leitstelle der Dortmunder Feuerwehr wenden, die die Info dann entsprechend weitergibt. Eine andere Möglichkeit sei, das Grünflächenamt direkt zu kontaktieren.
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