Im verlassenen Hannibal-Hochhaus in Dorstfeld brennt wieder Licht

dzHochhaus

Im Hannibal 2 in Dorstfeld brennt in einigen Wohnungen abends Licht, obwohl dort seit zwei Jahren niemand mehr wohnt. Der Gebäudeeigentümer weiß von nichts.

Dortmund

, 01.03.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 400 Wohnungen im Hannibal-Hochhaus in Dorstfeld wurden am 21. September 2017 von der Stadt Dortmund wegen akuter Brandschutzmängel geräumt. Seitdem warten ehemalige Mieter auf eine verbindliche Antwort auf die Frage, wie es weitergeht.

Selbst, wenn die meisten längst ein neues Zuhause gefunden haben, haben sie daran ein Interesse. Denn ein großer Teil der Ex-Bewohner hat noch persönliches Eigentum in den Wohnungen. Diese werden laut ehemaligen Mietern weiterhin regelmäßig Ziel von Einbrechern.

Deshalb, so die Vermutung von ehemaligen Mietern, werde das Licht angelassen, um damit Einbrecher abzuschrecken.

Hausverwaltung sagt, es sie habe nichts mit dem brennenden Licht zu tun

Das Haus wird verwaltet von „All Sites Property Management“. Eigentümerin ist das Unternehmen Lianeo, das zuvor den Namen Intown hatte. „All Sites Property Management“-Sprecher Robert Döring teilt auf Anfrage mit, dass das brennende Licht keine Maßnahme der Hausverwaltung sei.

„Es ist denkbar, dass einige Mieter bei einer Begehung vergessen haben, das Licht auszuschalten“, sagt Robert Döring. Dies werde gemeinsam mit dem Seecurityunternehmen vor Ort geprüft.

Mieter Netzwerk Dortmund spricht von „Wahnsinn“

Mehrere ehemalige Hannibal-Mieter sind im Verein „Mieter Netzwerk Dortmund“ organisiert.

„Es ist Wahnsinn, was da passiert“, sagt der Vereinsvorsitzende Marco Krieg. Regelmäßig würden Wohnungstüren aufgebrochen, der Zugang zum Gebäude sei nicht gut genug gesichert.

Jetzt lesen

Er berichtet von einem ehemaligen Mieter, bei dem sich ein Schaden in Höhe 12.000 Euro durch Einbrüche angehäuft habe. Nachbarn hätten ihm von Lieferwagen erzählt, die angeblich an der Tiefgarageneinfahrt warten, um Diebesgut abzuholen.

Polizei hat nur wenige gemeldete Einsätze

Die Polizei kann all das jedoch auf Grundlage der Einsatzzahlen im zurückliegenden halben Jahr nicht bestätigen: Drei Vorfälle sind am Hannibal 2 seit September 2019 aktenkundig. Das habe nicht mehr die Dimension wie noch in der Anfangsphase nach dem Auszug, sagt Polizeisprecherin Dana Seketa.

Bei den Einsätzen handelte es sich um zwei Sachbeschädigungen an Türen und um eine Gruppe, die angab, wegen Fotos von einem „Lost Place“ in dem Gebäude gewesen zu sein - gegen die aber wegen Einbruchs ermittelt wird.

„Wenn uns etwas gemeldet wird, nehmen wir das wahr wie jeden anderen Einsatz auch. Wenn jemand Beobachtungen macht, können wir nur raten, das zu melden“, sagt Dana Seketa.

Jetzt lesen

Die Sanierung des Hannibal-Hochhauses ist weiterhin nicht in Sicht

Die zwei Jahre, die anfangs bis zu einer dauerhaften Lösung für den Hannibal 2 vorgesehen waren, sind inzwischen verstrichen. Die Sanierung des Gebäudes stockt, weil zuletzt im November ein Bauantrag des Eigentümers vom Bauordnungsamt abgewiesen worden war.

Beim Bauantrag gibt es laut „All Sites Property Management“ keinen neuen Stand. „Das von unserer Hausverwaltung beauftragte Architekturbüro arbeitet die Nachforderungen der Stadt Dortmund derzeit ab“, sagt Sprecher Robert Döring.

„Unsere Mieterinnen und Mieter entscheiden, was mit ihrem Eigentum geschieht. In Abstimmung mit unserer Hausverwaltung sind kurzfristige Begehungen aus wichtigem Grund möglich.“

Ex-Mieter verlieren langsam die Geduld

Marco Krieg sagt für das „Mieter Netzwerk Dortmund“: „Es fühlt sich niemand verantwortlich. Die Leute verlieren die Geduld.“ Von den 2017 abgegebenen Erklärungen zu „unkomplizierten Lösungen“ sei nicht viel geblieben.

Jetzt lesen

Zuletzt waren die Abläufe bei der Stadt Dortmund in die Kritik geraten, als eine ehemalige Hannibal-Mieterin geklagt hatte, weil ihr Umzugskosten noch nicht erstattet worden seien.

Lesen Sie jetzt