Im Stadtbezirk Lütgendortmund sollen im nächsten Jahr viele Wildblumenwiesen blühen

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Scharnhorst und Brackel machen es vor: Dort gibt es Initiativen, die sich um neue Lebensräume für Wildbienen und andere Insekten kümmern. Jetzt zieht Lütgendortmund nach. Nur etwas anders.

Lütgendortmund

, 25.06.2019, 14:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das passiert in der Bezirksvertretung Lütgendortmund eher selten: Für einen Antrag der Grünen-Fraktion gab es in der Juni-Sitzung ein einstimmiges Votum - und das ganz ohne Diskussion. Aber zu diesem Thema gibt es auch keine zwei Meinungen: In unserer Stadt existieren zu wenige Lebensräume für Wildbienen und andere nützliche Insekten. Das soll im Stadtbezirk Lütgendortmund besser werden.

Deshalb haben die Bündnisgrünen einen entsprechenden Antrag an die Verwaltung formuliert. Sie soll geeignete Standorte für Wildblumenwiesen suchen und anschließend fachgerecht bepflanzen. „Wildbienen sind wichtige Bestäuber und leisten einen enormen ökologischen und ökonomischen Beitrag für Mensch und Natur. Viele Wildbienenarten sind jedoch vom Aussterben bedroht“, schreibt Fraktionssprecher Frank Meyer. Mit dem Anlegen von Wildblumenwiesen könne der Bienenvolk-Bestand gesichert werden.

Im Stadtbezirk Lütgendortmund sollen im nächsten Jahr viele Wildblumenwiesen blühen

Das Foto zeigt die Wildblumenwiese im Gneisenaupark. © Siegfried Rinke

Messbar weniger Schmetterlinge, Käfer und Bienen

Auch andere nützliche Insekten wie Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen sollen im nächsten Jahr bei ihrer Suche nach Nektar und Pollen von den neuen Wildblumenwiesen profitieren. Denn nicht nur der Bestand der Wildbienen, sondern die gesamte Insektenvielfalt geht weltweit dramatisch zurück. Auch in Deutschland gibt es messbar weniger Schmetterlinge, Käfer und Bienen. Letztlich, so Meyer, würden auch die Singvögel profitieren: „Sie werden von der Vielfalt der Insekten angelockt.“

Im Stadtbezirk Lütgendortmund sollen im nächsten Jahr viele Wildblumenwiesen blühen

Die Streuobstwiese der Paul-Dohrmann-Schule. © Siegfried Rinke

Dr. Erich Kretzschmar vom Nabu-Stadtverband Dortmund begrüßt den Vorstoß aus der Bezirksvertretung. Flächen für Wildblumenwiesen gibt es im Stadtbezirk Lütgendortmund seiner Meinung nach reichlich. „Zum Beispiel im Volksgarten und im Park der Generationen.“ Aber man sollte alle Stadtteile im Bezirk berücksichtigen. Kretzschmar schlägt vor, bei diesem Projekt auch die Gewerbetreibenden mit ins Boot zu holen.

Im Stadtbezirk Lütgendortmund sollen im nächsten Jahr viele Wildblumenwiesen blühen

Auch der Scharnhorster Stadtpark hat dank des „Runden Tischs“ eine Wildblumenwiese. © Siegfried Rinke

„Nicht jeder Rasen muss ein Golfrasen sein“

Generell könne aber jede Bürger seinen Beitrag leisten. Sein Appell: „Nicht jeder Rasen muss ein Golfrasen sein.“ Soll heißen: Wer weniger mäht, hilft den Insekten. Beim Anlegen einer Wildblumenwiese sollte man auf das richtige Saatgut achten, so Kretzschmar, und am besten einen Experten um Rat fragen.

Vorbildlich seien für ihn die Initiative „Brackel brummt“ und der „Runde Tisch“ zur Schaffung neuer Lebensräume für Bienen und andere nützliche Insekten in Scharnhorst.

Im Stadtbezirk Lütgendortmund sollen im nächsten Jahr viele Wildblumenwiesen blühen

Ein Schild informiert über Sinn und Zweck der Streuobstwiese. © Siegfried Rinke

In beiden Stadtbezirken blühen schon die ersten Wildblumenwiesen, wie Mitinitiator, Imker und Bienenweidefachberater Siegfried Rinke berichtet. Zum Beispiel im Gneisenaupark Derne, im Stadtpark Scharnhorst und auf dem Hauptfriedhof Brackel. Am Werkshof Grevel wurden Vergleichsflächen mit unterschiedlichem Saatgut angelegt.

Auch Schul- und Kindergartenkinder habe man in die Projekte einbezogen. „Das Interesse der Bürger ist generell groß“, so Rinke. Klasse sei zudem, dass das städtische Tiefbauamt den Einsatz für Wildblumenwiesen sehr engagiert unterstütze. „Die Stadt hat sogar extra Maschinen dafür gekauft.“

Stadt bewirbt sich um das Label „StadtGrün naturnah“

Bei der Stadt dürfte der Antrag der Bezirksvertretung Lütgendortmund auch aus einem anderen Grund auf offene Ohren stoßen. Denn Dortmund ist eine von bundesweit 15 Kommunen, die vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ für die Teilnahme am Verfahren für das Label „StadtGrün naturnah“ ausgewählt wurde. Das Bündnis zeichnet damit kommunales Engagement zur Förderung der biologischen Vielfalt aus.

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