Im OB-Büro Geld veruntreut

DORTMUND Im Büro von Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer (SPD) soll sich eine langjährige Sachbearbeiterin Steuergelder in die eigene Tasche gesteckt haben. Die Frau, die für das Rechnungswesen zuständig war, steht im Verdacht, mehrfach vier- bis fünfstellige Euro-Beträge für sich abgezweigt zu haben.

von Von Gaby Kolle

, 19.04.2007, 13:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt bestätigt den Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen bei Barauszahlungen. OB Langemeyer informierte die Staatsanwaltschaft vergangenen Montag über die Vorgänge, nachdem er das Rechnungsprüfungsamt mit einer Untersuchung der Buchungsvorgänge und des Rechnungswesens beauftragt hatte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue und Urkundenfälschung. Ansonsten Schweigen bei Stadt und Staatsanwaltschaft mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren.Die Frau, auf die sich die Ermittlungen konzentrieren, wurde nach einer Anhörung vom Dienst suspendiert. Sie soll regelmäßig mehr Bargeld für repräsentative Anlässe vom Stadtkonto abgehoben haben als benötigt wurde. Bislang geht man bei der Stadt davon aus, dass die Frau aus Lünen zwei Jahre lang Geld veruntreute.

Dem Vernehmen nach sollen für Verabschiedungen, Ehrungen oder als Handgeld für Bewirtungen bei Ausschussreisen in 2006 über 300000 € ausgegeben, tatsächlich aber nur 80.000 € benötigt worden sein. In 2007 sollen bereits 75.000 € vom Stadtkonto geflossen sein bei einem Bedarf von nur 10.000 €.

Fälschungs-Verdacht

Die Verdächtige hat Zahlungsanweisungen mit den Unterschriften ihrer Vorgesetzten bei der Sparkasse eingelöst. Der Verdacht: Unterschriften wurden gefälscht. Möglicherweise auch Quittungen, die sie als Botin von den Empfängern entgegenzunehmen hatte. Aufgefallen sein soll sie, weil sie auch in einer Zeit, in der sie länger krank geschrieben war, Zahlungsanweisungen eingelöst hatte.

Die Politik fordert nun eine schnelle Aufklärung. Während die SPD auf das schwebende Ermittlungsverfahren verweist und auf Vorschläge wartet, wie Veruntreuungen künftig zu vermeiden sind, kritisierte CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg die Informationspolitik des OB: „Er hat es nicht für nötig gehalten, uns ins Bild zu setzen.“

Der grüne Fraktionssprecher Mario Krüger kann nur schwer nachvollziehen, wie es bei einem funktionierenden Finanzcontrolling möglich ist, „einen finanziellen Schaden in der vermuteten Höhe über einen so langen Zeitraum verborgen zu halten und weiter anwachsen zu lassen“. Die Mängel müssten lückenlos aufgeklärt werden.

Auch Hans-Josef Tokarski von der Fraktion FDP/Bürgerliste fordert, „die Fakten auf den Tisch zu legen“ und entsprechende Maßnahmen zu treffen. „Mauern, Verzögern und Beschwichtigen, wie in der Vergangenheit oft geschehen, gilt jetzt erst recht nicht!“

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