Rechtsextreme Feindeslisten

Im Fadenkreuz des rechten Terrors: Ausstellung in Dortmund zeigt Betroffene

Zehntausende Menschen stehen auf „Feindeslisten“ von Rechtsextremen, auch Dortmunder. Eine Wanderausstellung gibt diesen Betroffenen nun ein Gesicht - in Dortmund an einem prominenten Ort.
Wer steht auf den Listen der Rechtsradikalen? Das kann man bei der Ausstellung in Dortmund sehen. © Ivo Mayr, Correctiv

Zehntausende Menschen werden von Rechtsextremen als Gegner markiert und auf sogenannte „Feindeslisten“ gesetzt: Lehrerinnen, Künstler, Wissenschaftlerinnen, Politiker oder Journalistinnen. Sie sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.

Der Fotograf Ivo Mayr hat 57 von ihnen besucht, mit ihnen über ihr Leben, ihre Hoffnung, Freude und Liebe gesprochen und sie porträtiert. Die Menschen auf den Porträts stehen für die vielen Gesichter der Bundesrepublik. Sie sind das Herzstück des Projektes, das ab dem 28. Juni (Montag) als Ausstellung, Buch und Online-Seite zu erleben sein wird.

Das Projekt von elf Regionalmedien – unter ihnen die Ruhr Nachrichten -, der Opfer-Organisation „Weißer Ring“ und dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv befasst sich mit den Kontinuitäten des rechten Terrors in Deutschland. Bei „Menschen – Im Fadenkreuz des rechten Terrors“ (so der Titel des Projekts) wird insbesondere die Perspektive der Betroffenen in den Blick genommen.

Porträtierte stehen für Gesellschaft, die Rechtsextreme auslöschen wollen

Betroffene und Hinterbliebene berichten von den schwerwiegenden Auswirkungen auf ihr Leben. In begleitenden Recherchen wird die Komplexität rechter Netzwerke, Strategien der rechten Szene und die Lücken in der Aufklärungsarbeit sowie bei der Bekämpfung des rechten Terrors gezeigt.

Im Fokus des Projekts stehen die Menschen, die von Rechtsextremen als Ziele ins Fadenkreuz genommen werden, weil sie für eine Gesellschaft stehen, die Extremisten auslöschen wollen. Fotograf Ivo Mayr sagt über sie: „Man erkennt in ihren Porträts, dass diese Menschen eine Haltung haben. Sie lassen sich nicht so einfach unterkriegen.“

Die Porträt-Reihe wird im Rahmen einer frei zugänglichen Wanderausstellung draußen an zentralen Orten vieler deutscher Städte zu sehen sein. Auftakt war am 28. Juni in Solingen.

Ausstellung „Im Fadenkreuz des rechten Terrors“ vor der Reinoldikirche

Der zweite Halt der Ausstellung wird Dortmund sein. Vom 6. bis 9. Juli (Dienstag bis Freitag) werden die großformatigen Porträts der Betroffenen – unter anderem vom Dortmunder Bundestagsabgeordneten Marco Bülow – im Herzen der City zu sehen sein: vor der Reinoldikirche, zwischen Osten- und Westenhellweg.

Darauf folgen unter anderem Köln, Nürnberg, München, Rostock und Berlin. Die Ausstellungen werden von öffentlichen Diskussionen begleitet.

„Das Projekt soll informieren und warnen zugleich: Wenn es uns als Gesellschaft nicht gelingt, rechtem Terror entschlossen entgegenzutreten, wird er uns auseinandertreiben und unserer Demokratie großen Schaden zufügen“, sagt David Schraven, Publisher von Correctiv.

Dazu wird im Correctiv-Verlag ein Begleitband zum Projekt erscheinen. Auf 275 Seiten werden die Porträts in die Recherchen eingebettet. Ab Mitte Juli ist das Buch für 35 Euro im Buchhandel oder online zu erwerben.

Alle Recherchen und Porträts werden zusätzlich ab dem 28. Juni online auf menschen-im-fadenkreuz.de für alle Interessierten veröffentlicht.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.