Lehrerin Laura Höfer (35) wurde vier Tage vor dem erneuten Astrazeneca-Stopp geimpft. © Privat
Lehrerin (35) berichtet

Im Astrazeneca-Chaos geimpft: „Hätte das nicht fünf Tage eher sein können?“

Die Unsicherheiten gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca wachsen. Wie geht es eigentlich den Menschen, die schon damit geimpft wurden? Eine Lehrerin und eine Erzieherin aus Dortmund berichten.

Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist der Corona-Impfstoff von Astrazeneca am Dienstag (30.3.) ausgesetzt worden. Nach einem Beschluss von Bund und Ländern, soll dieser nur noch in Ausnahmefällen an die Gruppe der unter 60-Jährigen verimpft werden. Hintergrund sind einzelne Fälle von Hirnthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit Astrazeneca-Impfungen.

Die Altersklasse der Unter-60-Jährigen betrifft den größten Teil der Gruppe, die damit geimpft werden sollten: Lehrer und Erzieher. Wie geht es jetzt also weiter?

„Meine erste Reaktion war: Ich lass mich nicht impfen“

Die Dortmunderin Laura Höfer ist Lehrerin für Sonderpädagogik an einer Grundschule in Holzwickede. Sie wurde vergangenen Freitag (26.3.) geimpft, nach langer Unsicherheit, ob sie sich überhaupt impfen lassen möchte. Ihr erster Termin fiel schon wegen des ersten Astrazeneca-Impf-Stopps Mitte März aus.

„Ich hatte nach dem ersten Impf-Stopp große Bedenken. Viele Kollegen in meinem Umfeld hatten heftigste Nebenwirkungen, da war meine erste Reaktion ‚Nein, ich lasse mich nicht impfen‘“, berichtet die 35-jährige Dortmunderin.

Dann aber habe sie angefangen, viel zu dem Thema zu recherchieren und mit Ärzten zu sprechen. „Nach der Risiko-Nutzen-Abwägung habe ich mich doch entschlossen, mich impfen zu lassen, um ein bisschen beruhigter und freier mit den Kindern in der Schule persönlich in Kontakt zu treten und andere zu schützen“, erzählt sie.

Vor der Impfung sei sie schon sehr aufgeregt gewesen, anschließend aber beruhigter, als sich die Impf-Nebenwirkungen im Rahmen hielten.

„Ich versuche, mich nicht verrückt zu machen“

Doch dann kam wenige Tage später erneut der Impfstopp. Jetzt wird empfohlen, dass unter 60-Jährige nicht weiter mit Astrazeneca geimpft werden. In diese Altersklasse fällt Höfer. „Mein erster Gedanke war: Warum hätte das nicht fünf Tage eher sein können?“, sagt sie.

Die Unsicherheit bessere sich dadurch nicht gerade. Hätte sie stattdessen eine Impfung mit Biontech oder Moderna bekommen, wäre die Unsicherheit vielleicht trotzdem dagewesen. „Ich denke, in der ganzen Diskussion muss einem klar sein, dass die Impfstoffe neu sind und sich in der Testphase 4 befinden. Deswegen versuche ich, mich nicht verrückt zu machen“, erklärt die Dortmunderin.

Trotzdem hätte sie sich ihre Osterferien entspannter vorstellen können. „Man hört jetzt mehr auf den eigenen Körper – oh Kopfschmerzen, das könnte vielleicht was sein. Ich bin froh, wenn die kritischen 16 Tage um sind“.

Erzieherin hat nur harmlose Impfreaktionen

Eine andere Dortmunderin, eine Erzieherin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat die ersten 16 Tage nach ihrer Astrazeneca-Impfung – in denen Nebenwirkungen auftreten können – bereits hinter sich. Sie bekam ihre erste Impfung kurz vor dem ersten Stopp.

Einen Abend vorher kamen schon die ersten Nachrichten, dass einige Länder die Impfung wegen möglicher Thrombosen aussetzen. Beunruhigt habe das die Erzieherin zunächst nicht.

Da Thrombosen in ihrer Familie häufiger vorkämen, nahm sie trotzdem zur Vorsicht kurz vor und nach der Impfung Blutverdünner. „Ob es was gebracht hat, weiß ich nicht. Ich hatte auf jeden Fall keine heftigen Nebenwirkungen und mir geht es jetzt, an Tag 17 nach der Impfung immer noch gut“, berichtet die Dortmunderin.

Direkt nach der Impfung schmerzte ihr Arm an der Einstichstelle und sie fühlte sich etwas schlapp, aber diese harmlosen Impfreaktionen waren schon am nächsten Tag vorbei.

Unsicherheit wie es weitergeht

Die Impf-Stopps und Diskussionen, die nach ihrem Termin folgten, sieht die Erzieherin gelassen. „Ich habe ja gesehen, dass es mir gut geht und meinen Kolleginnen auch. Beunruhigt bin ich nur, weil man jetzt nicht weiß, wie es weitergeht.“

Im Juni haben beide ihren zweiten Impf-Termin. Noch ist unklar, ob der stattfinden wird. „Ich hoffe, dass man bis dahin genug erforscht hat und es mehr Klarheit gibt“, sagt Höfer.

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