Nummerierte Tabletts und Paletten-Parcours schützen die Kunden bei Ikea

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Der Dortmunder Ikea im Indupark hat seit Mittwoch (22.4.) wieder geöffnet. Der Neustart verläuft noch gemächlich, die Corona-Maßnahmen sind teilweise kurios. Ein Besuch vor Ort.

Dortmund

, 24.04.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

An Einlasskontrollen und Kundenzählung per Einkaufswagen. Daran dürften sich die Menschen in der Corona-Krise so langsam gewöhnen. Mit einem durchnummerierten Essens-Tablett aus Plastik durch ein Geschäft zu streifen, wirkt dagegen etwas befremdlich.

Doch genauso zählt der Dortmunder Ikea im Indupark, wie viele Kunden sich gerade in dem großen Einrichtunghaus aufhalten. Seit Dienstag (22.4.) hat das Möbelhaus mit dem markanten Gelb-Blau wieder geöffnet. Als eine von deutschlandweit nur elf Ikea-Filialen.

Der Grund: Nur in NRW sind die Filialen derzeit geöffnet. Laut Landesregierung wäre das sogar bereits am 20. April erlaubt gewesen.

An der Parkplatz-Einfahrt steht am zweiten Tag nach der Wiederöffnung ein Mann mit Warnweste und Kelle. An jedes ankommende Auto tritt er kurz heran, um zu fragen, ob man zum Einkaufen da sei oder nur eine Bestellung abhole.

Einkäufer dürfen ausschließlich in der Tiefgarage parken. 90 freie Parkplätze zeigt das Leitsystem gegen 15.30 Uhr an diesem Donnerstagnachmittag (23.4.) an.

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Auf dem Parkplatz ergibt sich dennoch ein typisches Ikea-Bild: Drei Menschen, ein kleineres Auto und mit Schnur gesicherte Pakete, die aus dem Kofferraum ragen.

Lea Drost (15), ihr Freund Lars Remus (17) und dessen Mutter Tanja (48) haben die langen Pakete der neuen Möbel gerade so in dem Wagen verstauen können. Die Mutter von Lea Drost baut zu Hause gerade um - die Online-Lieferung dauert da zu lange. Deshalb haben sie sich entschieden, selbst loszufahren.

Lea Drost (15, v.l.), ihr Freund Lars Remus (17) und dessen Mutter Tanja (48) haben sich entschieden, an diesem Donnerstag zu Ikea zu fahren. Ihren Einkauf haben sie gerade so im Auto verstauen können.

Lea Drost (15, v.l.), ihr Freund Lars Remus (17) und dessen Mutter Tanja (48) haben sich entschieden, an diesem Donnerstag zu Ikea zu fahren. Ihren Einkauf haben sie gerade so im Auto verstauen können. © Wilco Ruhland

„Es war an sich entspannt“, sagt Tanja Remus über den Gang durch das Einrichtungshaus. „Nur den Eingang hätte man besser regeln können“, findet sie. In der Markthalle sei es zudem etwas eng gewesen.

Die 15-jährige Lea Drost findet es schade, dass es Einkaufswagen erst unten an der Markthalle gebe, da diese ein gutes Hilfsmittel seien, um die Abstandsregel einzuhalten.

Slalom-Parcours und 490 Tabletts

Im Eingangsbereich ist die Führung der eventuellen Warteschlange klar auf dem Boden abgeklebt. Doch als unser Reporter das Möbelhaus betritt, steht hier niemand Schlange. Direkt vor dem Eingang ein auffälliger Slalom-Parcous durch Europaletten. Eine Sicherheitskraft und eine Möglichkeit zur Hand-Desinfektion stehen an der Tür bereit.

Vor dem Eingang gibt es einen Slalom-Parcours durch Europaletten. Das soll für besseres Einhalten der Abstände sorgen.

Vor dem Eingang gibt es einen Slalom-Parcours durch Europaletten. Das soll für besseres Einhalten der Abstände sorgen. © Wilco Ruhland

Dann bekommt der Kunde sein Plastik-Tablett von einer Dame am Schalter hinter Spuckschutzwänden. Jedes Einzelne werde desinfiziert. Am Ausgang werden die rechteckigen Stücke aus Plastik wieder abgegeben.

490 Tabletts gebe es insgesamt - der Reporter bekommt Nummer 295. Ob das auch bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt genau 295 Kunden durch den Laden streifen, lässt sich allerdings nicht genau sagen

Komplett ausgelastet sei das Geschäft an diesem Tag noch zu keinem Zeitpunkt gewesen, verrät ein Mitarbeiter. Nur morgens vor Ladenöffnung habe es eine kleine Schlange gegeben. Ob das an der Corona-Pandemie oder am guten Wetter liegt, lässt sich jedoch nur mutmaßen.

Jeder Kunde bekommt ein nummeriertes Plastik-Tablett, dass er beim Streifzug durch das Geschäft mit sich führen muss.

Jeder Kunde bekommt ein nummeriertes Plastik-Tablett, dass er beim Streifzug durch das Geschäft mit sich führen muss. © Wilco Ruhland

Gegen 16.15 Uhr sind dann allerdings doch wartende Menschen vor dem Eingang zu beobachten. Rund 30 Menschen stehen hier jeweils in Zweier-Gruppen an. Nach etwa 30 Minuten ist die Schlange jedoch wieder komplett weg.

Möbelausstellung bietet ausreichend Platz - in der Markthalle wird es enger

Im Einrichtungshaus selbst finden sich auf dem üblichen Leitsystem auf dem Fußboden immer wieder große runde - und natürlich gelbe - Hinweise, den Mindestabstand von 1,50 Meter zueinander einzuhalten. Die Punkte sind teilweise so hintereinander geklebt, dass man eine Vorstellung bekommt, wie weit 1,50 Meter sind.

Die Möbelausstellung bietet auch ausreichend Platz, damit sich die Menschen nicht in die Quere kommen. Die allermeisten Mitarbeiter tragen Mundschutz. Die Informationsschalter sind mit Wartelinien und Spuckschutzen ausgestattet.

Viele Markierungen auf dem Boden weisen auf die Mindestabstände hin.

Viele Markierungen auf dem Boden weisen auf die Mindestabstände hin. © Wilco Ruhland

In der Markthalle gibt es dann doch für jeden Kunden einen Einkaufswagen. Durch die etwas schmaleren Gänge und das gewohnte hin und her wird es hier allerdings schon wesentlich schwieriger, die Abstände einzuhalten.

Für viele Kunden ist sicherlich enttäuschend, dass man auf den beliebten Ikea-Hotdog am Ausgang derzeit verzichten muss. Das Bistro und auch das Restaurant bleiben vorerst geschlossen.

„Irgendwie auch schön, dass es so langsam wieder losgeht.“

Petra Stracke aus Iserlohn hat gerade ihren Einkauf in ihr Auto gepackt. Sie war gegen 15.30 Uhr da und musste ebenfalls nicht warten, sagt sie. Besonders die immer wiederkehrenden Ansagen im Geschäft, die auf die Abstände hinweisen, seien ihr aufgefallen. Ansonsten habe sich der Ikea-Besuch beinahe normal angefühlt - bis auf die leicht befremdlichen Tabletts, gibt die Frau mit dem Mundschutz zu.

Irgendwie sei es auch gut, dass das normalere Leben so langsam wieder losgehe, findet sie. „Sorgen davor, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen, habe ich mir nicht gemacht - ich arbeite schließlich in einer Klinik.“

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