Die IHK hat ihre Unternehmen unter anderem gefragt, wie zufrieden sie mit den Beschlüssen von Bund und Ländern zur Bewältigung der Corona-Pandemie sind. Das Ergebnis verkündete Kammerpräsident Heinz-Herbert Dustmann während der Jahrespressekonferenz. © IHK/Stephan Schütze
Jahrespressekonferenz

IHK unzufrieden: „Schärferer Lockdown löst nicht das Problem“

Unzufriedenheit bei den Unternehmen, drohende Jobverluste und drei konkrete Forderungen für die Zeit nach Corona: Die Dortmunder Spitze der Industrie- und Handelskammer (IHK) redet Klartext.

Zunehmend schärfer äußert die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund ihre Kritik am Corona-Krisenmanagement der Politik. Das wurde während der digitalen Jahrespressekonferenz der Kammer am Dienstag (20.4.) deutlich.

Die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage, an der sich 440 Mitgliedsbetriebe der Kammer beteiligten, stellen dem Regierungshandeln gerade ein miserables Zeugnis aus. 46,3 Prozent der Unternehmen geben der Corona-Politik die Note mangelhaft. 27 Prozent bewerten sie mit ausreichend. Die Note 3 oder Note 2 vergeben zusammen ebenfalls rund 27 Prozent und nur rund 0,2 Prozent benoten mit „sehr gut“.

„Die Noten sprechen für sich“, sagte Kammerpräsident Heinz-Herbert Dustmann und fügt an: „Wenn nach einem Jahr Pandemie die Wirtschaftsbetriebe so unzufrieden sind, wird es Zeit, das Krisenmanagement zu ändern.“

IHK spricht sich gegen schärferen Lockdown aus

Für Dustmann heißt das, dass nach einem „schrecklichen Jahr 2020“ endlich Schluss sein müsse mit der „gefährlichen Spaltung in unserer Wirtschaft“. Dass etwa in der Gastronomie und Hotellerie seit einem halben Jahr keine Gäste empfangen werden dürften und der Textilhandel schon in der dritten Saison auf seiner Ware sitzen bleibe, sei nicht mehr hinzunehmen.

Stellten in Dortmund den IHK-Jahresbericht 2020 im Rahmen einer hybriden Pressekonferenz vor (v.r.): IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann, IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Wulf-Christian Ehrich.
Stellten den IHK-Jahresbericht 2020 im Rahmen einer hybriden Pressekonferenz vor (v.r.): IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann, IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Wulf-Christian Ehrich. © IHK zu Dortmund/Stephan Schütze © IHK zu Dortmund/Stephan Schütze

„Das Problem der Pandemiebekämpfung wird nicht mit einem stärkeren Lockdown gelöst. Wir haben Testmöglichkeiten, Masken, Luftreinigungsanlagen und Zugangsbeschränkungen – aber das scheint alles keine Rolle zu spielen“, sagte Heinz-Herbert Dustmann. Außerdem erwarte er, „dass Kompensationshilfen vom Staat aufgestockt und rechtzeitig ausgezahlt werden.“

Dass für den Handel auch der Einkauf mit Test, Termin und den ohnehin geltenden Hygieneauflagen nicht mehr möglich ist, versteht der Kammerpräsident überhaupt nicht: „Dieses Modell ‚Click and Meet‘ brachte ja für die Menschen die Motivation, sich testen zu lassen. Wir hatten mit dem Stopp dieses Modells in unserem Testzentrum, das wir an unserem Kaufhaus in Hombruch bereitgestellt hatten, jetzt sofort 70 Prozent weniger Tests.“

Jedes fünfte Unternehmen bewertet seine Lage als schlecht

Die Verschärfung des Lockdowns sei also, so ist Dustmann zu verstehen, kontraproduktiv und verschärfe nur die Existenznot. „Die Händler können nicht mehr. Der Wirtschaft wird irreparabler Schaden zugefügt.“

In diesem Zusammenhang erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber: „Wir haben auch bei der IHK Intensivstationen. Da kümmern wir uns um von Insolvenz bedrohte Unternehmen und Auszubildende, die ihre Lehrstelle verloren haben.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber sorgt sich um etliche Arbeitsplätze in Dortmund, stellt aber fest: „Während etwa 15 Prozent unserer Unternehmen davon ausgehen, dass die Beschäftigtenzahlen weiter sinken, glauben ebenso viele Betriebe, dass diese Zahlen wieder steigen.“
IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber sorgt sich um etliche Arbeitsplätze in Dortmund, stellt aber fest: „Während etwa 15 Prozent unserer Unternehmen davon ausgehen, dass die Beschäftigtenzahlen weiter sinken, glauben ebenso viele Betriebe, dass diese Zahlen wieder steigen.“ © IHK/Stephan Schütze © IHK/Stephan Schütze

Laut IHK-Umfrage gehen aktuell etwa 15 Prozent der Unternehmen in Dortmund und Umgebung davon aus, dass die Beschäftigtenzahlen weiter sinken werden. Während fast ein Drittel der befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Lage als gut einschätzt und knapp die Hälfte zufrieden ist, sagen auch mehr als 20 Prozent, dass ihre Lage schlecht ist. 24,3 Prozent habe ihre Beschäftigten derzeit in Kurzarbeit.

Dass also jedes fünfte Unternehmen in größeren Schwierigkeiten steckt, macht den Wirtschaftsexperten der IHK Sorgen. Weil dies tatsächlich Jobverluste bedeuten könne. Vor einem Jahr um diese Zeit hatten nur 15 Prozent der Unternehmen ihre Situation als schlecht bezeichnet.

Gute Nachrichten von Wilo, Porsche oder Karstadt

Bei all den Schattenseiten der Pandemie vergaß Heinz-Herbert Dustmann nicht, darauf hinzuweisen, dass es in den vergangenen zwölf Monaten auch gute Nachrichten für die Dortmunder Wirtschaft gegeben habe. So etwa die offizielle Eröffnung des Wiloparks, die Eröffnung des neuen Porsche-Zentrums Dortmund in der Nähe des Flughafens oder auch die Rettung des Karstadt-Warenhauses und des Karstadt-Sporthauses in der City.

Beim Ausblick auf die Zeit nach der Corona-Krise hofft die IHK, dass bestehende Ordnungsvorgaben gelockert werden. Es gibt drei konkrete Forderungen:

  • Außengastronomie: „Die Stadt“, sagt Stefan Schreiber, „sollte pragmatisch vorgehen und Gastronomen, die drinnen nur beengte Möglichkeiten haben, erlauben, auch auf dem Bürgersteig Außengastronomie unterhalten zu können.“
  • Sonntagsöffnung: „Das sollte großzügig möglich gemacht werden, damit Händler in der City und in den Stadtteilzentren die Möglichkeit haben, mit Veranstaltungen die Einkaufszonen zu beleben. Das gäbe auch Schaustellern Umsatzmöglichkeiten“, so Stefan Schreiber.
  • Bürokratieabbau: Bürokratische Hemmnisse sollen gelockert werden. „Bürokratieabbau war ohnehin schon vor Corona nötig. Wenn der nun gelänge, hätte die Pandemie auch etwas Gutes gebracht“, sagt Heinz-Herbert Dustmann.
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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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