IHK-Umfrage: So stark trifft die Corona-Krise Dortmunds Wirtschaft

dzWirtschaft und Corona

Einen wahren Höhenflug erlebte die heimische Wirtschaft 2019. Doch der wurde jäh gestoppt - durch Corona. Eine Studie der IHK zeigt, welche Branchen besonders betroffen sind.

Dortmund

, 24.06.2020, 15:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fachkräftemangel, Engpässe in der Bauwirtschaft - das waren Probleme, die die Wirtschaft 2019 beschäftigten. Die Konjunktur lief auf Hochtouren - und dann kam Corona.

„Corona hat uns fest im Griff“, stellt der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heinz-Herbert Dustmann ernüchtert fest. Wie fest, das zeigt eine aktuelle Konjunktur-Umfrage, die die IHK am Mittwoch (24.6.) zu ihrer Vollversammlung vorstellte. 470 Unternehmen aus Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna hatten sich daran beteiligt.

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Immerhin: Ihre aktuelle Lage beurteilen noch mehr als zwei Drittel der Unternehmen (genau 68,6 Prozent) als gut oder befriedigend, ein knappes Drittel (31,4 Prozent) sieht sich in einer schlechten Situation. In der März-Umfrage lagen die guten und befriedigenden Einschätzungen noch bei gut 84 Prozent, die der Unzufriedenen bei knapp 16 Prozent.

Große Betroffenheit

In der Umfrage wurde auch konkret nach den Auswirkungen der Corona-Krise gefragt. Die klare Botschaft: Bei fast zwei Drittel aller Unternehmen (genau 62,2 Prozent) hat sich durch die Pandemie die Lage verschlechtert. Nur bei gut 32 Prozent ist die Situation gleichgeblieben. Rund fünf Prozent sprechen von einer besseren Lage.

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Das zeigt, dass nicht alle Branchen gleich betroffen sind von der Corona-Krise. „Kurzarbeit und Umsatzausfälle haben besonders Hotels und Gastronomie, Tourismus und Einzelhandel, das Messe- und Veranstaltungsgeschäft, die Freizeit- und Kreativwirtschaft, viele Dienstleister und große Teile der Industrie getroffen“, bilanziert Dustmann.

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Im internationalen Geschäft ging die Zahl der Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel zurück. Auch hier zeigt Corona deutliche Spuren. Während die Exporte nach China gegenüber April 2019 „nur“ um 12,6 Prozent sanken, lag das Minus bei anderen besonders von Corona betroffenen Ländern wie Frankreich bei 48,3 Prozent, Italien bei 40,1 Prozent oder USA bei 35,8 Prozent.

Unsichere Zukunft

Eher negativ ist auch der Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung für die kommenden Monate. Mehr als jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) geht von einer weiteren Verschlechterung der Lage aus, rund 45 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Situation. Nur knapp 18 Prozent schätzen, dass es ihrem Betrieb dann besser gehen wird.

„Verglichen mit der März-Umfrage ist aber ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen“, betont Dustmann. Damals, zu Beginn der Pandemie, gingen 45 Prozent von einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung aus. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit sinkenden Investitionen, nur 9,5 Prozent erwarten eine Steigerung.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Klar ist, dass die Corona-Krise auch Folgen für den Arbeitsmarkt haben wird, wie jetzt schon die hohe Zahl an Kurzarbeitern zeigt. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (fast 45 Prozent) hatten oder haben aktuell Beschäftigte in Kurzarbeit.

Nach der Umfrage geht fast jedes vierte Unternehmen (knapp 23 Prozent) davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten 2020 sinken wird. Immerhin wollen fast 70 Prozent die Zahlen der Belegschaft auf dem aktuellen Niveau halten, knapp acht Prozent erwarten eine Zunahme der Mitarbeiterzahl.

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Der Ausbildungsmarkt ist ebenfalls betroffen. „Vor dem Hintergrund fehlender Einnahmen und von stark eingeschränktem Unterricht in den Berufsschulen ist es schwieriger geworden, Ausbildungen aufrechtzuerhalten und Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr anzubieten“, stellt die Kammer fest. Zum 15. Juni verzeichnete die IHK so verglichen mit dem Vorjahreswert ein Minus von 13 Prozent bei den Neuverträgen.

Ausbildung weiter gefragt

Von den befragten Ausbildungsbetrieben gaben in der Umfrage gut zehn Prozent an, wegen der Corona-Pandemie weniger Ausbildungsplätze als geplant zur Verfügung zu stellen. Gut 86 Prozent wollen im geplanten Umfang ausbilden, fast vier Prozent sogar mehr als vorgesehen.

„Der Wunsch nach Ausbildung im eigenen Betrieb ist also weiterhin groß“, stellt man bei der IHK fest. In der IHK-Lehrstellenbörse sind aktuell noch etwa 700 Ausbildungsplätze für die Region gelistet. „Wir hoffen sehr, dass wir auch 2020 fast 5.000 neue Ausbildungsverträge verzeichnen und damit fast das Niveau der Vorjahre erreichen“, zeigt sich IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber optimistisch.

Beratung für Unternehmen

Die Hoffnung ruht jetzt auf einer Beruhigung der Corona-Lage und einer segensreiche Wirkung der beschlossenen Konjunkturpakete. Trotzdem ist sich Heinz-Herbert Dustmann sicher: „Die Bewältigung der Krise wird uns noch lange beschäftigen.“

Die IHK ist dabei vor allem als Ratgeber gefragt. Teilweise übers Wochenende organisierte sie Sprechstunden etwa für die Beantragung von Soforthilfen. Auch in Sachen Kurzarbeit hat die Kammer „Amtshilfe“ geleistet und über die Hotline 0231 5417-100 tausende Betriebe informiert und beraten.

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