Auf diesem Bild warten Türken im Juli 1970 auf dem Düsseldorfer Flughafen auf ihren Flug in den Heimaturlaub. Die Dortmunder SPD-Fraktion möchte die Leistungen der Gastarbeiter mit einem Denkmal in der City würdigen. © dpa
Antrag

Idee: Denkmal für Gastarbeiter mitten in Dortmund

Die SPD im Dortmunder Rat möchte ein Denkmal für Gastarbeiter an prominenter Stelle in der City errichten. Nachfrage an die Politik: Wie realistisch ist das? Eine Fraktion geht sogar noch weiter.

Die Genossen im Dortmunder Rat wollen die Rolle der Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen als Arbeitskraft und Bewohner in der Geschichte der Westfalenmetropole würdigen. Deshalb schlagen sie für die Sitzung des Kulturausschusses am 20. April ein Gastarbeiter-Denkmal vor.

„Besonders hervorzuheben ist der Ort des Denkmals, welcher zentral und mitten im Herzen unserer Stadt liegen soll“, erläutert Dominik De Marco, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion.

Aus ehemaligen Gastarbeitern seien Einwanderer und ihre Kultur Teil

der Gesellschaft geworden, so die SPD-Fraktion. „Da die Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen ein bedeutender Teil der jüngeren Geschichte Dortmunds sind, soll dieses Denkmal innerhalb des Wallrings entstehen“, präzisiert De Marco.

Die Verwaltung soll damit beauftragt werden, eine geeignete Stelle zu finden und für die Gestaltung des Denkmals einen Wettbewerb auszuloben. Die eingegangenen Vorschläge sollen von einer Jury unter Beteiligung relevanter Akteure der Stadtgesellschaft bewertet und ausgewählt werden.

Grüne wollen ein Museum für Migration

Doch wie realistisch ist dieser Vorschlag? Wir haben uns dazu bei den anderen Fraktionen umgehört. Die Grünen halten den SPD-Vorstoß für einen richtigen Ansatz, der ihnen aber nicht weit genug geht. „Die Idee, die Leistung der Migranten für die Stadtgesellschaft zu würdigen, teilen wir“, sagt Barbara Brunsing, Bürgermeisterin und kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Doch bereits in ihrem Parteiprogramm sind die Grünen einen Schritt weitergegangen. Sie streben die Gründung eines eigenen Museums für Migration an. „Damit soll die Geschichte der Zuwanderung dauerhaft dokumentiert und der Beitrag der zugewanderten Menschen bei der Entwicklung der Stadt gewürdigt werden“, heißt es in dem Programm.

„In einem Museum muss man sich regelmäßig mit dem Thema auseinandersetzen, kann zum Beispiel Ausstellungen kuratieren“, sagt Barbara Brunsing und kündigt an, die Grünen würden den SPD-Antrag zum Anlass nehmen, ihre Museums-Idee in den Kulturausschuss einzubringen.

Warum ein Denkmal?

Für Thomas Zweier, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke+, kommt der Vorstoß der SPD völlig überraschend. „Aus der Gesellschaft habe ich nirgends ein Bedürfnis für solch ein Denkmal vernehmen können“, sagt er. Die Leistungen der Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen verdienten Respekt und Anerkennung, aber: „Warum ein Denkmal?“, fragt Zweier.

Er hält andere Formen der Würdigung wie Theaterstücke, Lesungen, Musik und Museumsausstellungen für geeigneter. Deshalb würde er der SPD-Idee nicht zustimmen wollen, müsste sich aber noch mit seiner Fraktion beraten.

Noch Beratungsbedarf in den Fraktionen

Beratungsbedarf hat noch die CDU. Ute Mais, Bürgermeisterin und kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion erklärte, man müsse ich erst noch in der Fraktion dazu eine Meinung bilden.

Ähnlich äußert sich auch Roman Senga, der die FDP im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit vertritt. Er müsse sich noch mit seiner Fraktion dazu austauschen. Doch ohne die Idee vorab bewerten zu wollen, stelle er sich persönlich die Frage, „ob Kultur, Sport und Freizeit in Dortmund momentan nicht ganz andere Probleme haben, um welche sich die Politik kümmern sollte?“

Dirk Thomas, in der AfD zuständig für Kultur, führt an, seine Fraktion könne den SPD-Antrag im Prinzip unterstützen: „Wir würden es uns aber aus Respekt vor der Lebensleistung aller damaligen Arbeiter als ein Gesamtdenkmal für die gemeinsame Kraftanstrengung von Deutschen und Gastarbeitern umgesetzt wissen wollen. Dies hätte dann einen dankbaren und integrativen Charakter, den wir doch alle wollen.“ Die AfD werden einen entsprechenden Ergänzungsantrag zum Antrag der SPD einbringen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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