"Ich lasse mir keine Pistole auf die Brust setzen"

von Von Gaby Kolle und Oliver Volmerich

, 30.07.2008, 19:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Würde es denn aus Ihrer Sicht nicht Sinn machen, wenn das bürgerliche Lager geschlossen auftreten und Sie sich mit der FDP arrangieren würden?Hengstenberg : Das wäre sinnvoll. Wir haben uns seit der Kommunalwahl relativ regelmäßig ausgetauscht. Es gibt seit geraumer Zeit zwischen den Parteien Gespräche. Mehr möchte ich nicht sagen.

Im Wahlkampf müssen Sie auf allen "Schlachtfeldern" Farbe bekennen. Wie halten Sie's mit dem Flughafen-Ausbau?Hengstenberg (zum wiederholten Mal): Es gibt einen gültigen Parteitagsbeschluss. Am Status quo gibt es bis 2009 keine Veränderung.

Jetzt denken wir mal über 2009 hinaus.Hengstenberg: Fraktions- und Parteivorstand werden sich noch im August mit der Frage des Flughafens auseinandersetzen. 160 Delegierte werden mehrheitlich beraten.

Aber Sie haben doch eine persönliche Meinung?Hengstenberg: Ich persönlich habe mir wenig vorstellen können, dass eine Landebahn von 2800 m zu finanzieren ist. Und ich kann mir Fliegen vor 6 Uhr überhaupt nicht vorstellen. Aber ich bin eines von 88 Ratsmitgliedern.

Und nach 22 Uhr?Hengstenberg: Das wird sich zeigen. Ich lasse mir als politisch Verantwortlicher keine Pistole auf die Brust setzen, auch nicht von der Flughafen-Geschäftsführung. Ansonsten stelle ich fest, dass Rot-Grün in keiner Weise in der Lage ist, an dieser Stelle eine Entscheidung zu treffen.

Nächstes Reizthema Klinikum.Hengstenberg: Das Haus muss in die schwarzen Zahlen. Es reicht nicht aus, eine schwarze Null zu fahren. Wir müssen zweistellige Millionen im Jahr Gewinn machen, um uns das leisten zu können, was an Investitionen erforderlich ist. 200 Mio. Kredit kosten mit Abschreibungen 20 Mio. im Jahr. Wenn ich minus 15 Mio. habe und plus 20 Mio. brauche, müssen 35 Mio. erwirtschaftet werden. Eigentlich eine ganz schlichte Rechnung.

Und das können aus Sicht der CDU nur die Privaten?Hengstenberg: Frau Greive (Geschäftsführerin der Klinikum, Anm. der Redaktion) hat bewiesen, dass sie es weder kann noch darf. OB Langemeyer hat einmal mehr bewiesen, dass er es nicht nur nicht kann und auch nicht will, sondern dass er trickst und bald werden wir wissen, ob er sich dafür zur Verantwortung ziehen lassen muss. Es gibt seitens der Sozialdemokratie und Herrn Langemeyers nur ein Interesse, nämlich dieses Thema über die Kommunalwahl im Juni 2009 zu retten.

Und dann?Hengstenberg: Danach klappt sowieso nichts mehr. Dann werden alle ganz betroffen gucken, und dann wird das kommen, was gar nicht mehr abwendbar ist, nämlich die Privatisierung.Im dritten Teil des Interviews spricht Frank Hengstenbergs über Sozial-Ticket-Probleme.

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