„Ich kenne keinen mehr“: Hombrucherin fühlt sich in ihrer Heimat isoliert

dzMenschen in Hombruch

Brigitte Kretschmer kritisiert, dass in Hombruch weniger gegrüßt wird. Zudem kenne man sich im Stadtteil kaum noch. Auf Facebook fand ihr Beitrag darüber regen Anklang.

von Alexandra Wachelau

Hombruch

, 29.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Brigitte Kretschmer ist in Hombruch geboren und kennt den Stadtteil daher seit ihrer Kindheit. „Fast jedes Wochenende war ich da, auch wenn ich zeitweise woanders gewohnt habe“, sagt sie. Seitdem Kretschmer jedoch – aus gesundheitlichen Gründen – die Wintermonate auf Fuerteventura verbringt, hat sie eine Veränderung in ihrem bekannten Stadtteil bemerkt.

„Gestern war ich in Hombruch und habe sage und schreibe zwei Menschen gesehen, die ich kenne, die mich aber nicht erkannt haben“, schreibt sie am Freitag (26. April) auf Facebook. Das Heimatgefühl sei ihr verloren gegangen.

„Schlimm“ und „nur noch fremde Gesichter“

Ihr Beitrag in der Facebook-Gruppe „Hombrucher Clique“ wurde innerhalb weniger Stunden rege kommentiert. Viele der Hombrucher stimmen Kretschmer zu: Früher sei an jeder Ecke gegrüßt worden, inzwischen kenne man kaum noch Leute, die auf der Straße unterwegs sind. „Das ist schlimm geworden“, kommentiert eine Userin, „nur noch fremde Gesichter“.

„Keine Ahnung ob alle weggezogen sind“, sagt auch ein anderer User. Auch er bemerkt, dass vor allem weniger gegrüßt wird.

„Ich kenne keinen mehr“: Hombrucherin fühlt sich in ihrer Heimat isoliert

Brigitte Kretschmer macht auf Fuerteventura andere Erfahrungen. © Privat

„Ich finde das einfach traurig. Früher habe ich auf dem Marktplatz fast jeden Menschen gegrüßt. Inzwischen sehe ich jedes Mal, wenn ich wiederkomme, weniger Leute, die ich kenne“, sagt sie. Und noch etwas fällt ihr auf: „Die Menschen hier sind so viel hektischer und gleichgültiger geworden, alles ist schnelllebiger“, sagt sie. Auf Fuerteventura wäre das anders, dort seien die Menschen viel gelassener.

„Ich bin vor vier Jahren hierhergezogen, ich liebe es“

Nicht alle teilen dieses Bild vom Stadtteil. Ein anderes Mitglied der Facebook-Gruppe schreibt: „Hier mal das Gegenbeispiel. Ich bin vor gut neun Jahren von Dortmund Nord nach Süd gezogen und wohne jetzt mitten in Hombruch. Mein Zwerg ist hier vier Jahre in den Kindergarten gegangen“, sagt sie. „Bei mir werden es von Jahr zu Jahr mehr bekannte Gesichter.“ Sie schlussfolgert: „Hombrucher können auch nachwachsen.“

Eine Userin aus Brünninghausen sieht es ähnlich: „Ich bin vor vier Jahren aus dem Oberharz nach Brünninghausen gezogen und liebe es. (...) Was ich eigentlich sagen wollte, es ist schön in unserer Ecke, orientiert euch nicht am Negativen“, schreibt sie weiter.

„Vielleicht bin ich auch einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Kretschmer dazu und lacht. In der Vergangenheit gab es auch schon einmal ein Treffen der Hombrucher Clique – da war Kretschmer allerdings auf der Insel. Für das nächste Mal habe sie sich aber fest vorgenommen, vor Ort zu sein. „Ich habe es ja schon mal geschafft, ganz neue Leute kennenzulernen – sogar in einem fremden Land.“

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