Huckarder holen einsame Menschen aus ihrer sozialen Isolation

dzProjekt gegen Einsamkeit

Vor gut einem halben Jahr begann das Projekt „Menschen treffen Menschen“ gegen Einsamkeit in Huckarde. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der ersten Stunde ziehen eine erste Bilanz.

Huckarde

, 09.04.2020, 19:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Man fühlt sich gebraucht“, sagt Maria Hagen, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Caritas in der Huckarder St.-Urbanus-Gemeinde. In den ersten Wochen haben die in einer Art Besuchsdienst Engagierten etliche Menschen aus ihrer sozialen Isolation geholt.

Die einen haben sich schon vorher in der Gemeinde engagiert, andere bei der Caritas, wieder andere hatten es in der Zeitung gelesen: Im Oktober startete die Gemeindereferentin Christina Gäbel das Projekt „Menschen treffen Menschen“ mit dem Ziel, Alleinstehende aller Altersgruppen von ihrer Einsamkeit zu befreien.

Wie erwartet, sind es jetzt, am Anfang des Projektes, vor allem Senioren, die bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit für andere zu spenden. Auf der anderen Seite sind es auch vor allem Senioren, die sich mit ihrer Einsamkeit nicht abfinden wollen und um Hilfe bitten.

Im Heim bekommt man viel Hilfe

Judith Jordan aus Huckarde hat sich zugetraut, zwei Damen zu betreuen, und ist überrascht wie unterschiedlich die Ausgangslagen bei den Betroffenen sind. „Die eine Dame wohnt im Heim. Wenn gutes Wetter ist, holt man sich einen Rollstuhl und geht raus, man bekommt Hilfe bei allem. Die andere Dame wohnt zu Hause, da kommt man gar nicht raus, weil es keine Hilfe gibt.“

Einer anderen, allein stehenden Frau konnte das Projekt gleich doppelt helfen: Zum einen bekommt sie jetzt unterhaltsamen Besuch. Zum anderen hilft ihr dieser Besuch, sie zum Kaffeekränzchen mit ihre alten Freundinnen zu bringen, was sie alleine nicht mehr konnte.

Gespräche sind auch eine Herausforderung

Es sind nicht nur die Besuchten, die von dem Programm profitieren. Auch die ehrenamtlichen Besucher nehmen für sich sehr viel mit aus den Gesprächen. „Ich kann merken, wie die Frau jedes Mal wieder aus ihren Seniorenheim-Trott aufwacht während des Gespräches“, sagt Maria Hagen. „Das ist immer ein schönes Gefühl.“

Das funktioniert sogar am Telefon. Denn momentan, während der Kontakt-Sperre aufgrund der Corona-Pandemie, sind Besuche oft nicht mehr möglich.

Markus Jordan, einer der männlichen Besucher schätzt die Herausforderung. Er betreut einen Mann, der sich schwer tut, seinen Besucher wertzuschätzen, oder gar zuzugeben, dass er einsam ist. „Erst wenn der Besuch zu Ende ist, merkt man, wie sehr ihm die gemeinsame Zeit gefallen hat.“ Diesen „Grummel-Typen“ immer wieder weich zu klopfen, mache den Reiz aus, so Jordan.

Keine feste Bindung

Die momentan elf Teilnehmer des Projektes gehen also auch mit nicht ganz so einfachen Menschen um. Dabei hilft das Gefühl, nicht gebunden zu sein. „Ich kann jederzeit sagen, wenn es mir zuviel wird“, sagt Judith Jordan.

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Die Mitarbeiter von Christina Gäbel investieren etwa zwei Stunden pro Person pro Woche in ihr Ehrenamt. Das können feste Termine sein, das können auch spontane Verabredungen sein. „Jede Beziehung entwickelt sich anders“, so Christina Gäbel.

Die Besucher wurden umfassend geschult, in mehrere Tages-Seminaren. Sie lernten viel über Demenz und wie man Gespräche zum laufen bringt, auch wenn man nur „Ja“ oder „Nein“ zu Antwort bekommt.

Biografische Gespräche lockern die Stimmung

So hat sich für Maria Hagen die Taktik bewährt, mit der Frau, die sie besucht, sogenannte biografische Gespräche zu führen, wenn diese mal nicht so gut drauf ist. „Alte Menschen stecken voller Geschichten“, hat sie bemerkt.

Christina Gäbel ist zufrieden mit dem Start der Aktion „Menschen treffen Menschen“, doch die Suche nach weiteren Ehrenamtliche geht immer weiter. Und auch Menschen, die sich einsam fühlen, können sich melden unter der Rufnummer (0231) 3577722 oder eine E-Mail an Christina Gäbel schreiben: gaebel@pvamrevierpark.de

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