Horror im Jubiläumsjahr: Der Corona-Krise folgt ein dreister Einbruch

dzMerten & Pusch

Die Traditionsfirma Merten & Pusch kam in der Corona-Krise gerade wieder auf die Beine, als in der Firma eingebrochen wurde. Die Täter hatten sich ein Loch in die Wand gesägt.

Dortmund

, 05.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollte ein ganz besonderes Jahr in der Geschichte des Dortmunder Traditionsbetriebes „Merten & Pusch“ werden. Zu Jahresbeginn übernahm Vera Merten nach dem Ausscheiden ihres Bruders die alleinige Geschäftsführung des Unternehmens, das im Februar in großem Rahmen den 100. Firmengeburtstag feierte. Alles deutete auf eine erfolgreiche Saison hin - doch dann kam es ganz anders.

Zunächst brach der Umsatz des Spezialisten für Eisdielen-, Konditoren- und Schaustellerbedarf aufgrund der Corona-Krise ein. Und am Pfingstwochenende - das Geschäft erholte sich gerade wieder ein bisschen - wurde Merten & Pusch auch noch Opfer eines Einbruchs.

Schwerer Tresor verschoben

Als am frühen Dienstagmorgen (2. April) der erste Mitarbeiter gegen 4 Uhr das Firmengelände an der Beratgerstraße in Oberdorstfeld betrat, deutete zunächst nichts auf eine ungewohnte Veränderung hin. Das sollte sich beim Betreten der Büros aber schlagartig ändern: Die Räume und mit ihnen sämtliche Schreibtische waren über und über mit Löschpulver bedeckt, der Tresor stand nicht mehr an seinem angestammten Platz.

Dort, wo die Täter die Metallwand der Lagerhalle aufsägten, stehen heute zahlreiche Kartons. Ausgerechnet zur Tatzeit war dieser Platz aber leer.

Dort, wo die Täter die Metallwand der Lagerhalle aufsägten, stehen heute zahlreiche Kartons. Ausgerechnet zur Tatzeit war dieser Platz aber leer. © Michael Schuh

Nachdem die alarmierte Polizei und später auch die Spurensicherung am Tatort erschienen waren, kam Licht ins Dunkel: Vermutlich mehrere Täter hatten ein Loch in die Metallwand der hinteren Lagerhalle der Firma gesägt und waren so in das Gebäude gelangt.

Täter benutzen den Gabelstapler der Firma

Eine dreiste Methode, die die Einbrecher sogar noch toppen konnten. Einer von ihnen setzte sich offenbar auf einen firmeneigenen Gabelstapler und schob mit der Gabel das bis dato geschlossene Rolltor zur nächsten Halle hoch.

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Von dort wurde - erstaunlich zielsicher - in die Tür zu den Büroräumen ein weiteres Loch gesägt. Dort fanden die Täter den mehrere Hundert Kilo schweren Tresor, den sie zunächst von der Wand abrückten, dann ein Loch hineinsägten und so Bargeld in bislang noch unbekannter Höhe stahlen.

Doch damit gaben sich die Kriminellen nicht zufrieden. Sie durchsuchten sämtliche Schränke und Schubladen, ließen mehrere Schlüssel mitgehen und entleerten anschließend den Feuerlöscher der Firma - „wahrscheinlich, um Spuren zu verwischen“, vermutet Vera Merten.

Kaffeemaschine war zu groß

Zum Abschluss schleppten sie auch noch die schwere Kaffeemaschine vom Büro bis zum Einstiegsloch in der Lagerhalle, mussten den Apparat aber letztlich zurücklassen - er passte nicht durch die Öffnung.

Durch dieses Loch, das die Einbrecher in eine Stahltür sägten, gelangten sie in die Büroräume der Firma Merten & Pusch.

Durch dieses Loch, das die Einbrecher in eine Stahltür sägten, gelangten sie in die Büroräume der Firma Merten & Pusch. © Privat

„Dieses Jahr werde ich nie vergessen“, blickt Vera Merten sichtlich getroffen auf die vergangenen Monate zurück. Die 54-Jährige vermutet, dass die Einbrecher gewisse Vorkenntnisse über die Örtlichkeiten besaßen.

„Sie haben genau an der Stelle ein Loch in die Außenwand gesägt, an der innen kein Regal stand“, sagt die Geschäftsführerin, „und anschließend haben sie exakt jene Tür gewaltsam geöffnet, die zum Büro mit dem Tresor führte.“ Woher die Täter das alles so genau wussten? Vera Merten zuckt mit den Schultern.

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Nachdem eine Spezialfirma die Räume vom Löschpulver gereinigt hatte, das bis in die letzte Ritze der Computer gedrungen war, steht nun erst einmal eine Bestandsaufnahme an.

„Unsere Buchhaltung muss feststellen, wie viel Geld sich im Tresor befand“, sagt Merten, die in den Corona-Zeiten kurzerhand improvisierte und unter anderem Toilettenpapier an Einzelkunden verkaufte. „Ob auch Waren gestohlen wurden, werden wir erst bei der nächsten Inventur wissen.“

Moderne Sicherheitstechnik

Wie die Einbrecher das Auslösen der Alarmanlage verhinderten, vermag die Geschäftsführerin nicht zu sagen. Doch eines steht fest: Mit Bewegungsmeldern und Kameras soll das Firmengelände künftig noch sicherer gestaltet werden. „Die Einbrecher haben Schlüssel mitgenommen, sodass ich vermute, dass sie wiederkommen wollen“, sagt Merten. „Mit der neuen Sicherheitstechnik werden wir sie gebührend empfangen.“

Zeugen gesucht

  • Wann genau der Einbruch am langen Pfingstwochenende erfolgte, lässt sich noch nicht genau sagen. Am Samstagabend (30. Mai) war noch alles in Ordnung; erst am darauffolgenden Dienstagmorgen wurde die Tat bemerkt.
  • „In einer Zeit, in der wir ohnehin schon wirtschaftlich gebeutelt sind, empfinde ich einen solchen Einbruch als eine besondere Gemeinheit“, sagt Vera Merten.
  • Die Geschäftsführerin hofft nun, dass sämtliche Schäden von der Versicherung beglichen werden.
  • Außerdem appelliert sie an mögliche Zeugen des Einbruchs, sich bei der Polizei oder ihrer Firma (Tel. 0231/171117) zu melden.
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