Horror-Ausfahrt A 40: Wann kommt die Ampel, die OB Sierau versprochen hat?

dzVerkehr in Dortmund

Diese Kreuzung gehört zu den gefährlichsten in Dortmund. Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat sie zur Chefsache gemacht – doch passiert ist bislang nichts.

Lütgendortmund

, 02.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer im Berufsverkehr die Ausfahrt an der Autobahn A40 beobachtet, braucht keine offizielle Statistik: Allein drei Fast-Unfälle hat diese Redaktion innerhalb von 15 Minuten gezählt. „Aber das Schlimmste haben Sie gar nicht gesehen“, sagt Anwohner Reiner Uhlenbrock und schildert zum Beispiel einen Unfall, bei dem sich ein Rollerfahrer schwer verletzte.

Der Lütgendortmunder wohnt seit rund 30 Jahren in der Wilhelmshöh 1 und hat damit freien Blick auf die Horror-Szenen, die sich hier täglich während der Stoßzeiten an der Ausfahrt A 40/Werner Hellweg/Wilhelmshöh abspielen: „Dass hier noch niemand tot gefahren wurde, grenzt an ein Wunder“, sagt Reiner Uhlenbrock. Und es werde von Jahr zu Jahr schlimmer.

Erst sollte ein Kreisverkehr kommen, jetzt eine Ampelanlage

Schon seit Jahren fordern nicht nur Anwohner wie Reiner Uhlenbrock und sein Nachbar Michael Zechner eine Entschärfung dieser Kreuzung, auch die Bezirksvertretung (BV) Lütgendortmund hat bereits mehrere Anträge gestellt. Ursprünglich wollte man einen Kreisverkehr, mittlerweile soll es wenigstens eine Ampelanlage sein.

Horror-Ausfahrt A 40: Wann kommt die Ampel, die OB Sierau versprochen hat?

Im Juni 2019 rammte ein Linksabbieger einen querenden Rollerfahrer, der einen Beckenbruch erlitt. © Reiner Uhlenbrock

Im Juni 2018 erklärte Oberbürgermeister Ullrich Sierau während seines Besuchs in der BV-Sitzung das Thema zur Chefsache und versprach, dass die Ampelanlage bis Ende des Jahres installiert sei. „Wir machen das mal ein bisschen schneller. Also Ende 2019“, sagte er damals.

„Fast täglich Unfälle mit Blechschaden“

Für die Anwohner ist es eine Katastrophe, dass von städtischer Seite bislang noch immer nichts passiert ist. „Hier kommt es fast täglich zu Unfällen mit Blechschaden“, sagt Michael Zechner. Er wohnt seit 15 Jahren in der Straße Wilhelmshöh und hat wie Reiner Uhlenbrock viele dramatische Szenen beobachtet.

Horror-Ausfahrt A 40: Wann kommt die Ampel, die OB Sierau versprochen hat?

Ein Unfall aus dem Jahr 2016: Ein beteiligtes Unfallfahrzeug landete auf dem Bürgersteig gegenüber der A40-Ausfahrt/Auffahrt. © Reiner Uhlenbrock

Dazu gehören zum Beispiel Linksabbieger, die waghalsig und mit quietschenden Reifen abbiegen – und damit Zusammenstöße mit dem querenden Verkehr auf dem Lütgendortmunder/Werner Hellweg in Kauf nehmen. „Anfang des Jahres wurde so ein Rollerfahrer abgeräumt, der erlitt einen Beckenbruch“, erzählt Reiner Uhlenbrock. Im Juli 2019 landete ein Auto nach einem Auffahrunfall in dem Zaun eines Privatgrundstücks am Lütgendortmunder Hellweg.

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Riskante Überholmanöver beim Linksabbiegen an der A40-Ausfahrt

Immer wieder, so Uhlenbrock, beobachte er auch Autofahrer, die die Rechtsabbieger-Spur der A40-Ausfahrt verbotenerweise als Geradeaus-Spur nutzen, dann Gas geben, um am rechtmäßigen Linksabbieger mit einem riskanten Überholmanöver vorbeizuziehen. „Diese Schnippelvariante ist vor allem bei denen sehr beliebt, die diese Abfahrt regelmäßig nutzen“, so Uhlenbrock.

Kaum eine Chance auf ein gefahrloses Links-Abbiegen hätten Schwerlaster. „Wegen der Baumallee aus Richtung Werne denken viele, sie seien außerhalb einer geschlossenen Ortschaft unterwegs und fahren dementsprechend deutlich schneller als 50 km/h“, berichtet Langzeitbeobachter Reiner Uhlenbrock.

Horror-Ausfahrt A 40: Wann kommt die Ampel, die OB Sierau versprochen hat?

Das Linksabbiegen ist an dieser A40-Ausfahrt ein Glücksspiel. © Stephan Schuetze

Auch Fußgänger sind an dieser A40-Ausfahrt gefährdet

Sehr gefährlich ist der Bereich aber auch für Fußgänger, die am Hellweg unterwegs sind. „Oft sind es Spaziergänger aus dem Werner Feld mit ihrem Hund. Die müssen gut aufpassen, dass sie nicht von Autofahrern, die erst rechts abbiegen und dann in privaten Einfahrten oder auf dem Parkplatz des Tennisvereins wenden, erwischt werden“, so Michael Zechner.

Viele Autofahrer seien unglaublich rücksichtlos, die würden sogar über eine lange Flexi-Leine, die Hund und Hundebesitzer trennt, brettern, ergänzt Reiner Uhlenbrock. Das sei einem schwerbehinderten Nachbarn mit Rollator erst in der vergangenen Woche widerfahren. Schon häufig hätten auch Außenspiegel von geparkten Autos bei den wilden Wendemanövern dran glauben müssen.

Erhöhte Unfallgefahr auch auf der Autobahn

Ein weiterer Aspekt, der ein schnelles Handeln erforderlich macht, ist laut Michael Zechner der lange Rückstau an der A40-Ausfahrt während der Stoßzeiten: „Das erhöht natürlich auch die Unfallgefahr auf der Autobahn.“

Eine Anfrage unserer Redaktion vom 28. Oktober 2019 bei der städtischen Pressestelle zum aktuellen Stand der Ampel-Installation blieb bis Montag (2. Dezember) unbeantwortet.

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Laut Polizei kein Unfall-Brennpunkt

  • Laut Polizei handelt es sich bei der Kreuzung Abfahrt A40/Werner Hellweg/Wilhelmshöh um keinen Unfallbrennpunkt. 2019 habe es bislang einen Unfall mit einem Verletzten gegeben. Alle weiteren Unfälle ohne Personenschaden könne man nicht auswerten, so Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt.
  • Das Thema beschäftigt die örtliche Politik schon seit Jahren. Ursprünglich wollte man einen Kreisverkehr, für den es aber nicht genügend Platz geben soll.
  • Bei der Planung spielte lange Zeit auch die Stadt Bochum aufgrund der Erschließung der Opel-Fläche eine zentrale Rolle. Die Zuwegung sollte über das Werner Feld/Werner Hellweg erfolgen. Diese Pläne sind mittlerweile aber vom Tisch.
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