Viele Dortmunder machen sehr positive Erfahrungen mit dem Homeoffice, freuen sich über mehr Flexibilität und geringere Ansteckungsrisiken. Andere müssen immer noch regelmäßig ins Büro. © Jan Baborak | unsplash.com
Coronavirus

Homeoffice: „Nicht eher zurück, bis sich die Lage normalisiert hat“

Viele Dortmunder sind aktuell im Homeoffice – manchen wird das aber auch untersagt. Wir haben uns umgehört und von einigen Dortmunderinnen überraschend Positives erzählt bekommen.

Von zu Hause aus zu arbeiten, so den Kontakt zu Kollegen zum Beispiel im Großraumbüro zu vermeiden, hilft, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Nicht in jeder Branche geht das, Krankenhausmitarbeiter können Patienten zum Beispiel nicht auf Distanz pflegen. Aber auch in Branchen, in denen das eigentlich kein Problem wäre, sträuben sich manche Arbeitgeber gegen standardmäßige Heimarbeit.

Wir haben die Dortmunder gebeten, uns ihre Erfahrungen mit dem Homeoffice mitzuteilen. Viele haben sich mit Positivem gemeldet, vereinzelt scheint es aber auch in Dortmund Probleme mit der Heimarbeit zu geben.

„Nicht eher zurück, bis sich die Lage normalisiert hat“

Eine Dortmunderin schreibt, ihr Arbeitgeber aus der Versicherungsbranche habe schon im Frühjahr hunderte Mitarbeitende ins Homeoffice geschickt und schnell die nötigen Geräte besorgt. „Wir befinden uns bis heute im Homeoffice und unser Arbeitgeber versicherte uns, uns nicht eher zurück zu holen, bis sich die Lage normalisiert hat.“

Eine andere Dortmunderin, die im öffentlichen Dienst tätig ist, schreibt, dort habe es schon vor der Pandemie Gelegenheiten zum Homeoffice gegeben, die nun intensiviert worden seien. Sie arbeite mit dem eigenen Laptop von zu Hause aus, habe aber auch weitere Ausrüstung gestellt bekommen.

Anders sehe es bei ihrem Mann aus. Der arbeite bei einer Krankenversicherung in Köln und müsse dort regelmäßig mit mehreren Kollegen ein Büro teilen, obwohl die Tätigkeiten gut von zu Hause zu erledigen seien. „Am schlimmsten“, so schreibt die Dortmunderin, „finde ich, dass allen Verzicht abverlangt wird und dass sich dann trotz der ständigen Appelle ein Riesenbetrieb so verhält.“

„Stabile Wirtschaftslage wohl wichtiger“

Eine weitere Dortmunderin, die in der Finanzbuchhaltung eines international tätigen Unternehmens arbeitet, schreibt: „Vor Corona war die Arbeit von zu Hause weder erwünscht noch möglich.“

Mit der Pandemie habe sich das aber grundlegend geändert. Und obwohl sie selbst anfangs zurückhaltend gewesen sei, arbeite sie mittlerweile gern von zu Hause aus, freut sich unter anderem über die zeitliche Flexibilität. Und noch etwas: „Ich kann so trotz einer Brustkrebserkrankung weiter arbeiten. Das ist für mich psychologisch und finanziell wichtig.“

Bei einer anderen Dortmunderin sieht das anders aus. Sie schreibt, sie und ihre Tochter seien risikoerkrankt, ihr Mann, der in der IT-Branche für eine Dortmunder Kanzlei arbeite, müsse aber drei Tage in der Woche ins Büro.

Und weiter: „Die Stunde, die mein Mann morgens später beginnt, damit ich mit den drei Kindern etwas entspannter ins Homeschooling starten kann, muss er selbstverständlich hinten dran arbeiten.“ Sie ärgere sich darüber, dass die „stabile Wirtschaftslage und das Geld des Unternehmers“ wohl wichtiger seien.

„Eine Stunde Lebenszeit gespart“

Ganz anders sieht es bei einer Dortmunderin aus, die für einen international tätigen Energiekonzern arbeitet. Dort sei seit Mai „Anwesenheit nur in angemeldeten begründeten Ausnahmefällen möglich“.

Die Fahrten zur und von der Arbeiten sparten ihr „eine Stunde Lebenszeit, die ich mit meinen Kindern oder Sport verbringen kann.“ Auf der Strecke blieben allerdings die persönlichen Kontakte zu Kollegen.

Und dann gibt es da noch die Dortmunderin, die uns folgendes geschrieben hat: „Gerne würde ich von zuhause aus arbeiten, als Krankenschwester für Anästhesie/Intensivmedizin und Nephrologie ist mir das aber nicht möglich.“

Nicht zuletzt spielt auch das beim Homeoffice eine Rolle: Druck von denjenigen zu nehmen, die sich vor der Pandemie nun wirklich nicht in die Wohnung zurückziehen können.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
Zur Autorenseite
Bastian Pietsch

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.