So könnte Dortmunds ältester Kindergarten doch noch gerettet werden

dzWichernhaus in Wickede

Die Wickeder gingen sprichwörtlich auf die Barrikaden, als sie hörten, dass das Wichernhaus am Rübenkamp aufgegeben werden muss. Die Gemeinde hat ein weiteres Gutachten eingeholt.

Wickede

, 27.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Reaktionen der Wickeder waren heftig, als im April 2019 bekannt wurde, dass die Evangelische Kirche das Wichernhaus am Rübenkamp aufgeben muss. Die rund 50 Kinder, die in dem dortigen Kindergarten unterbracht waren, mussten in den Melanchthon-Kindergarten umziehen, der ebenfalls von der Gemeinde betrieben wird.

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Gesundheitliche Gefahr für die Kinder stand im Raum

Das Problem waren Wasserschäden. Eine Fachfirma hatte attestiert, dass ein Weiterbetrieb des Kindergartens unmöglich sei, wenn man nicht Gefahr laufen wolle, dass die Kinder gesundheitliche Schäden davontragen. Pfarrer Hanno May sagt: „Wir hatten keine andere Wahl. An erster Stelle steht das Wohl der Kinder.“ Das Presbyterium entschied, das altehrwürdige Haus aufzugeben.

Nun kommt die überraschende Wende: Ein weiterführendes Gutachten bestätigt zwar den erheblichen Sanierungsbedarf, weist aber zugleich den Erhalt des Hauses als möglich und sinnvoll aus. Die Kirchengemeinde hat danach ihren Beschluss, das Haus aufzugeben, revidiert und will es nun doch erhalten. Kosten insgesamt: etwa 100.000 Euro - Geld, das der Kindergarten aus Rücklagen aufbringen kann. Unter anderem müssen Wasserschäden beseitigt, Böden erneuert und eine neue Küche gebaut werden.

„Wir hatten nach dem ersten Gutachten aufgegeben“

„Es ist fast wie ein Wunder“, sagt Hanno May, der Vorsitzende des Presbyteriums. „Wir alle hatten nach der ersten Aussage der beauftragten Firma aufgegeben. Es war von einem „wirtschaftlichen Totalschaden“ die Rede. Aber als sich dann inhaltliche Zweifel an der Aussichtslosigkeit einer Sanierung ergeben haben, habe man mit Hilfe der Industrie- und Handelskammer einen weiteren Spezialgutachter zu Rate gezogen. Der kam zu dem Ergebnis, dass das Wichernhaus keinesfalls an Schwamm und Schimmel verloren sei.

So könnte Dortmunds ältester Kindergarten doch noch gerettet werden

Die Pfarrer Hanno May und Kerstin Hanke freuen sich über die Wende im Falle des Wichernhauses. © Andreas Schröter

„Unser Ziel ist es, das Haus wieder als Kindergarten zu nutzen“, sagen die beiden Pfarrer Kerstin Hanke und Hanno May. Und wenn alles gut gehe, könnte das zum neuen Kindergartenjahr im Sommer 2020 passieren, aber sicher sei das nicht - schließlich müssen zuvor entsprechende Genehmigungen eingeholt werden. „Denkbar ist auch“, so Kerstin Hanke, „dass wir das Haus nur in anderer Funktion nutzen können.“ Auch könne sie nicht versprechen, dass exakt die Kinder im Wichernhaus weiterbetreut werden, die schon vorher dort waren.

„Sie können doch meinen Kindergarten nicht schließen“

Hanno May gibt zu, dass ihn die Reaktionen auf die geplante Aufgabe des Hauses überrascht haben: „Das war ja der älteste Kindergarten Dortmunds. Er hat im Jahr 1903 seinen Betrieb aufgenommen.“ Zu ihm seien 80-Jährige gekommen, die gesagt haben: „Sie können doch meinen alten Kindergarten nicht schließen.“

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