Hochzeit in der Corona-Krise: „Wen lässt man vor der Tür stehen?“

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Weil das Datum für sie eine besondere Bedeutung hat, halten Tolga (31) und Felix (30) an ihrem Hochzeitstermin am 20. März fest. Eine Hochzeit mit Hindernissen - durch die Corona-Krise.

Dortmund

, 20.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Einladungen für seine Hochzeit hat Tolga Batgi (31) alle selbst gebastelt. Rund 90 Stück, für jede Einladung brauchte er fünf bis sechs Minuten. Mehr als sieben Stunden Arbeit waren das insgesamt, danach waren die Gastgeschenke dran, danach die Tischdekoration.

Dass er bei seiner Hochzeit alles selbst macht, war ihm wichtig. „Ich wusste schon vor dem Antrag, dass zwischen Verlobung und Hochzeit mindestens zwei Jahre liegen müssen“, erklärt Felix Laggies (30), Tolgas Verlobter. „Damit ich alles vorbereiten kann“, erklärt Tolga begeistert.

Doch mittlerweile sind die Vorbereitungen abgeschlossen, die Einladungen lange verschickt und die Gastgeschenke verpackt. Am Samstag, 21. März, sollte es so weit sein, das war der Termin für die Hochzeitsfeier von Tolga und Felix.

Hochzeitsgäste wollen nicht nach NRW reisen

Vor einer Woche kamen die ersten Absagen. Verwandte von außerhalb folgten der Empfehlung von Jens Spahn und sagten ihre Reise nach NRW ab. Am Sonntag nahmen Tolga und sein Verlobter Felix (30) Kontakt zu den Betreibern der Bochumer Location auf, in der sie feiern wollten. Die Gästeliste war inzwischen von 90 auf 30 geschrumpft. Sie verschoben die Feier auf den Sommer.

Die Einladungskarten hat Bräutigam Tolga selbst gebastelt. Genauso wie die Gastgeschenke und die Tischdekoration.

Die Einladungskarten hat Bräutigam Tolga selbst gebastelt. Genauso wie die Gastgeschenke und die Tischdekoration. © Privat

Geblieben ist dem Paar die standesamtliche Trauung. Am Freitag, 20. März, geben der gebürtige Dortmunder Tolga und Bochumer Felix sich im Dortmunder Rathaus das Ja-Wort. Das Datum war Tolgas Wunsch für die Hochzeit. Der 20. März 2020 wäre der 50. Hochzeitstag seiner Eltern gewesen.

Also bleibt der Termin, allen Widrigkeiten des Coronavirus zum Trotz. Eigentlich sollten rund 30 Leute bei der Trauung dabei sein, 22 davon mussten sie ausladen. Die Stadt erlaubt als Reaktion auf die Pandemie aktuell nur zehn Personen im Trauzimmer - das Brautpaar mitgezählt.

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„Da fängt der Stress ja schon an“, erzählt Tolga. „Wen lässt man denn vor der Tür stehen?“ Getroffen hat es schließlich den Freund von Felix‘ Mutter. Er muss am Freitag vor dem Standesamt warten. „Weil er als letzter in die Familie gekommen ist“, scherzen die zwei.

Kein Sektempfang auf den Rathaustreppen

Auch einen großen Sektempfang auf den Rathaustreppen wird es nicht geben. Höchsten zwei, drei Freunde wollen am Freitag zum Gratulieren kommen. Weil Tolgas Vater 80 ist und damit zur Risikogruppe gehört, habe man versucht, die Hochzeitsgesellschaft am Freitag möglichst kleinzuhalten.

Egal: „Ich bin einfach happy, wenn das besondere Datum im Trauschein steht“, sagt Tolga. Ansonsten aber sei die große Hochzeits-Vorfreude dahin. Ohne die große Feier am Samstag fühle sich das Ganze eher bürokratisch als feierlich an.

Das Brautpaar Tolga (r.) und Felix bei der Hochzeit von Freunden. Am Freitag, 20. März, heiraten sie selbst - unter Corona-Auflagen.

Das Brautpaar Tolga (r.) und Felix bei der Hochzeit von Freunden. Am Freitag, 20. März, heiraten sie selbst - unter Corona-Auflagen. © Privat

Eigentlich war nach der Trauung ein kleines Essen in der Lokalmanufaktur, dem Restaurant im Rathausgebäude, geplant, dazu ein Glas Sekt. Doch auch das Restaurant hat geschlossen.

Spontan-Flitterwochen fallen aus

„So hatten wir uns das nicht vorgestellt“, erzählt das Paar enttäuscht. Anders vorgestellt haben sie sich auch ihre Flitterwochen. Eigentlich wollten sie sich am Sonntag ins Auto setzen und nach Paris fahren, ganz spontan, einfach so. „Jetzt können wir einmal um den Block fahren“, sagt Tolga. Er ist resigniert.

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In der Serie „Sex and the City“ feiert Charakter Charlotte auch in einer Folge ihre Hochzeit, die sich mehr und mehr als Katastrophe entpuppt.

„Je mehr bei der Hochzeit schiefgeht, desto länger hält die Ehe“, versichern ihre Freundinnen ihr daher. Es scheint, als hätten Tolga und Felix viele glückliche gemeinsame Jahre vor sich.

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