Hobbykünstler als Gefahr: Künstler-Gruppe fordert mehr Geld

dzArt Dortmund

Die Gruppe „Art Dortmund“ fordert mehr Geld für Berufskünstler. Massive Kritik übt sie an der Stadt, denn die Fördermittel gingen zu häufig an Hobbykünstler statt an Hauptberufliche.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 26.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Martina Wernicke ist stinksauer. Die hauptberuflich bildende Künstlerin hat deshalb im Zuge der Corona-Krise zusammen mit der Künstlervereinigung „Art Dortmund“ eine Forderung an die Politik gestellt. „Ab sofort 1000 Euro monatlich für hauptberuflich bildende Künstler als Soforthilfe“, hieß es da.

Diese Forderung war auch während einer Demo auf dem Hansaplatz zu lesen. Der Titel: „Die Kunst liegt am Boden.“ Wernicke und ihre Kollegen wollten mit der Aktion die Spitze eines Eisberges zeigen. Am unteren Ende dieses Eisberges gebe es in der Öffentlichkeit eine falsche Ausdifferenzierung zwischen Hobby- und Berufskünstlern. Und die mache professionellen Künstlern das Leben schwer.

Hobbykünstler seien „existenzbedrohend“ für Berufskünstler

„Menschen, die in den Ruhestand gegangen sind und nach einer neuen Freizeitbeschäftigung suchen, werden oft in der Malerei fündig“, sagt Wernicke. Das sei längst nicht so harmlos wie es klinge. Es handele sich um eine für Berufskünstler geradezu existenzbedrohende Tendenz.

An Stellen, wo etwa „der Hobbykünstler“ sich nur seine Zeit vertreiben wolle mit dem Anbieten eigener Malerei etwa in Arztpraxen oder Krankenhäusern, würden oft Fördergelder fließen, die bei professionellen Künstlern in Galerien dann fehlten.

Die Kriterien, unter denen solche städtischen Fördergelder flössen, seien zudem alles andere als transparent, so das Kollektiv Art Dortmund.

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Es fehle der Stadt Dortmund sowie der Öffentlichkeit schlicht die Klarheit in der Sprache. Es würden Gruppen aus Profis und Hobbyisten immer kollektiv als Künstler betitelt. Eine Vermischung, die große Auswirkungen auf den Beruf habe.

Im Rathaus sieht man das anders. „Von Seiten der Stadt ist man bestens befähigt, zwischen Laie und Profi zu unterscheiden, wenn es um die Verteilung von Fördergeldern für Künstler geht“, sagt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki auf Anfrage.

„Von Seiten der Stadt ist man bestens befähigt, zwischen Laie und Profi zu unterscheiden, wenn es um die Verteilung von Fördergeldern für Künstler geht.“
Katrin Pinetzki, Sprecherin der Stadt Dortmund

Die Stadt übernehme bundesweit eine Vorreiterrolle, wenn es um Förderungshonorare gehe. So erhielten seit 2020 Künstler, die in einer städtischen Galerie ausstellen, ein Honorar. Das läge je nach Zahl der Ausstellenden zwischen 100 und 1000 Euro pro Person.

Auch sei ein „Förderungsfonds Bildende Kunst“ eingerichtet, der Kunstprojekte sowie Ausstellungen in Produzentengalerien, also nicht-städtischen Galerien, unterstütze. Auf erfolgreich geprüften Antrag könnten diese dann auch profitieren.

Kriterien für Förderung seien „nebulös“

Für das „Ausstellungshonorar“ stünden Pinetzki zufolge in diesem Jahr 49.000 Euro zur Verfügung, für den „Förderfonds Bildende Kunst“ 35.000 Euro. Ein Blick in die Förderkriterien zeigt, dass die Stadt ab 2021 90.000 Euro zusätzlich pro Jahr für die Förderung einplant. In den Richtlinien heißt es auch: „Professionelle private Galerien sowie reine Atelier-Gemeinschaften, die ihre eigenen Werke präsentieren, sind nicht Zielgruppe der Förderung.“

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Martina Wernicke berichtet, Art Dortmund habe bisher keine Förderung oder sonstige Hilfen erhalten, auch wenn der Antrag bereits gestellt sei. Und auch die Kriterien für den neuen Förderfonds empfindet sie als nebulös. Es gäbe immer noch zu viele Möglichkeiten, als Gelegenheitskünstler Profit aus den städtischen Fördergeldern schlagen zu können.

Um eine gerechte Verteilung und damit eine angemessene Wertschätzung der professionellen Kunst zu erreichen, sei in der Zukunft eine Ausdifferenzierung und eine präzisere Wortwahl nötig. Man sei gerne dazu bereit, mit den beteiligten Stellen in den Dialog zu treten.

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