Hitze setzt Dortmunder Wochenmarkt zu – Kosten schnellen in die Höhe

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Die Hitze setzt dem Wochenmarkt in der City ganz schön zu. Nicht nur, dass Kunden wegbleiben. Für viele Händler macht das Extrem-Wetter den Betrieb der Stände erheblich teurer.

Dortmund

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Langsam drehen sich die Brathähnchen. Schnell fließt der Schweiß der Kunden. Mittendrin steht Julius Burkert und schneidet die Broiler von der Stange. Bei 35 Grad Außentemperatur wünscht sich niemand einen Grill im Rücken. Doch Burkert ist tapfer – und nimmt seine Situation mit Humor: „Im Winter beneiden mich alle um meinen Platz. Gegen den Sommer kann man jetzt wohl nichts tun. Mir macht meine Arbeit immer Spaß. So lange Kunden da sind, ist man beschäftigt und vergisst ganz, wie sehr man schwitzt.“

Hitze setzt Dortmunder Wochenmarkt zu – Kosten schnellen in die Höhe

In der Mittagshitze bleiben viele Wochenmarkt-Besucher lieber Zuhause. © Sylva Witzig

Leider kommen bei den extremen Temperaturen nur etwa halb so viele Kunden bei seinem Stand auf dem Wochenmarkt in der Dortmunder Innenstadt vorbei. „Denen, die kommen, bin ich wirklich dankbar. Ich persönlich würde bei dem Wetter auch nicht freiwillig rausgehen“, so der Fleischverkäufer. Wenn gerade Flaute ist, träumt er vom Feierabend - dann geht es ab ins Kühlhaus.

Gekühlt wird die Ware in der angrenzenden Fleischtheke auch. Allerdings schafft die Theke die angepeilten -5 Grad bei Weitem nicht. Heute beträgt die Temperatur 3 Grad plus. Damit das sensible Fleisch noch genießbar bei den Kunden ankommt, gibt es zum kleinen Preis eine Kühltasche dazu. Etliche Wurst- und Fleischverkäufer seien wegen der Kühlproblematik am Donnerstag nicht erschienen, so Marktsprecher Niels Schulte.

Hitze setzt Dortmunder Wochenmarkt zu – Kosten schnellen in die Höhe

Damit Fleisch und Wurst frisch bleiben, bietet der Stand Kühltaschen an. © Sylva Witzig

„Wir langweilen uns, wenn keiner kommt“

„Wir leiden. Nicht nur unter der Hitze, sondern auch unter Kundenschwund“ – Käseverkäuferin Tanja Bährend kann trotzdem noch lachen. Während die Kunden lieber Zuhause bleiben, steigert sich der Stromverbrauch ihres Standes um 30 bis 50 Prozent. Die Theke wurde an der Rückseite verschlossen, damit weniger kalte Luft entweicht. Deshalb wird an ihrem Stand geschwitzt. Damit ist sie nicht allein: „Jeder, wirklich jeder Kunde jammert über das Wetter!“ Deshalb bleiben viele potentielle Kunden direkt daheim.

„Uns ist furchtbar langweilig, wenn keine Kunden kommen. Vormittags geht es noch, aber ab 12 Uhr ist tote Hose“, klagt ihre Kollegin. Wegen des extremen Wetters wird der Wagen am Donnerstag nicht wie sonst in Brackel stehen - die Hälfte der Stände dort bliebe wahrscheinlich Zuhause, so Bährend. Käse kaufe bei dem Wetter kaum jemand. Beliebt seien Quark, Mozzarella und Ziegenkäse für den Salat. „Immerhin wird unser Käse bei dem Wetter nicht schlecht. Die Obstverkäufer haben es da schwerer. Denen schrumpelt das Obst in der Sonne weg“, erzählt Bährend.

Hitze setzt Dortmunder Wochenmarkt zu – Kosten schnellen in die Höhe

Tanja Bährend würde ihren Käse gerne verkaufen - bei den aktuellen Temperaturen greifen die Kunden aber eher zu Quark, Mozzarella und Ziegenkäse. © Sylva Witzig

Ab in den Kühlschrank mit dem Obst und Gemüse

Obst- und Gemüsehändler Schulte hat eine Lösung für das Problem: „Wir kaufen weniger ein. So hält sich der Verlust in Grenzen.“ Die Waren liegen bei ihm im Schatten. Gekühlt wird das Gemüse auf dem Markt nicht. Die Reste kommen aber nach dem Markt ins Kühlhaus. „Unsere Kunden sollten die Waren auch in den Kühlschrank stecken. Sonst werden sie schnell welk. Vor allem Salat ist gefährdet.“

Sein Stand ist am Mittwoch womöglich der bestbesuchte des Marktes. Bei den aktuellen Temperaturen greifen die Dortmunder eher zu einem frischen Salat als zum Käsebrötchen. Der könnte irgendwann knapp werden, prognostiziert Schulte: „Solche heißen Tage kommen wegen des Klimawandels nun öfter auf uns zu. Das beeinflusst natürlich auch die Ernte. Noch ist genug da, doch irgendwann wird durch die Trockenheit weniger wachsen – und damit das Obst teurer werden.“

Hitze setzt Dortmunder Wochenmarkt zu – Kosten schnellen in die Höhe

Am Obststand gibt es frische, pralle Früchte - auch in der prallen Sonne. © Sylva Witzig

Gabriele Jung hat mit ihrem Brot-Wagen einen schattigen Standplatz erwischt. Sie kann über das Wetter nicht klagen. „Die Kunden kommen trotzdem. Wir haben eine tolle Stammkundschaft hier, die sich auch in der Sonne nach draußen wagt. Besonders beliebt in der Hitze sind Streuselkuchen und Limettenstreifen - die sind bis mittags schon ausverkauft.“

Ihre Kuchentheke ist klimatisiert. Kalte Luft zieht über die Theke und um die Nasen der Kunden. Trotzdem müssen die auf Gebäck mit Schokolade verzichten „Die würde uns durch den Wagen fließen“, so die Verkäuferin.

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Gabriele Jung kann sich nicht beklagen - ihre Stammkunden kaufen bei jedem Wetter Brot und süßes Gebäck. © Sylva Witzig

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