Über 6000 Autos hat die Stadt 2018 abschleppen lassen. Wo lagen Dortmunds Abschlepp-Hotspots? Wir zeigen erstmals auf einer Karte, in welchen Straßen Falschparken am riskantesten ist.

Dortmund

, 15.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Hängt das Auto erst einmal am Haken des Abschleppwagens, ist der Ärger groß – und das Portemonnaie schnell leer: Zwischen 188 und 288 Euro kostet es in Dortmund, wenn das Ordnungsamt ein Fahrzeug abschleppen lässt, je nach Wochentag und Tageszeit. 6202 Mal kam das nach Angaben der Stadt alleine 2018 vor.

Doch wo in Dortmund ist es am riskantesten, sein Auto falsch zu parken? Wo ist es am wahrscheinlichsten, abgeschleppt zu werden? In der City innerhalb des Walls und in der umgebenden Innenstadt gibt es täglich Kontrollen. Klar also, dass Autofahrer hier auf der Hut sein müssen. Doch abseits dieser ungefähren Angaben waren genauere Informationen bisher schwer zu bekommen.

Nun hat unsere Redaktion die Orte aller Abschlepp-Aktionen ausgewertet, die das Ordnungsamt 2018 angewiesen hat. Dadurch ist es erstmals möglich zu sehen, in welchen Straßen in diesem Zeitraum besonders oft Autos abgeschleppt wurden.

Karte: Hier liegen Dortmunds Abschlepp-Hotspots

Je dunkler die Straße eingefärbt ist, desto mehr Autos wurden hier 2018 abgeschleppt. Sie können in die Karte hineinzoomen. Aufgrund der großen Datenmenge kann es passieren, dass es etwas dauert, bis die Karte vollständig lädt. Klicken Sie auf die eingefärbten Straßen für mehr Informationen.

Fast jedes zweite Auto ging in der City an den Haken

Was beim ersten Blick auffällt: Die Abschlepp-Aktivitäten des Ordnungsamts konzentrieren sich extrem auf die Straßen innerhalb des Walls. Knapp 2900 Autos wurden 2018 in der City abgeschleppt – das war fast jedes zweite abgeschleppte Auto in ganz Dortmund. Schon in den umliegenden Innenstadtquartieren sinken die Zahlen stark, in den Anwohnerparkzonen der südlichen Innenstadt etwas weniger als in der Nordstadt.

Große Teile von Dortmunds Außenbezirken bleiben auf der Abschlepp-Karte hingegen jungfräulich weiß. Abseits der Innenstadt kamen 2018 zwischen Lütgendortmund und Wickede, Brechten und Syburg lediglich etwas über 400 Autos von Amts wegen an den Haken. In den Stadtteilen sind lediglich drei Schwerpunkte auszumachen: Hörde/Phoenix-See, Hombruch und das nördliche Barop/Schönau, wobei der letztgenannte Bereich lediglich rund um Heimspiele des BVB im nahen Stadion zum Abschlepp-Hotspot wird.

Auf der Kleppingstraße herrscht Abschlepp-Alarmstufe Rot

Dortmunds mit Abstand gefährlichster Straße für Falschparker reichen 500 Meter Länge, um auf mehr abgeschleppte Autos zu kommen als alle Außenbezirke zusammen: Auf der Kleppingstraße ließ das Ordnungsamt 2018 rund 450 Autos abschleppen.

Das liegt laut Stadt vor allem an dem Standortvorteil, den die Kontrolleure dort haben. Das Ordnungsamt sitzt nämlich im benachbarten Stadthaus, so dass die Mitarbeiter die Kleppingstraße auf dem Weg in ihre eigentlichen Kontrollbereiche jedes Mal quasi nebenbei mitkontrollieren.

Darüber hinaus hat die Straße viele Sonderparkplätze – etwa für Elektroautos – und liefert mit ihren Ladezonen und ihrer Fußgängerzone auch sonst eine Fülle an Abschlepp-Gründen.

Hohe Abschleppzahlen haben also mehr mit der Höhe des Kontrolldrucks als mit dem der Schwere des Parkchaos‘ in den jeweiligen Straßen zu tun. So kam das oft hoffnungslos zugeparkte Kreuzviertel 2018 mit etwas über 200 abgeschleppten Autos noch nicht einmal auf die Hälfte der Kleppingstraßen-Zahlen.

Beschwerden von Bürgern nehmen zu

In den Top-Ten der Abschlepp-Hotspots 2018 finden sich neben erwartbaren Namen wie der Strobelallee (267 abgeschleppte Autos, großer Abschlepp-Keraus vor jedem BVB-Heimspiel) und der Silberstraße (213) mit ihrer Spielstraßen-Regelung vor der Thier-Galerie auch zwei überraschende Kandidaten: die Westerbleichstraße und der Königshof. Die beiden unscheinbaren Straßen in der Nordstadt sind so etwas wie die Beschwerde-Boulevards der Stadt: Weil dort Anwohner und Anlieger immer wieder Falschparker beim Ordnungsamt meldeten, wurden in beiden Straßen 2018 insgesamt 450 Autos abgeschleppt.

Generell verzeichnet das Ordnungsamt einen Anstieg an Beschwerden aus der Bürgerschaft, gerade in den Vororten: „Zurzeit gehen täglich etwa 60 Beschwerden bei der Verkehrsüberwachung ein“, schreibt das Ordnungsamt auf Anfrage. Es gebe aber auch Spitzen mit bis zu 100 Beschwerden pro Tag, etwa wenn das Park-Chaos vor den Freibädern an schönen Wochenenden überhand nimmt.

Verkehrsüberwachung wird aufgestockt

Die Erwartungshaltung, dass dann sofort eine „schnelle Eingreiftruppe“ losgeschickt wird, könne man nicht erfüllen, schreibt das Ordnungsamt weiter. Die Personaldecke der Verkehrsüberwachung ist mit 36 Stellen dünn, wegen Urlaub, Krankheit und andere Job-Vakanzen sind derzeit täglich lediglich jeweils 12 Außendienstler in 2 Schichten unterwegs.

Doch zumindest eine kleine Besserung ist in Sicht: Zuletzt gab die Stadt bekannt, dass die Verkehrsüberwachung um zwölf Stellen aufgestockt werde. Dann werden in Zukunft bestimmt auch mehr Autos in Dortmund abgeschleppt.

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