Helmut Kuttnicks 70-jährige Leidenschaft in schwarz-weiß

dz70 Jahre Schachverein

Seit 1949 spielt Helmut Kuttnick Schach. Das Jubiläum, das er nun feierte, ist ein sehr seltenes: 70 Jahre ist schon Mitglied im ältesten Dortmunder Schachverein von 1875.

von Alexandra Wachelau

19.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Jahr 1949 miterlebt zu haben, ist allein schon beachtenswert. Helmut Kuttnick war in dem Jahr 18 Jahre alt. Aber schon damals wusste er, was er in seinem Leben vor allem tun möchte: Schach spielen.

„Das habe ich schon oft gesagt: Ohne Schach wäre mein Leben sehr viel ärmer gewesen“, sagt Helmut Kuttnick. Im Februar ist der Rentner 88 Jahre alt geworden. Doch auch, wenn die Gesundheit hier und da nicht mehr so mitmacht, wie er möchte – Schach geht für den Rentner immer. „Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht Schach spiele“, sagt er. Hierfür benutzt er inzwischen ein Computerprogramm, das Kuttnick immer neue Partien ausrechnet.

Früher hatte er dafür Bücher. Im Wohnzimmer hat er damit eine ganze Regalwand befüllt. „Damit habe ich früher gelernt“, sagt der 88-Jährige.

In Nachkriegszeiten

Früher, das heißt 1949. In dem Jahr ist der damals 18-Jährige nicht nur dem Schachverein beigetreten. „Schach spielen konnte ich ja schon vorher“, sagt Kuttnick. Durch die Kinder-Landverschickung auf der Frischen Nehrung hat er mit 12 Jahren schon gespielt. Und auch nicht schlecht, wie sich einige Jahre später beim Vereinseintritt herausstellte. Im gleichen Jahr spielte er nämlich bereits gegen den russischen Großmeister Efim Bogoljubow – und gewann.

„Das war wirklich ein ganz Großer“, sagt Helmut Kuttnick. Die darauffolgenden Zeitungsberichte und Rückmeldungen seiner Vereinsmitglieder haben den jungen Kuttnick stark motiviert, noch besser zu werden. „Ein bis zwei Jahre habe ich dann intensiv Schach studiert“, sagt Kuttnick. Dadurch füllte sich auch seine Bibliothek. Wobei nichts besser lehrt als die Praxis.

57 Jahre, von 1955 bis 1973, war er in der ersten Mannschaft des Dortmunder Schachvereins. Das dürfte schon ein Rekord für sich und in anderen Sportarten nur schwer machbar sein. Doch 70 Jahre Mitgliedschaft im Schachverein setzten dieser Laufbahn noch die Krone auf.

Im Verein hat er auch gute Freunde gefunden. „Die Kollgen sagen schon immer: Ohne dich fehlt was“, sagt Kuttnick, der sich sichtlich über den Zuspruch im Verein freut. Anlässlich seines Jubiläum bot ihm der Verein eine angemessene Feier.

Inzwischen ist er in die zweite Liga abgestiegen – aus freien Stücken, nicht etwa, weil er zu schlecht geworden wäre. „Aber man merkt schon, dass die Gegner immer jünger werden“, sagt er. So ist er ganz zufrieden, in der zweiten Liga mehr Punkte sammeln zu können.

Noch immer siegreich

Noch in der letzten Saison, am 31. März, hat er seinen letzten Sieg im Mannschaftskampf nach Hause gebracht. Die Teilnahme an diesen Wettkämpfe ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Was ihn an dem Sport so reizt? „Es gibt ja drei Arten von Spielern: Kampf, Angriff und Verteidigung“, erklärt Kuttnick. Er selbst zählt sich zu den Liebhabern des Angriffs. „Das ist auch leichtsinnig. Aber ich finde es immer sehr spannend, meinen Gegner unter Druck zu setzen“, sagt er.

Seine Frau lächelt bei den Schilderungen ihres Mannes. „Er hat mir das vor unserer Hochzeit gesagt, dass er ja eigentlich schon mit der Göttin Caissa – der Göttin des Schachs – verheiratet ist“, sagt sie und lacht. Sie selbst spielt kein Schach, fährt aber bei Mannschaftskämpfen, soweit es geht, mit.

„Als ich 65 wurde und damit Rentner, da habe ich an der deutschen Seniorenmeisterschaft in ganz Deutschland teilgenommen. Elf Städte habe ich bereist“, erinnert sich Helmut Kuttnick. So hat er auch überregional Kontakte zu anderen Schachmeistern knüpfen können. „Es ist eigentlich eine große Schachfamilie in der Bundesrepublik“, sagt er.

Am liebsten möchte sich der 88-Jährige bis an sein Lebensende weiter seiner Leidenschaft widmen. „Es ist auch gut für das Gedächtnis im Alter“, sagt er, „auch, dass ich noch bei Gesprächen noch folgen kann.“ So hat er an seinem Jubiläum noch eine eigene Rede gehalten.

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