Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen © picture alliance/dpa
Corona-Pandemie

„Hektische Verzweiflungstat“: Dortmunds Politiker zweifeln an Brücken-Lockdown

Der Vorschlag von Armin Laschet, auf einen sogenannten Brücken-Lockdown zu setzen, sorgt unter Dortmunder Politikern für Kritik. Vielen ist unklar: Was steckt eigentlich hinter dem Vorstoß?

Ein Brücken-Lockdown soll das neue Mittel der Wahl im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus sein – zumindest, wenn es nach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet geht.

Für zwei bis drei Wochen, so Laschet, solle man das öffentliche Leben nochmal reduzieren, um die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 zu drücken. Wenn parallel weiter geimpft werde, könne man dann anschließend wieder über Lockerungen nachdenken.

„Ablenkungsmanöver für das Versagen?“

Über die Details dieses Konzepts herrscht aber in der Dortmunder Lokalpolitik noch Verwirrung. „Was genau Armin Laschet mit dem Brücken-Lockdown konkret meint, bleibt offen“, sagt beispielsweise Michael Kauch vom Kreisverband der FDP. „Hoffentlich ist er kein Ablenkungsmanöver für das Versagen der CDU-geführten Bundesregierung beim Impfen.“

Michael Kauch von der Dortmunder FDP will wissen, was genau hinter der Idee des Brücken-Lockdowns steckt.
Michael Kauch von der Dortmunder FDP will wissen, was genau hinter der Idee des Brücken-Lockdowns steckt. © Sascha Menge (Archiv) © Sascha Menge (Archiv)

„Aus meiner Sicht muss der Anreiz für umfangreiche Schnelltests erhalten bleiben, um Infektionsketten zu unterbrechen. Eine Komplettschließung des Einzelhandels würde diesen Anreiz beseitigen“, so Kauch.

„Wann soll denn die Brücke fertiggestellt sein?“

Auch Nadja Lüders, Landtagsabgeordnete der SPD, fordert, dass Laschet seine Idee vom Brücken-Lockdown konkretisiert. Und fragt weiter: „Bei der Impfquote liegt NRW auf dem vorletzten Platz aller Bundesländer. Wann soll denn dann die Brücke fertiggestellt sein?“

SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann hält ebenfalls nicht viel von Laschets Vorstoß. „Wir brauchen einen durchdachten Fahrplan, nicht ein Auf und Zu ohne begleitende Maßnahmen“, fordert sie.

Beispielsweise brauche es mehr Untersuchungen, in welchen Situationen große Infektionsherde entstehen. „Sonst verlieren wir den Rückhalt in der Bevölkerung und verpassen es, geschlossenen Branchen Öffnungsperspektiven zu ermöglichen.“

Die Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann verweist darauf, dass die Verwendung der Soforthilfe „vom Bund eindeutig kommuniziert“ wurde.
Die Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann verweist darauf, dass die Verwendung der Soforthilfe „vom Bund eindeutig kommuniziert“ wurde. © dpa © dpa

Kurth: Verzweiflungstat eines Ertrinkenden

„Wenn Deutschland eins nicht braucht, dann sind es unkoordinierte, unkonkrete Vorschläge, die erkennbar vorwiegend auf den Publikumseffekt abzielen“, kommentiert Markus Kurth, Bundestagsabgeordneter der Grünen, den Vorschlag und nennt den Brücken-Lockdown „hektische Verzweiflungstaten eines Kanzlerkandidaten-Kandidaten, der wie ein Ertrinkender nach jedem Gegenstand greift, der ein bisschen Auftrieb verspricht.“

„Wir brauchen endlich einen nationalen Pandemierat, der breit mit Vertreterinnen aus Parlamenten, Wissenschaft und Gesellschaft besetzt ist und öffentlich berät“, fordert er stattdessen.

Anfragen zum Thema an Lokalpolitiker von CDU und AfD wurden bis Redaktionsschluss dieses Textes nicht beantwortet.

Über die Autorin
Redakteurin
In Lippstadt aufgewachsen, zum Studieren nach Hessen ausgeflogen, seit 2018 zurück in der (erweiterten) Heimat bei den Ruhr Nachrichten.
Zur Autorenseite
Marie Ahlers

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.