Viele Dortmunder suchten am Donnerstag, dem heißesten Tag des Jahres, eine nasse Erfrischung am Kanal. © Beat Linde
Hitzewelle

Heißester Tag des Jahres: Dortmunder suchen den verbotenen Adrenalinkick

35 Grad im Schatten und ausverkaufte Freibäder - die Alternative, die viele Dortmunder nutzen, schwankt zwischen legaler Grauzone und eindeutigem Verbot.

Es ist eindeutig die Flucht vor der Hitze” und nicht die Lust auf Sonne, die Kevin (26) am Donnerstag (17.6.), dem heißesten Tag des Jahres, an den Kanal getrieben hat.

Gefühlte 39 Grad im Schatten meldete wetter.de. Wer seinen Arm aufmerksam beobachtet hat, konnte über zwei Nachmittagsstunden dabei zusehen, wie selbiger immer röter wird, trotz Sonnencreme.

Schwimmen wird trotz Verbots „geduldet“

Entsprechend groß war das Bedürfnis nach Erfrischung und entsprechend voll waren die Wiesen am Kanal. Die Polizei hatte zwar unlängst erklärt, es sei verboten im Kanal zu schwimmen – wer das allerdings nicht weiß, der könnte es an diesem Tag auch nicht vermuten.

Für Kevin (26) ist der Kanal der
Für Kevin (26) ist der Kanal der „coolste Spot in Dortmund, um mal ans Wasser zu kommen.“ © Beat Linde © Beat Linde

Strafbar machen sich die Schwimmer ohnehin nicht, denn wer Abstand zu Brücken, Häfen oder Schiffen hält, der wird von der Polizei “geduldet.”

Ebenso wie ein Schwimmverbot scheint hier allerdings auch Corona keine große Rolle zu spielen. Bei einem Spaziergang entlang des Kanaluferweges, kann man mehr Partys, Alkohol und laute Musik erleben, als die meisten Dortmunder wahrscheinlich in den letzten anderthalb Jahren erlebt haben.

Der verbotene Adrenalinkick von der Brücke

„Mal wieder das Leben genießen“, „entspannen“ oder „das Wetter genießen“ wollen viele, die dort liegen, sitzen oder schwimmen. Verdenken kann man ihnen den Sprung ins Nass nicht, denn bei diesen Temperaturen, hat das Wasser eine magische Anziehungskraft.

Andere nutzen hier allerdings auch die Anziehungskraft der Erde – für spektakuläre Sprünge von den Kanalbrücken. „Es ist schon der Adrenalinkick“, erklärt einer der Wagemutigen, warum er sich trotz Risiken traut.

Der 87-Jährige Herr Zbigniew sagt:
Der 87-jährige Herr Zbigniew kommt seit 40 Jahren an den Kanal. Für ihn ist er der perfekte Ort an heißen Tagen. © Beat Linde © Beat Linde

Etwas weiter weg von den Brücken, wo die Badegäste etwas älter und die Lautsprecher der Boxen kleiner, ist man von der Showeinlage weniger angetan: „Die machen das doch nur, um sich zu profilieren, die sind noch jung, die wollen nur die Aufmerksamkeit.“

“Der Kanal ist das Beste, was es an solchen Tagen gibt”

Wenn die Polizei die Sprünge beobachtet, können Bußgelder von bis zu 200 Euro fällig werden. Um unangenehme Begegnungen mit den Behörden zu vermeiden, achten umstehende Mitspringer deswegen darauf, dass die Luft rein ist und geben dann das Signal nach oben.

Einer der Besucher steht zwischen all dem Treiber sehr entspannt am Rand. Herr Zbigniew ist 87 Jahre alt und erzählt: „Seit 40 Jahren komme ich hier hin. Der Kanal ist das Beste, was es an solchen Tagen gibt.“

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