Harkortschule in Dortmund macht sich für gewaltfreies Lernen stark

dzSchulen in Hombruch

Ein Verein zeigt den Schülern der Harkortschule, wie sie Konflikte friedlich lösen können. Einschränkungen durch das Coronavirus begegnen die Pädagogen mit Kreativität – und Bambusstäben.

Hombruch

, 02.06.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Sportpädagoge Christian Rickens ist aktuell an der Harkort-Grundschule in Hombruch zu Gast. Vermittelt wurde er vom Verein „Gewaltfrei Lernen“ und soll den Schülern dabei helfen, Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen und Beleidigungen mit einem kühlen Kopf zu begegnen.

Aber auch vor seiner Arbeit macht das Coronavirus keinen Halt. „Durch die Vielzahl an Hinweisen, wie sie sich gerade bewegen sollen, sind viele Schüler verängstigt und angespannt“, sagt Sibylle Wanders. Vor 13 Jahren hat die Diplom-Sportlehrerin den Verein „Gewaltfrei Lernen“ gegründet und sich ein Konzept für Gewaltprävention an Schulen überlegt. Das Coronavirus war damals noch kein Thema.

Konflikte simulieren mit Bambusstäben

Wanders‘ Programm, das sie mittlerweile an ein Team von 20 selbstständigen Konflikttrainern weitergegeben hat, beschäftigt sich mit der ganzen Bandbreite schulischer Konfliktfelder.

„Dazu zählt Mobbing genauso wie Schlägereien oder Beleidigungen“, zählt die pädagogische Leiterin des Vereins auf. Doch wie spielt man eine körperliche Konfliktsituation nach, wenn die Kinder Abstand halten sollen? Auch dafür hat Wanders eine Lösung parat: „Aktuell haben wir hauchdünne Bambusstäbe im Einsatz, um den Kontakt zu simulieren.“

Jetzt lesen

Nach dem pädagogischen Konzept des gewaltfreien Lernens sollen die Schüler zunächst versuchen, den Konflikt mit Worten zu lösen. „Hör auf!“ „Lass mich in Ruhe!“ Wer das seinem Angreifer selbstbewusst ins Gesicht sagt, entkommt in vielen Fällen dem Schwitzkasten - ohne selbst Gewalt anwenden zu müssen.

Bevor das den Kindern der Harkortschule vermittelt wird, geht es aber um die schönen Seiten des Miteinanders. „Wir beginnen immer mit zwei schönen Bewegungsspielen für Freundschaft“, sagt Wanders.

Wie „Roboter im Raum“

Anfangs würden sich die Schüler dabei noch zaghaft wie „Roboter im Raum“ bewegen, beschreibt es Wanders. Im Verlauf der Einheit schütteln die Kinder die durch das Coronavirus ausgelöste Verunsicherung aber allmählich ab. „Die Schüler freuen sich einfach über die Bewegung“, erklärt Wanders. Praktischer Nebeneffekt: Die Kinder werden empfänglicher für die anschließenden Konfliktübungen.

Jetzt lesen

Damit der Zusammenhalt in einer Klasse auch nachhaltig gestärkt wird, arbeiten die Pädagogen von „Gewaltfrei Lernen“ eng mit den Lehrern zusammen. Für die gab es im Fall der Harkortschule bereits im Februar eine achtstündige Schulung.

„So können die Lehrer die Bewegungsspiele dann selbstständig fortführen“, sagt Wanders. Das sei auch notwendig, denn – und das ist eine traurige Gewissheit – auch an Grundschulen hat die Gewalt in den vergangenen Jahren zugenommen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt