Handwerk in Dortmund: Diese Branchen leiden besonders unter der Pandemie

dzKonjunkturumfrage

Die Corona-Pandemie hat spürbare Folgen fürs Handwerk. Die Herbstumfrage der Handwerkskammer Dortmund zeigt, dass nicht nur Kosmetik-Salons oder Caterer betroffen sind.

Dortmund

, 16.11.2020, 12:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Abgeschlossen. Alle Plätze leer. Nicole Handtke ist zum Nichtstun verdammt. Ihren Kosmetik-Salon an der Wißstraße in Dortmund darf sie erneut nicht öffnen. „Die Situation ist katastrophal. Wir mussten schon von März bis Ende Mai schließen - und jetzt wieder. Das ist hart“, sagt Nicole Handtke.

Mit ihrem Mann Alexander und Tochter Catharina bietet sie in dem Salon mit Namen NCD Esthetic Lounge von der Behandlung von Problemhaut (Akne) über onkologische Kosmetik bis hin zu dauerhafter Haarentfernung zahlreiche körpernahe Dienstleistungen an, wie das im Wirtschaftsdeutsch heißt.

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„Dieser Handwerksbereich ist in besonderem Umfang von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie betroffen“, stellt Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder fest.

Und viel Hoffnung auf schnelle Besserung mag er Nicole Handtke und ihrer Branche sowie auch den genauso leidenden Caterern nicht machen. „Auf Lockerung im November brauchen wir nicht hoffen, eher werden die Maßnahmen wohl noch in den Dezember hinein verlängert“, so Schröder.

Abschlagszahlungen kommen Ende November

Sollte es so kommen, geht es für Nicole Handtke und ihre Familie um die Existenz. „Wir haben zwar gut gewirtschaftet, aber dann wird es eng. Es muss unbedingt wieder losgehen. Wir haben ja hier in der City eine hohe Miete, die Kosten laufen weiter“, sagt sie.

Die Nachricht aus Berlin, dass vom Teil-Lockdown betroffene Unternehmen Ende November erste Abschlagszahlungen bekommen sollen, ist für sie nur ein kleiner Trost. „Wir haben uns erst 2019 selbstständig gemacht. Im November vergangenen Jahres lief der Salon noch nicht so. Heute erreichen wir den drei- bis vierfachen Umsatz. Da sind 75 Prozent des Vorjahresumsatzes lächerlich“, sagt Nicole Handtke.

Weil sie den Lockdown für ihren Betrieb auch wegen ihrer Hygienestandards nicht nachvollziehen kann, klagt sie auch gegen diese gesetzliche Anordnung.

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Während der IHK-Präsident Heinz-Hubert Dustmann ebenfalls die Verhältnismäßigkeit vieler derzeitiger Einschränkungen bezweifelt, will Handwerkskammer-Präsident Schröder angesichts der Infektionsdynamik den Teil-Lockdown nicht infrage stellen und ist froh, wenn das versprochene Geld nun fließt.

Der Erfolg der Hilfen hänge maßgeblich davon ab, dass die Gelder rasch in den Betrieben ankämen. „Die Abschläge allein werden jedoch nicht reichen. Darum muss der Bund alles dafür tun, das reguläre Auszahlungsverfahren ebenfalls voranzutreiben, damit die Auszahlung direkt im Anschluss – und möglichst noch in diesem Jahr – starten kann. Zahlreiche Existenzen hängen an diesen Mitteln“, so Schröder.

Gebäudereiniger und Industriezulieferer klagen

Dass er sich als oberster Handwerker in Dortmund nicht nur Sorgen um die Kosmetik-Branche machen muss, zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage seiner Kammer.

Sehr verhalten sei die Lage auch in den Handwerken für den Gewerblichen Bedarf, darunter Gebäudereiniger, Feinwerkmechaniker oder Zulieferer für Autohersteller, bei denen sich nachlassende Auftragseingänge aus der Industrie negativ bemerkbar machten.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, lobt in der Krise die Robustheit des Handwerks

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer, lobt in der Krise die Robustheit des Handwerks. „Die Arbeitsplätze im Handwerk sind auch in dieser Krise sicher“, sagt er. © (A) Schaper

„Da merken wir, dass eine erhebliche Delle eingetreten ist“, sagt Berthold Schröder. Insgesamt leide das Ruhr-Handwerk stärker als im Landesdurchschnitt und habe mit einem Rückgang der Auftragsreichweiten zu kämpfen, der bei den Industriezulieferern besonders ausgeprägt sei.

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Insgesamt haben 62 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk bisher wenigstens eines der staatlichen Unterstützungsangebote für sich genutzt. Fast jeder zweite Betrieb (44 Prozent) hat die Soforthilfe von Bund und Land in Anspruch genommen, 13 Prozent baten um Stundungen bei Forderungen vom Finanzamt, Sozialversicherungsträgern, Vermietern oder Auftraggebern, um ihre Liquidität kurzfristig zu sichern.

27 Prozent der Befragten haben zur Erhaltung von Arbeitsplätzen Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen beziehungsweise tun dies noch immer.

Keinen Gebrauch von Soforthilfen oder Krediterleichterungen dürften die Betriebe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes gemacht haben. „Diese sind von der Krise so gut wie nicht betroffen. Weil Wohnungen fehlen und viel gebaut wird, schieben die Betriebe hier auch noch große Auftragsbestände vor sich her“, so Berthold Schröder.

Bauhandwerker fürchtet Auswirkungen der zweiten Welle

Nachdenkliche Stimmen gibt es allerdings jetzt auch aus dieser Branche. Udo Fischer, ein Hammer Unternehmer aus dem Bereich Sanitär und Heizung, stellt im Rahmen einer Video-Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Herbstumfrage fest: „Unsere Mitarbeiter sagten uns bisher, dass sie froh seien, im Bau-Handwerk beschäftigt zu sein“, da sie im Bekanntenkreis viel von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit aufgrund dieser Pandemie gehört hätten.

„Jetzt glaube ich aber, dass die zweite Welle auch für uns negative Folgen haben wird – wenngleich verzögert. Ich gehe davon aus, dass sich die anfängliche Bereitschaft, in Eigentum und Wohnumfeld zu investieren, nun mit der andauernden Pandemie in eine Vorsichts- und Abwartungshaltung wandelt.“

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Dass Arbeitsplätze in Gefahr geraten, glaubt Kammer-Präsident Schröder allerdings nicht. „Wir haben eine stabile Beschäftigungsstruktur. Die Arbeitsplätze im Handwerk sind auch in der Krise sicher“, sagt er.

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