Hans-Peter Podszuk vor der Firmenzentrale an der Speicherstraße 1. Das Grundstück soll ausgeschrieben werden. © Gregor Beushausen
Speicherstraße

Hafen-Umbau: Familienbetrieb muss um seinen Unternehmenssitz kämpfen

Zahlreiche Um- und Neubauprojekte sollen die Speicherstraße am Hafen in ein modernes, hippes Quartier verwandeln. Für ein lange ansässiges Familienunternehmen steht die Zukunft dort in Frage.

Hans-Peter Podszuk (70) kann den Plänen zur Umgestaltung der südlichen Speicherstraße am Stadthafen einiges abgewinnen. Zumindest generell. Das Quartier steht an der Schwelle zur Zukunft. Es soll zur ersten Adresse vor allem für Gründer und junge Digital-Firmen werden.

Sichtbarer Vorbote der Entwicklung ist das „Leuchtturm“ genannte Bürogebäude, das nahe der Hafenbrücke am Anleger der Santa Monika wächst. Weitere Projekte wie etwa der „Gründungs- und Innovationscampus“ (Speicherstraße 10 bis 20), der Lensing-Media-Port (Speicherstraße 2/2a) und der Bau der Akademie für Digitalität und Theater (Speicherstraße 19) sind in Vorbereitung.

Doch wieviel Raum bleibt inmitten von Bits und Bytes einem eher herkömmlichen Famlilienbetrieb, wie ihn Podszuk mit seinen beiden Söhnen und der Tochter führt?

Stadt will Grundstück verkaufen

Seit rund 30 Jahren sitzt das Unternehmen „Pro Büro & Kopier GmbH“ im Gebäude an der Speicherstraße 1. Ebenso wie die anderen Grundstücke will die Stadt auch dieses verkaufen. Das Grundstück soll im Rahmen einer Ausschreibung auf den Markt kommen und anschließend an einen Entwickler/Investor weitergereicht werden, wie Planungsdezernent Ludger Wilde 2020 ankündigte.

Zwar ist die Ausschreibung noch nicht gestartet. Aber natürlich macht sich Familie Podszuk seit geraumer Zeit Gedanken, was auf ihren Betrieb zukommen könnte. „Wir würden gerne am Hafen bleiben“, sagt Hans-Peter Podszuk. „Der Standort hat viele Vorteile.“

Die „Pro Büro & Kopier GmbH“ beliefert Schulen, Firmen und Einzelkunden mit Büchern und Büromaterial. Zur Zentrale an der Speicherstraße gehören nach Angaben von Podszuk 30 Verkaufsläden in Dortmund und Umgebung, darunter das Geschäft „Stift und Feder“ in der Brauhausstraße. Alles in allem komme der Familienbetrieb auf „rund 200 Mitarbeiter“ und acht Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

Familienbetrieb nimmt den Kampf an

Kampflos will die Familie ihren Unternehmenssitz am Hafen nicht hergeben: „Wir werden uns an der Ausschreibung beteiligen“, sagt Podszuk. Welche Chancen der Familienbetrieb hat, sich gegen möglicherweise große und finanziell gut bestückte Mitbewerber durchzusetzen, ist völlig offen. Einen „Plan B“ gebe es nicht. „Wir haben zurzeit keinen vergleichbaren Standort.“

Er baut darauf, „dass die Stadt weiß, was sie an uns hat.“ Das Unternehmen stelle spätere Arbeitsplätze nicht nur in Aussicht. „Wir haben sie bereits, und wir erwirtschaften Umsatz-, Lohn- und Gewerbesteuer“, sagt Podszuk.

Die an der Wasserseite liegenden Immobilien in der Speicherstraße werden Zug um Zug umgebaut. Rechts wächst das Bürogebäude des Dortmunder Entwicklers “apodo”. © Gregor Beushausen © Gregor Beushausen

Details, mit welchen Plänen der Familienbetrieb bei der Ausschreibung überzeugen will, verrät Podszuk noch nicht. Nur so viel: Man könne das Gebäude modernisieren und Räume für eine Büronutzung Dritter freiziehen. Denkbar sei zudem, die historische Fassade neu aufleben zu lassen.

Pachtvertrag läuft Ende 2023 aus

Das Gebäude stamme von 1906 und sei lange Jahre Sitz eines Lebensmittelgroßhandels gewesen. Inzwischen ist es von der „Pro Büro & Kopier GmbH“ übernommen worden. Beim Grundstück sieht das etwas anders aus: Grund und Boden gehören der Stadt.

Die verfolgt mittlerweile ein neues Konzept: Statt ihre Flächen wie in den vergangenen Jahrzehnten langfristig zu verpachten, sollen sie nun verkauft werden. Was bei Investoren offenbar deutlich besser ankommt.

Der Pachtvertrag des Famlienbetriebs läuft Ende 2023 aus. Eine erste, grobe Konzept-Idee musste Podszuk bereits fallenlassen: Er hätte sich gut vorstellen können, Teile seiner Räumlichkeiten in eine Miniatur-Eisenbahnlandschaft zu verwandeln. Ähnlich dem „Miniatur Wunderland“ in der Hamburger Speicherstadt, wenn auch in deutlich kleinerem Ausmaß. Nach einem ersten Vorfühlen bei der Stadt lässt er nun lieber die Finger davon.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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