Beschweren will sich RN-Redakteur Bastian Pietsch sicher nicht über die vergünstigten Masken. Allerdings kommen die Berechtigungsscheine doch eher überraschend. © Bastian Pietsch
Coronavirus

Günstigere FFP2-Masken für 29-Jährigen – Ist da etwas schief gelaufen?

Anscheinend bin ich Corona-Risikopatient. Diese Vermutung drängt sich zumindest auf, nachdem ich einen Berechtigungsschein für günstigere FFP2-Masken bekommen habe. Warum nur?

Eins habe ich über diese Pandemie mittlerweile gelernt: Der eigenen Einschätzung, ob man nun infiziert oder nicht infiziert, gefährdet oder nicht gefährdet ist, kann man nicht immer trauen. Dass ich kürzlich in meinem Postkasten einen Brief der Bundesregierung fand, der mich als anspruchsberechtigte Person für günstigere FFP2-Masken ausweist, hat mich allerdings gewundert.

Ich bin 29 Jahre alt und habe – gottseidank – zumindest keine mir bekannten Vorerkrankungen, die mich zur Corona-Risikogruppe machen würden. Wie komme ich also in das Vergnügen, zweimal sechs FFP2-Masken für je 2 Euro kaufen zu dürfen? Und muss für mich jemand anderes verzichten?

Krankenkasse weiß Antworten

Die Krankenkassen verschicken die Scheine als Dienstleister im Auftrag der Bundesregierung. Zumindest eine Sorge kann mir meine Krankenkasse, die Techniker, schnell nehmen.

Harald Netz, Sprecher der TK, schreibt auf meine Anfrage: „Niemand, der Anspruch auf FFP2- oder vergleichbare Masken hat, muss auf seine Coupons verzichten.“ Ich nehme also zumindest schon mal niemandem was weg.

Weiterhin erklärt er, wer die Scheine bekomme, sei bundeseinheitlich per Verordnung geregelt. Zunächst seien Personen ab 75 ausgestattet worden, dann Personen ab 70 und mit bestimmten Erkrankungen, dann kämen Personen ab 60. Bei mir muss es also um Vorerkrankungen gehen.

Über 1000 Einzeldiagnosen

Wie weit diese gefasst sein können, erfahre ich im Zuge meiner weiteren Recherche von Jens Kuschel, Sprecher der AOK Nordwest. Dieser erklärt mir, dass die Scheine basierend auf Abrechnungsdaten von behandelnden Ärzten verschickt werden. Relevant seien die Daten vom 01.07.2019 bis zum 30.06.2020.

Welcher Eintrag in der Datenbank meiner Krankenkasse, der TK, mich nun genau zur Vergünstigung berechtigt, weiß ich nicht. Jens Kuschel von der AOK erklärt, dass sich hinter den gesetzlich genannten Kriterien rund 1000 Einzeldiagnosen verbergen. So habe die AOK Nordwest an 1,2 Millionen Versicherte (von 2,9 Millionen) Scheine versendet, also an rund 40 Prozent.

Gut möglich also, dass etwas, was ich gar nicht als Risiko wahrnehme, mich laut Verordnung zur Vergünstigung berechtigt.

Rund 2 Millionen Briefe

Es könne auch sein, dass in Einzelfällen junge Menschen Briefe erhalten hätten, die diese nicht hätten bekommen sollen, räumt Harald Netz von der Techniker Krankenkasse noch ein. Aber er betont noch mal: „Es wurden eher zu viel als zu wenig Scheine verschickt.“ Es kommt also keiner zu kurz. Bis Freitag (29.1.) seien es bei der TK rund 2 Millionen Briefe gewesen.

Einlösen dürfte ich die Scheine in jedem Fall. „Die Masken dürfen Sie dann auch gern an Personen weitergeben, die sie dringender benötigen.“ So werde ich es machen.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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