Umweltplakette nicht lesbar - Rentnerin sieht Strafe als Abzocke

dzVerkehr

Wann haben Sie das letzte Mal einen Blick auf die Umweltplakette Ihres Autos geworfen? Christel Wroblewski (73) hat das nicht getan. Und musste teuer dafür bezahlen.

Dortmund

, 21.07.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christel Wroblewski meint, dass es ein Hinweiszettel des Ordnungsamtes auch getan hätte. Stattdessen erhielt sie Anfang Juni einen Bußgeldbescheid über 68,50 Euro vom Ordnungsamt. Begründung: Die Umweltplakette auf ihrem Auto sei nicht mehr einwandfrei lesbar.

Die Ordnungswidrigkeit wurde von den Service- und Präsenzdiensten des Ordnungsamtes festgestellt, bestätigt Stadtsprecher Maximilian Löchter: „Es handelt sich um einen direkten Bußgeldtatbestand, welcher nach dem bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog normalerweise mit 80 Euro geahndet wird. Die Bußgeldstelle hat in diesem Fall jedoch die Geldbuße halbiert, weil die Umweltplakette grundsätzlich vorhanden, aber das Kennzeichen eben nicht mehr lesbar war.“ Gegen Christel Wroblewski seit deshalb ein Bescheid mit einer Geldbuße von 40 Euro zuzüglich einer Verwaltungsgebühr von 28,50 Euro erlassen worden.

Lichtechter Spezialstift

Ihr Auto hat sie vor sechs Jahren beim Autohaus Gerth in Aplerbeck gekauft. Dort verwende man einen lichtechten Spezialstift, damit die Autonummer auf der Umweltplakette nicht verblasst, hieß es auf Anfrage der Redaktion. Warum dies trotzdem geschehen sei, könne man nicht mehr nachvollziehen.

Wenn die Stadt das Kennzeichen auf der Umweltplakette handschriftlich eintrage, sagt auch Maximilian Löchter, werde ein schwarzer Permanentmarker verwendet.

Ein einfacher Kugelschreiber oder Filzstift dagegen sowie regelmäßige Sonneneinstrahlung lassen die Nummer auf der Plakette verblassen. In dem Fall muss die Umweltplakette aus eigenem Interesse zwingend erneuert werden, wenn man nicht die gleiche leidvolle Erfahrung wie Christel Wroblewski machen will.

„Wird mit zweierlei Maß gemessen?“

Für die 73-Jährige bleibt die Sache ärgerlich. Zumal erst am 19. Juni das Dortmunder Amtsgericht ein Bußgeldverfahren gegen einen Autofahrer aus Hessen eingestellt hatte. Der Mann war ohne Umweltplakette auf der B1 in Höhe der Lübkestraße gefahren und von der Polizei fotografiert worden. Er kam vor Gericht mit einem blauen Auge davon, weil sein Corsa grundsätzlich hätte auf der B1 fahren dürfen und er zwischenzeitlich eine gültige Umweltplakette von innen an seine Windschutzscheibe geklebt hatte.

„Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?“, fragt sich Christel Wroblewski. Sie musste zahlen, will aber andere warnen, die Umweltplakette stets im Blick zu haben.

Lesen Sie jetzt