Wie hier in diesem Bekleidungsgeschäft gilt: freier Eintritt nur mit negativem Testergebnis. © Johannes Bauer
„Test, Click & Meet“

Große Verunsicherung am ersten Shopping-Tag mit Schnelltest in Dortmund

In Dortmund darf man mit dem „Click & Meet“-System in den Läden der Innenstadt nach wie vor einkaufen. Dafür braucht man aber jetzt einen negativen Corona-Test. Funktioniert das? Ein Selbstversuch.

Der Selbstversuch beginnt am Ostenhellweg direkt mit einer Überraschung. Denn während ich zwischen riesigen Gefäßen mit Flüssigkeiten in erdigen Farben stehe, frage ich mich schon: Warum hat mich eigentlich niemand aufgehalten, als ich gerade durch die Tür gegangen bin? Einen negativen Corona-Test kann ich schließlich nicht vorweisen.

Simone Erpelding weiß es. „Als Lebensmittel-Laden sind wir von der neuen Regelung ja nicht betroffen“, erklärt mir die Chefin vom „Zapfhahn“, einem Laden, der sich auf Essig und Öle spezialisiert hat. Das heißt: Hier sind nach wie vor alle Kunden willkommen – ob mit oder ohne negativen Corona-Test.

In der Dortmunder City ist das die Ausnahme. Seit Montag (29.3.) braucht man in den meisten Läden nämlich nicht nur einen Termin, sondern auch einen Nachweis über einen negativen PCR- oder Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, um einen Laden überhaupt betreten zu dürfen. Also „Test, Click & Meet“.

Verkäuferin sieht in Test große Hürde für die Kunden

„Ich denke, dass das für die Kunden schon eine große Hürde ist“, sagt Ölbaronin Erpelding. Sie ahnt gar nicht, wie sehr sie damit den Ton für die kommenden Stunden setzt.

Zunächst dämmert mir aber, wie lange ich nicht mehr in der Innenstadt einkaufen war. „McPaper“ und der „Euro-Shop“ waren zwar nie meine erste Anlaufstellen. Bei den Fassaden der Nachbarläden nur in mein unbeleuchtetes Spiegelbild blicken zu können, versetzt mir dann aber doch einen Stich.

Martin Krebs von „Manga-Mafia“ ist auf eine Ausnahmeregelung gestoßen. © Johannes Bauer © Johannes Bauer

Immerhin: Beim erst am vergangenen Samstag eröffneten Manga- und Cosplay-Laden „Manga-Mafia“ regt sich was. Japanische Popmusik plätschert am rot-weißen Flatterband am Eingang vorbei und hinaus ins Freie.

Martin Krebs aus dem „Manga-Mafia“-Team hat sich besonders um die junge Zielgruppe bemüht. „Wir haben uns extra beim Landesamt in Düsseldorf erkundigt: Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren dürfen nach wie vor ohne Test bei uns einkaufen.“ Gebucht sind aktuell trotzdem nur drei Termine.

Kaum jemand mit Überblick

Denn: Fast niemand kennt die Ausnahmeregelung. Überhaupt scheint nach dem Regelchaos der vergangenen Tage und Wochen niemand mehr so recht den Überblick zu haben. Bei „TK Maxx“ will eine junge Frau mit OP-Maske „nur kurz was umtauschen“, aber das geht natürlich auch nicht.

Mit einem roten Band, das an das Leitsystem eines Flughafens erinnert, haben die Mitarbeiter hier einen 30 Meter langen Zugang zum Laden abgesteckt. Wer sich hier anstellt, wisse oft aber nicht, dass er nur mit einem negativen Testergebnis reinkommen darf, erklärt ein Mitarbeiter.

Absperrung erinnert an Flughafen

Mit seinem Klemmbrett in der Hand wirkt er mehr wie ein Türsteher, der seine Gästeliste im Blick hat. So viele Leute, wie er heute abweisen musste, ist seine Tür heute sogar härter als die der meisten Diskos.

Der Mittag geht schon langsam in den Nachmittag über und bei „TK Maxx“ durften bisher erst 20 Leute in den Laden. Gegenüber bei „Zeemann“ sind es sogar nur sechs, wo es zu dieser Uhrzeit sonst schon über 100 wären, wie eine Mitarbeiterin erklärt; bei „Weingarten“ gerade mal zwei.

Trotzdem hat das Bekleidungsgeschäft für große Größen geöffnet – ganz im Gegensatz zur „C&A“-Filiale gegenüber. „Die machen es richtig, die haben gleich ganz zu“, sagt Verkäufer Frank Krolzig und nickt zustimmend.

„Die machen es richtig“

Ein paar Läden weiter wartet in einem kleinen Bekleidungsgeschäft die nächste Überraschung auf mich. Richtig gelesen, im Geschäft und nicht davor. Der Verkäufer passt mich nämlich nicht wie seine Kollegen am Eingang ab. Dort liegt nur eine Liste zum Eintragen zwecks Kontaktverfolgung aus.

Stattdessen wartet der Mann an der Kasse auf Kundschaft. Ein Problem, dass ich nach wie vor keinen negativen Corona-Test habe? „Okay, dann schau‘ dich nur mal schnell um“, meint er verschwörerisch. „Ordnungsamt“, höre ich ihn noch murmeln, dann wird es mir zu unheimlich und ich gehe von selbst.

Terminknappheit bei Schnelltests

Auf dem Weg nach draußen bekomme ich zu seiner Ehrenrettung immerhin mit, wie er den nächsten Kunden direkt abweist, der kein negatives Testergebnis hat. Für einen Schnelltest solle er zum Konzerthaus gehen.

Gute Idee. Doch bevor ich dort bin, sehe ich online, dass man sich für die Schnelltests natürlich auch anmelden muss. Freie Termine gibt es am Konzerthaus erst am nächsten Tag wieder.

Seit Montag (29.3.) darf man in Dortmund nur noch mit negativem Testergebnis in viele Geschäfte. Doch die Test-Möglichkeiten in der City sind begrenzt.
Seit Montag (29.3.) darf man in Dortmund nur noch mit negativem Testergebnis in viele Geschäfte. Doch die Test-Möglichkeiten in der City sind begrenzt. © Johannes Bauer © Johannes Bauer

Weil ich bei meiner kleinen Shoppingrunde ein wenig die Zeit vergessen habe – mittlerweile ist es schon 15 Uhr – sind die Kapazitäten in der anderen Hauptanlaufstelle für Schnelltests, einem eigens dafür eingerichteten Testzentrum der Apostar-Apotheke, ebenfalls erschöpft.

Ein Schnelltest pro Woche kostenlos

Der nächste freie Termin: Dienstag, 6. April. Doch immer wieder nachzuschauen, könne sich lohnen, sagt die stellvertretende Apothekenleiterin Randa Omariko: „Es werden immer wieder Termine abgesagt.“

Ein Schnelltest pro Woche ist für jeden Dortmunder kostenlos. Gerade jetzt, am Ende des Monats dürfte das vielen Leuten entgegenkommen. „Deshalb sind heute so wenig unterwegs“, behauptet Christiane Geißler, Store-Managerin der „Brands-up“-Filiale am Westenhellweg.

Da gehe ich zwar nicht ganz mit, Unkenntnis über die neue Regelung und ausgelastete Testkapazitäten spielen schon eine gewichtige Rolle. Eine andere Beobachtung von ihr kann ich nach vier Stunden Shopping-Tour aber nur dick unterstreichen: Die Leute sind verunsichert.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren in Ulm, aufgewachsen im Allgäu, angekommen im Ruhrgebiet schreibe ich über alles, was die Menschen in Dortmund und Umgebung umtreibt.
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