Was soll in der Spritze sein? Der Impfstoff gegen Influenza oder gegen Covid-19? Es gibt klare Richtlinien. © dpa
Ärzte-Rat

Grippe und Corona: Kann ich mich gegen beides gleichzeitig impfen lassen?

Die Grippe kann lebensbedrohlich werden, das Coronavirus auch. Sollte man sich gegen beides impfen lassen? Geht das gleichzeitig? Ein Arzt aus Dortmund gibt Antworten.

Mangel gab es bei beiden Impfstoffen: Der gegen Grippe war im November nicht mehr zu bekommen – also genau zu der Zeit, in der normalerweise viele Patienten in die Arztpraxen kommen, um sich den Schutz verabreichen zu lassen. Beim Impfstoff gegen Corona kommt es weiterhin zu Engpässen.

Auch die Leiterin des Dortmunder Krisenstabs, Birgit Zoerner, hatte zuletzt unterstrichen: Dass man noch nicht weiter sei, liege an den schleppenden Lieferungen, nicht an der Leistungsfähigkeit des Impfzentrums.

Ist es sinnvoll, sich jetzt noch gegen Grippe impfen zu lassen? Geht das überhaupt? Und gibt es Wechselwirkungen mit der Corona-Impfung?

„Ältere sollten sich gegen Grippe impfen lassen“

Beide Impfungen – gegen Grippe wie gegen Corona – hätten ihre Berechtigung, unterstreicht Dr. Prosper Rodewyk, der Leiter der Bezirksstelle Dortmund der Kassenärztlichen Vereinigung. Eine größere Grippewelle bleibe im Winter 2021 zwar aus – als Folge der Anti-Corona-Maßnahmen, die eben auch eine Ausbreitung von Influenza-Viren vermeiden: Abstände, Masken, geschlossene Geschäfte und Schulen.

Das ändere aber nichts daran, dass eine Grippe beim einzelnen schwere Folgen haben könne, mitunter auch lebensgefährliche. „Gerade die ältere Bevölkerung sollte sich immer gegen Grippe impfen lassen“, unterstreicht Rodewyk.

Dr. Prosper Rodewyk ist Leiter der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund. © KVWL © KVWL

Das betreffe zum einen Menschen über 70, zum anderen weitere Risikopatienten. Wer älter als 80 sei, müsse aber gut abwägen. Der Grund, so Rodewyk: „Sie brauchen zehn Tage zwischen einer Grippe-Impfung und einer Covid-Impfung.“

Impftermine beginnen bald

Ausschlaggebend sei der Stoff gegen Corona. Der darf nicht zeitgleich mit anderen Impfstoffen verabreicht werden, also auch nicht mit Spritzen gegen beispielsweise Tetanus oder Diphterie.

Für Menschen ab 80 Jahren, die zuhause wohnen, beginnen aber schon bald die Corona-Impftermine. Man sei gut im Zeitplan, so Impfzentrums-Leiter Dr. Reinhard Büker. Das Impfen in Senioreneinrichtungen könne man bis Ende Januar geschafft haben. Dann gehe es auf Phoenix-West richtig los.

Das bedeutet aber auch: Wer noch keine 80 ist oder zu einer der Gruppen gehört, die direkt eine Covid-Impfung bekommen – Krankenhauspersonal, Rettungsdienst, Mitarbeitern in Seniorenheimen – hat noch genügend Zeit, die Grippe-Impfung zu erledigen.

Grippe-Reserven wurden freigegeben

Dass überhaupt noch genügend Impfstoff da sei, liege daran, so Prosper Rodewyk, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Dezember die Reserven freigegeben habe, die das Land sonst sicherheitshalber zunächst zurückhält. Denn rasch nachproduziert werden kann der Grippe-Impfstoff nicht. Die Produktion dauert mehrere Monate.

Die Folge der großen Nachlieferung: „Wir haben mehr, als wir zurzeit verimpfen können“, erläutert Rodewyk. Wahrscheinlich werde ein Großteil sogar schlecht. Denn die Dosen sind nur bis zum Sommer haltbar, also für die nächste Grippesaison ab Herbst 2021 nicht mehr einsetzbar.

Apotheker haben das wirtschaftliche Risiko

Die Hausärzte haben dadurch keine finanziellen Nachteile, die Apotheker schon, wie Gisela Ausbüttel erklärt: „Wir bestellen immer mehr Impfstoff, als nach den Vorbestellungen erforderlich wäre.“ In den Vorjahren hätte die Menge schließlich nie ausgereicht.

Im Winter 2020/21 sei es nun umgekehrt gewesen: „Zunächst war kein Impfstoff lieferbar, die Nachfrage aber immens. Als genügend Impfstoff vorhanden war, riss die Nachfrage abrupt ab.“ Allein in ihrem Lager seien noch rund 500 Dosen vorrätig.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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