Rauchschwaden dringen im Juni aus einem Keller in Marten. Der Brand in einem Mehrfamilienhaus gehört zu einer Serie von zehn vergleichbaren Feuern im Dortmunder Westen in den vergangenen drei Monaten. © Helmut Kaczmarek (Archivbild)
Statistik

Gibt es in Dortmund dieses Jahr eine Häufung an Brandstiftungen?

In Dortmunds Westen brannten in der letzten Zeit reihenweise Keller, in der südlichen Innenstadt Autos. Häufen sich die Fälle von Brandstiftung in Dortmund? Ein Blick in die Polizeistatistik.

In Kirchlinde brannte am Donnerstag (9.7.) der zehnte Keller in drei Monaten im Dortmunder Westen. In der südlichen Innenstadt gingen im gleichen Zeitraum elf Autos in Flammen auf – verteilt über Union-, Kreuz- und Saarlandstraßenviertel, zuletzt gleich zweimal im Bereich der Kronenstraße im Mai und Juni.

In allen Fällen ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Bei den Kellerbränden hält sie es mittlerweile für möglich, dass ein Feuerteufel für alle Brände verantwortlich ist, gleiches gilt für die Autobrände. Tatverdächtige hat sie bisher in keinem der Fälle identifiziert.

Die beiden Brandserien werfen die Frage auf: Werden dieses Jahr bedeutend mehr Brandstiftungen verübt als sonst?

Wirft man einen Blick auf die Statistik der Polizei für das erste Halbjahr 2020 und vergleicht es mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs, lautet die Antwort auf den ersten Blick eindeutig: Ja.

Nach Angaben der Polizei gab es vom 1. Januar bis zum 30. Juni insgesamt 38 Fälle, bei denen Brandstiftung oder zumindest die fahrlässige Variante „Herbeiführen einer Brandgefahr“ vorlag. Das ist ein Anstieg von fast 60 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2019.

Schaut man sich jedoch eine längere Zeitspanne an, ergibt sich ein anderes Bild. Vergleicht man die jeweils ersten sechs Monate der vergangenen zehn Jahre miteinander, liegt 2020 im unspektakulären Mittelfeld: Mit Abstand die meisten Brandstiftungen in einem ersten Halbjahr gab es 2016 (51), am seltensten wurden 2015 und 2019 vorsätzlich oder fahrlässig Feuer verursacht (jeweils 24).

Durchschnittlich brannte es in der ersten Jahreshälften der vergangenen zehn Jahre 38,3 Mal – somit liegt 2020 sogar leicht unter dem Schnitt.

Nun könnte man argumentieren, dass es gleich mehrere Brandstiftungen aus den ersten Juli-Tagen knapp nicht in die Statistik geschafft haben. Neben zwei der Kellerbrände im Westen (Westerfilde am 3. Juli und besagter Brand in Kirchlinde am 9. Juli) fehlt auch ein kurioser Fall aus dem Grenzgebiet von Nordstadt und Unionviertel.

Dort setzte ein 28-Jähriger in der Nacht von 7. auf den 8. Juli zwei Lkw in Brand. Nachdem er bei dem ersten Brand an der Westfaliastraße noch unerkannt geblieben war und sogar beim Löschen der Flammen geholfen hatte, fand eine Polizeistreife nach dem zweiten Feuer eine Stunde später an der Heinrich-August-Schulte-Straße Grillanzünder bei ihm. Er wurde festgenommen.

Doch auch mit diesen Fällen würde es im Zehn-Jahres-Vergleich nur für Rang vier bei den meisten Brandstiftungen reichen. Zumal auch in den anderen Jahren Anfang Juli zusätzliche Brandstiftungen stattgefunden haben können, die nicht in der Statistik verzeichnet sind.

Also Nein: 2020 ist kein außergewöhnliches Brandstiftungsjahr.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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