„Gewohnheits-Verbrecher“ verprügeln 83-Jährige und rauben Geistliche aus

dzLandgericht Bochum

Die „Pfarrhaus-Bande“ hatte sich auf Pfarrhäuser spezialisiert – in Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund und Umgebung. Aber auch ein brutaler Überfall geht auf ihr Konto. Nun fiel das Urteil.

Haltern/ Bochum

, 31.01.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Einbrecher kamen immer dann, wenn der Pfarrer gerade im Gottesdienst war – jetzt sind die mutmaßlichen Täter verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht hat am Freitag bis zu zwölf Jahre Haft verhängt.

Die Masche war gemein und hinterhältig: Seit 2017 ist immer wieder in Pfarrhäuser eingebrochen worden. Die Beute: Bargeld, Schmuck und religiöse Schätze. Teilweise kamen sogar Kirchenbücher mit Tauf- und Traubescheinigungen weg, die nicht zu ersetzen sind.

Videoaufnahmen und DNA-Spuren

Zwei Männer und eine Frau waren schließlich gefasst worden: der Bandenchef, dazu Ehefrau und Sohn. Seit Februar 2019 stand die Familie in Bochum vor Gericht. So lange lief der Prozess. Auch, weil die Beweislage schwierig war.

Es gab zwar jede Menge Indizien, aber nur wenige handfeste Beweise. Alle drei waren zwar mehrfach in Tatortnähe gesehen worden. Es gibt Videoaufnahmen von einer nahen Tankstelle, eingeloggte Handys, Zeugenaussagen. Doch die Phantombilder waren eher mäßig.

"Gewohnheits-Verbrecher"

Die Richter am Bochumer Landgericht hatten am Ende trotzdem keine Zweifel. Alles zusammengenommen, so ihre Argumentation, gebe es nur eine Erklärung: Alle drei waren Mitglieder der Pfarrhausbande.

Richter Josef Große Feldhaus bezeichnete die Angeklagten beim Urteil als „Gewohnheits-Verbrecher“. Legale Einkünfte hätten sie nie gehabt. „Man hat alles, was man zum Leben benötigt, aus Diebstählen finanziert.“ Und das sei auch schon früher so gewesen.

Es gibt langjährige Vorstrafen aus Holland und Österreich – teilweise unter Alias-Namen. Der 45-jährige Hauptangeklagte war nur wenige Monate vor dem ersten Einbruch in ein Pfarrhaus aus der Haft entlassen worden. Er bekam zwölf Jahre Haft. Für den Sohn verhängte das Gericht eine Haftstrafe von neun Jahren und neun Monaten, für die Ehefrau sechs Jahre Haft.

Brutaler Angriff auf Seniorin

Im aktuellen Prozess ging es auch um einen Raubüberfall auf eine 83-jährige Frau aus Mülheim. Bei ihr waren die Angeklagten laut Urteil im September 2017 eingebrochen und auf frischer Tat überrascht worden. "Ich habe doch nichts", soll die Seniorin noch gesagt haben.

Dann wurde sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen, mit einem Brotmesser bedroht und dann in eine kleine Toilette gesperrt. Die Urteile lauten deshalb auch auf schweren Raub und Freiheitsberaubung.

Nicht alles zu beweisen

In Castrop-Rauxel hatten die Täter am 15. Juli 2018 im Pfarrhaus der St. Lambertus-Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt. Der Überfall auf Pater James der St.-Sixtus Gemeinde in Haltern konnte den Angeklagten nicht zweifelsfrei zugeordnet werden.

Auch der Überfall auf einen Geistlichen in Dortmund-Huckarde (St. Urbanus) konnte nicht aufgeklärt werden.

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