Gewinner und Verlierer: „Im Blindflug“ zurück in den Kita-Alltag

dzKinderbetreuung und Corona

Am Montag (8.6.) wird es in den Kitas wieder voll. Nicht nur Dortmunds Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger sieht den Start skeptisch. Unter Eltern gibt es Gewinner und Verlierer.

Dortmund

, 07.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von „eingeschränktem Regelbetrieb“ ist die Rede. Dahinter verbirgt sich die Rückkehr aller Kinder in die Kita-Betreuung ab Montag (8.6.). Zuletzt hatte es eine Notbetreuung gegeben. Und auch die Vorschulkinder sind seit zwei Wochen zurück in den Kitas.

Jetzt findet die Betreuung wieder unabhängig vom Jahrgang statt. Was viele Eltern ersehnt haben, bringt für andere aber gehörige Nachteile mit sich. So gibt es keine Notbetreuung mehr für Eltern aus Berufen in Schlüsselbereichen wie Gesundheitswesen oder Einzelhandel.

In der Regel zehn Stunden weniger

Zugleich werden die Betreuungszeiten um jeweils zehn Stunden gekappt. Wer bislang 45 Stunden Betreuungszeit hatte, wird auf 35 reduziert, statt 35 gibt es 25, statt 25 nur noch 15 Stunden. Viele Eltern, die zuletzt die Notbetreuung nutzen konnten, werden damit Probleme bekommen, Beruf und Kinderbetreuung zu organisieren. „Das Ende der Notbetreuung ist ein ernsthaftes Problem“, stellt auch Daniela Schneckenburger fest.

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Den Trägern ist es allerdings freigestellt, ob sie Betreuungszeiten anbieten, die über das Soll hinaus gehen - oder auch darunter bleiben. Schneckenburgers Wunsch: „Wo es geht, sollten die Kitas nach Möglichkeit das volle Programm anbieten.“

Ob das möglich ist, hängt aber vor allem vom Personal ab. Denn wer zu einer Risikogruppe gehört, könnte sich mit Blick auf die Corona-Ansteckungsgefahr befreien lassen. Beim städtischen Kita-Träger Fabido galt das zuletzt für ein Viertel der Belegschaft.

Kein Überblick über die Personallage

Die generelle Freistellung gibt es zwar nicht mehr: Nötig ist ein ärztliches Attest. Es sei aber völlig unklar, wie viele Erzieherinnen und Erzieher davon Gebrauch machen, erklärt Daniela Schneckenburger.

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Auch das zuständige Familienministerium habe keine Informationen über die Personallage bei den Kita-Trägern, hat die Dezernentin in Erfahrung gebracht. Ihr deutliches Urteil: „Das Ministerium hat den Städten Blindflug verordnet.“

Weder für die Träger noch die Eltern sei der Start in den „eingeschränkten Regelbetrieb damit eine sichere Bank, fürchtet Daniela Schneckenburger. Ob das Experiment gelingt, wird sich wohl erst im Alltagsbetrieb zeigen. „Erst an diesem Montag werden die Träger durchzählen können, ob es personell passt oder nicht“, prognostiziert sie.

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